Wissen Wolf: Wölfe und Politik – Willkommen in Absurdistan

Wolfsabschüsse, wolfsfreie Zonen, Wolfsquoten … Was die Politiker uns in letzter Zeit um die Ohren hauen, lässt mich gelinde gesagt staunen. Da haben wir nun fast 20 Jahre lang friedlich mit dem Wolf gelebt, und plötzlich wird zum Krieg aufgerufen.

Seit ihrer Rückkehr im Jahr 2000 haben sich die deutschen Wölfe relativ ruhig verhalten. Sie haben keine Rotkäppchen gefressen, sich selten blicken lassen und nur gelegentlich nicht oder schlecht geschützte Schafe gerissen. Sie haben also das getan, was ein Wolf so tut. Und wir? Wir haben es im Großen und Ganzen unaufgeregt hingenommen. Okay, so ist das eben. Ein Wolf ist ein Wolf ist ein Wolf.

Dann vermehrten und verbreiteten sich die Wölfe im Laufe der Jahre, und wir konnten in unserer bürokratischen Behäbigkeit nicht mithalten. Zwangsläufig kam es gerade bei nicht geschützten Nutztieren zu mehr Zwischenfällen. Zwei sogenannte „Problemwölfe“ wurden sogar nach Maßgabe der Managementpläne der Bundesländer getötet. Wir hatten alles im Griff. Kein Thema, wissen wir doch, dass in unseren südlichen und östlichen Nachbarländern die Menschen seit Tausenden Jahren völlig entspannt mit dem Wolf in ihrer Mitte leben. Die Erfahrung zeigt dass das möglich ist.

Aber nun schleicht sich in Wolfsdeutschland so langsam die Hysterie ein, angefeuert von trumpschen Fake News und manipulativer Panikmache durch bestimmte Interessengruppen und vor allem durch einzelne Politiker.

Der Ton ändert sich. Kein „Wir schaffen das“ sondern „Weg damit“. Ist Ihnen aufgefallen, dass die Debatte über den Wolf heutzutage mit ähnlichen Argumenten und sogar identischen Worten geführt wird wie die Debatte über die Migranten? „Brauchen wir nicht.“ „Sollen zurückgehen, wo sie hergekommen sind.“ „Obergrenze!“

Die Stimmung kippt, und selbst einige Naturschutzorganisationen sehen den Wolf nun als Bedrohung für andere gefährdete Arten. Siehe den Kommentar von Ulrich Wotschikowsky „Kauzig„.

Es scheint so, als ob uns jegliches Verständnis für das Funktionieren eines gesunden Ökosystems immer mehr abhandenkommt.

Und die Politiker blasen voll mit ins (Jagd)Horn, um ihre einflussreichen Interessenvertreter zu befriedigen. Die absurde Forderung von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) nach Wolfsabschüssen zeigt, dass die Ministerin sich offensichtlich nicht über die Gesetzeslage informiert hat. Der Wolf steht unter europäischem Artenschutz! Das bedeutet, dass auch eine deutsche Ministerin, nicht einfach diesen Schutz aufheben kann. Eine Rückstufung des Wolfes in der Berner Konvention von „streng geschützt“ zu „geschützt“ ist zwar möglich, muss aber in Brüssel beim Ständigen Ausschuss der Berner Konvention entschieden werden. Jetzt den Rechtsweg zu umgehen, indem man – wie Frau Klöckner in einem „Brandbrief“ an Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) gefordert hat – „mehr rechtliche Möglichkeiten zur Umgehung des Artenschutzes zu schaffen, damit Jäger die Wölfe einfacher abschießen können“, ist in meinen Augen nicht nur eine öffentliche Aufforderung zum Rechtsbruch (Umgehung des Artenschutzes) sondern ausgesprochen dumm und ignorant.
Ebenso wie die sich immer wiederholende Forderung, den Wolf unter das Jagdrecht zu stellen. Denn hier hätte der Wolf eine ganzjährige Schonzeit.

