Wissen Wolf: Wölfe und Politik – Willkommen in Absurdistan

Wolfsabschüsse, wolfsfreie Zonen, Wolfsquoten … Was die Politiker uns in letzter Zeit um die Ohren hauen, lässt mich gelinde gesagt staunen. Da haben wir nun fast 20 Jahre lang friedlich mit dem Wolf gelebt, und plötzlich wird zum Krieg aufgerufen.

Seit ihrer Rückkehr im Jahr 2000 haben sich die deutschen Wölfe relativ ruhig verhalten. Sie haben keine Rotkäppchen gefressen, sich selten blicken lassen und nur gelegentlich nicht oder schlecht geschützte Schafe gerissen. Sie haben also das getan, was ein Wolf so tut. Und wir? Wir haben es im Großen und Ganzen unaufgeregt hingenommen. Okay, so ist das eben. Ein Wolf ist ein Wolf ist ein Wolf.

Dann vermehrten und verbreiteten sich die Wölfe im Laufe der Jahre, und wir konnten in unserer bürokratischen Behäbigkeit nicht mithalten. Zwangsläufig kam es gerade bei nicht geschützten Nutztieren zu mehr Zwischenfällen. Zwei sogenannte „Problemwölfe“ wurden sogar nach Maßgabe der Managementpläne der Bundesländer getötet. Wir hatten alles im Griff. Kein Thema, wissen wir doch, dass in unseren südlichen und östlichen Nachbarländern die Menschen seit Tausenden Jahren völlig entspannt mit dem Wolf in ihrer Mitte leben. Die Erfahrung zeigt dass das möglich ist.

Aber nun schleicht sich in Wolfsdeutschland so langsam die Hysterie ein, angefeuert von trumpschen Fake News und manipulativer Panikmache durch bestimmte Interessengruppen und vor allem durch einzelne Politiker.

Der Ton ändert sich. Kein „Wir schaffen das“ sondern „Weg damit“. Ist Ihnen aufgefallen, dass die Debatte über den Wolf heutzutage mit ähnlichen Argumenten und sogar identischen Worten geführt wird wie die Debatte über die Migranten? „Brauchen wir nicht.“ „Sollen zurückgehen, wo sie hergekommen sind.“ „Obergrenze!“

Die Stimmung kippt, und selbst einige Naturschutzorganisationen sehen den Wolf nun als Bedrohung für andere gefährdete Arten. Siehe den Kommentar von Ulrich Wotschikowsky „Kauzig„.

Es scheint so, als ob uns jegliches Verständnis für das Funktionieren eines gesunden Ökosystems immer mehr abhandenkommt.

Und die Politiker blasen voll mit ins (Jagd)Horn, um ihre einflussreichen Interessenvertreter zu befriedigen. Die absurde Forderung von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) nach Wolfsabschüssen zeigt, dass die Ministerin sich offensichtlich nicht über die Gesetzeslage informiert hat. Der Wolf steht unter europäischem Artenschutz! Das bedeutet, dass auch eine deutsche Ministerin, nicht einfach diesen Schutz aufheben kann. Eine Rückstufung des Wolfes in der Berner Konvention von „streng geschützt“ zu „geschützt“ ist zwar möglich, muss aber in Brüssel beim Ständigen Ausschuss der Berner Konvention entschieden werden. Jetzt den Rechtsweg zu umgehen, indem man – wie Frau Klöckner in einem „Brandbrief“ an Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) gefordert hat – „mehr rechtliche Möglichkeiten zur Umgehung des Artenschutzes zu schaffen, damit Jäger die Wölfe einfacher abschießen können“, ist in meinen Augen nicht nur eine öffentliche Aufforderung zum Rechtsbruch (Umgehung des Artenschutzes) sondern ausgesprochen dumm und ignorant.
Ebenso wie die sich immer wiederholende Forderung, den Wolf unter das Jagdrecht zu stellen. Denn hier hätte der Wolf eine ganzjährige Schonzeit.

Ich denke, wir haben in unserem Land wahrhaft andere Probleme. Wer bei 82 Millionen Einwohnern, den Schwerpunkt seiner oder ihrer Politik auf 700 Wölfe legt, hat in meinen Augen nicht verstanden, worum es beim Regieren geht und sollte bei der nächsten Wahl die Quittung dafür bekommen.

Ich habe für mich entschieden, mich nicht an dieser Hysterie zu beteiligen. Einladungen zu „Diskussionsrunden“ lehne ich ab, weil ich nach 30 Jahren Aufklärung über den Wolf kein Interesse mehr daran habe, mich mit Menschen „auszutauschen“, die nicht an der Wahrheit interessiert sind und nur polarisieren oder hetzen wollen.

Ich gebe meine Erfahrungen weiter in meinen Büchern, in Vorträgen und Seminaren, im Blog und in meinem Newsletter. Ich habe keine Lust, mit Hysterikern, Ideologen und Hetzern zu diskutieren. Dazu ist mir meine Lebenszeit zu kostbar.

Der große Physiker und Nobelpreisträger Albert Einstein hat es einmal treffend gesagt:
„Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

In diesem Sinne: Auf ein gutes und positives neues Wolfsjahr!

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