Ich denke, wir haben in unserem Land wahrhaft andere Probleme. Wer bei 82 Millionen Einwohnern, den Schwerpunkt seiner oder ihrer Politik auf 700 Wölfe legt, hat in meinen Augen nicht verstanden, worum es beim Regieren geht und sollte bei der nächsten Wahl die Quittung dafür bekommen.

Ich habe für mich entschieden, mich nicht an dieser Hysterie zu beteiligen. Einladungen zu „Diskussionsrunden“ lehne ich ab, weil ich nach 30 Jahren Aufklärung über den Wolf kein Interesse mehr daran habe, mich mit Menschen „auszutauschen“, die nicht an der Wahrheit interessiert sind und nur polarisieren oder hetzen wollen.

Ich gebe meine Erfahrungen weiter in meinen Büchern, in Vorträgen und Seminaren, im Blog und in meinem Newsletter. Ich habe keine Lust, mit Hysterikern, Ideologen und Hetzern zu diskutieren. Dazu ist mir meine Lebenszeit zu kostbar.

Der große Physiker und Nobelpreisträger Albert Einstein hat es einmal treffend gesagt:
„Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

In diesem Sinne: Auf ein gutes und positives neues Wolfsjahr!

Foto: pixabay.com

28 Antworten auf „Wissen Wolf: Wölfe und Politik – Willkommen in Absurdistan“

  1. Sehr geehrte Frau Radinger, sehr geehrte Frau Neubarth,

    vielen Dank für ihre persönlichen Kommentare zu meinem Beitrag.
    Leider habe ich den Eindruck, dass meine Ausführungen bei Ihnen das Gefühl erzeugten, daß ich dem Wolf nicht besonders zugetan bin.

    Dem ist aber auf keinen Fall so. Während meiner winterlichen Schlittenhundtouren in Alaska und am Yukon habe ich nachts oft bei meinen Hunden im Schlafsack verbracht. Ihr Heulen wurde öfters durch Wölfe in relativer Nähe beantwortet. Dennoch habe ich mich nie unsicher oder bedroht gefühlt. Einer der schönsten Augenblicke für mich war, 2 große, schwarze Timberwölfe für eine lange Zeit beim Überqueren des Fish-Lake bei Whitehorse beobachten zu können.

    Anfang letzten Jahres gab es eine erste Informationsveranstaltung zum Thema Wolf auf der Schwäbischen Alb. Referent war der „Wolfsexperte“ Gregor Beyer aus Brandenburg. Sein Vortrag war sehr eloquent, ließ aber etwas an Ausgewogenheit vermissen und wies einige etwas krude wirkende Beispiele von Wolfsattacken auf.
    Nach der Veranstaltung versuchte ich als einer der wenigen anwesenden Pro-Wölfler ihn in der Diskussion zu mehr konkreten Aussagen zu diesen Fällen zu bringen. Es gelang mir leider nicht, es hatte etwas von „einem Pudding an die Wand nageln“.
    Weitere Recherchen zeigten mir später, daß seine Fallbeispiele in der vorgetragenen Form absolut unhaltbar waren. Ich habe ihn in 2 Emails damit konfrontiert und um Stellungnahme gebeten. Er hat nicht einmal der Höflichkeit halber, geschweige denn konkret geantwortet.

    Meine angeführten Probleme, Hüte- und Herdenschutzhunde gleichzeitig zu halten, entstammen den Schilderungen zweier schweizer Schäfer, denen es nicht gelang, die zuerst vorhandenen Hütehunde friedlich mit den Neuankömmlingen zu vergesellschaften. Dies bedingt bis heute einen tatsächlichen, organisatorischen Mehraufwand.

    Unsere mobile Koppelung der Weiden mit ca. 1,20 hohen Zäunen und 5 –
    6 Drähten plus hoher Elektrostärke sehen wir für Erstangriffe schon als abschreckend an. Da aber in der Landschaftspflege oft Zaunlängen von 1,5 – 2 km gestellt werden, ist die Nutzung von Netzzäunen nahezu unmöglich. Da auf der Schwäbischan Alb geländemäßig auch nicht die flachen Weideflächen wie in vielen anderen Wolfsgebieten Deutschlands zu finden sind, ist das Koppeln in seiner heutigen Form schon eine echte Knochenarbeit.

    Was von den Behörden in BW z. Zt. an Beratung und Unterstützung zu erwarten ist, zeigt die Tatsache, dass der oben erwähnte G. Beyer im BW-Landtag als Wolfsexperte und Fachberater auftrat.

    Hoffen wir, dass es noch gelingt in BW eine friedlich Koexistenz mit dem Wolf zu erreichen.

    1. Nein, lieber Herr Förster, ich hatte nicht den Eindruck, dass Sie gegen den Wolf sind, sondern, dass Sie sich – wie viele Menschen im Land – bemühen, eine Lösung zu finden. Das ist enorm schwer, wenn es noch nicht einmal innerhalb der Regierung eine einheitliche Linie gibt. Viele der sogenannten „Wolfsexperten“, die auch noch als Wolfsberater arbeiten, haben noch nie in ihrem Leben einen Wolf gesehen, außer im Gehege und haben keine Ahnung von Wölfen oder deren Verhalten.
      Im Prinzip geht es bei uns ja gar nicht mehr um Wölfe, sondern um Politik und die Macht der Landwirtschafts- und Jagdlobby. Und da liegt das Elend.
      Was die Zäune angeht, so habe ich kürzlich einmal den Einsatz von RAPPA-Zäunen (http://www.rappa.mobi/wolfschutz/) erleben dürfen, die sehr viel leichter aufzustellen sind und auch auf unwegsamen Alpen oder Deichen eingesetzt werden.

      1. Liebe Frau Radinger,

        vielen Dank für den Link zum RAPPA-Zaun.
        Ohne dieses zu kennen, arbeiten wir mit einen selbst entworfenen, ähnlichen
        System. An einem Geländewagen lässt sich ein Gestell mit Litzentrommel-Abwicklern ausklappen und so alles erforderliche Material an den meisten Stellen auf einmal ausbringen.
        Eine gute Erdung gehört sowieso dazu. Das mit dem oberen Flatterband dürfte sich bei uns auch schnell integrieren lassen.
        Aufgrund der genannten Größe der Weiden hoffen wir auch, daß bei einem trotz aller Vorsicht erfolgreichen Wolfsangriff, die nicht betroffenen Tiere genügend Raum zur Flucht haben.

        Das bei den veranwortlichen Stellen wohl eher mit Wein,….ähmm Wasser ohne dezidiertes Wolfswissen gekocht wird, zeigt ja leider auch die neuste Initiative der Landwirtschaftsministerin (und ehemaligen Weinkönigin).
        Man diskutiert da einfach mal frei weg, bestehendes Recht zu brechen. Na denn !

  2. Der Wolf ist auch (vereinzelt) auf der Schwäbischen Alb angekommen.

    Eine auch für erfreuliche Tatsache. Dennoch erlebe ich sie mit gemischten Gefühlen.

    Einmal im Jahr bin ich in Vertretung für einen Schäfer für ca. 250 Schafe und 50 Ziegen verantwortlich.

    Mit diesen Tieren wird Landschaftspflegebeweidung z. B. von Wacholderheiden in Koppelschäferei betrieben. D. h. es werden alle 3 – 7 Tage neue Weiden eingerichtet und die Schafe mit Hilfe von Hütehunden versetzt.

    Wir geben uns die größte Mühe, diese Weiden so sicher wie möglich zu koppeln, aber meistens ist es bei dieser Weideform nicht möglich, die Weide absolut wolfsicher auszuführen. Das hat mehrere Gründe: die Geländebeschaffenheit, die Unmöglichkeit mitten in der freien Natur feste, dauerhafte Zähne zu errichten etc..
    Ein Untergrabschutz ? Eine Illusion !

    Es bliebe noch der Einsatz von Herdenschutzhunden. Doch diese vertragen sich wieder nicht mit den benötigten Hütehunden zum Treiben der Herde. Die Folge wäre ein sehr arbeitsintensives, zeitaufwendiges tägliches „Hundemanagement“.

    Bei einer solchen zusätzlichen zeitlichen, finanziellen und Arbeitsbelastung würde sich bei der genannten Herdengröße trotz Demeter-Status bei/nach erfolgten Wolfsangriffen ein Weiterarbeiten nicht mehr lohnen.
    Mit der Folge, dass auch die notwendige Landschaftspflege wieder zu kurz käme.

    So hoffen wir, daß eine sehr sorgfältige Koppelung und die sehr großen eingezäunten Flächen einen „Massaker-Angriff“ möglichst lange vermeiden können.

    1. Danke für die Schilderung Ihrer Sicht, Herr Förster. Allerdings bin ich nach vielen Gesprächern mit Schäfern in Sachsen, die mitten im Wolfsgebiet ihr Tiere schützen, anderer Auffassung und muss Ihnen widersprechen.
      Stimmt, „wolfssichere“ Zäune gibt es nicht. Nur „wolfsabweisende“. Nichts ist 100 % sicher. Aber Elektrozäune (KEINE Festzäune) und Herdenschutzhunde funktionieren einwandfrei. Wie kommen Sie auf die Aussage, dass die Zusammenarbeit mit Hütehunden nicht möglich ist? Natürlich ist das möglich, wenn es richtig gemacht wird. Das hat die Erfahrung gezeigt und zahlreiche Schäfer können das bestätigen. Ja, guter Herdenschutz ist mühsam, aufwändig, teuer und schwer. Aber er ist möglich und er liegt in der Verantwortung der Schäfer. Vielleicht sollten wir uns ein Beispiel an unseren südlichen und östlichen Nachbarn nehmen. In Bulgarien, Rumänien und anderen Ländern leben Schäfer seit Jahrhunderten ohne große Probleme mit dem Wolf.
      Ich empfehle zur weiteren Information das sehr gute Buch von Frank Faß „Wildlebende Wölfe. Schutz von Nutztieren – Möglichkeiten und Grenzen„. Im Buch gibt es einen ausführlichen Teil zu Schutzmaßnahmen von Schafsherden in verschiedenen Landschaftsformen.
      Bei den zuständigen Behörden und Wolfsberatern können Sie sich außerdem über die Möglichkeiten des Schutzes und die Förderungen. Ich wünsche Ihnen für Ihre Schafe gutes Gelingen.
      Herzlichst
      Elli Radinger

    2. Hallo Herr Förster,
      ich bin sicher Ihre Sorge, dass Herdenschutz- und Hütehunde sich nicht vertragen, ist unbegründet, vorausgesetzt man bringt sie mit etwas „hundeverstand“ zusammen….
      Ich selber habe das Glück, jeden Tag ( in den Wintermonaten) einem Schäfer mit einer grossen Schafherde, zwei Herdenschutzhunden und zwei Hütehunden auf meinem Hundespaziergang zu begegnen. Glück, weil es einfach immer wieder fazinierend ist, das Zusammenspiel aller zu beobachten, allzu oft vergesse ich dabei die Zeit!
      Alle paar Tage werden auch diese Schafe „weitergesetzt“, dann werden die Herdenschutzhunde in einen kleinen abgesteckten Pferch gesetzt und die Hütehunde gehen ihrer Arbeit an der Herde nach, während der Schäfer den Zaun umsetzt. Der Schäfer ist laut eigener Aussage sehr zufrieden mit dieser Form der Schafhaltung und grossartig Mehrarbeit hat er dadurch auch nicht (seine Aussage!) Auf jeden Fall -auch seine Aussage- fährt er mit ruhigerem Gefühl nach Hause.
      Lieber Herr Förster, ich hoffe Ihnen mit meiner Beobachtung ein wenig Sorge genommen zu haben, zumindest in Hinsicht auf Verträglichkeit, Zeitmanagement und Arbeitsintensität.
      Liebe Grüsse
      Sabine Neubarth

      1. Danke, Frau Neubarth, für diesen großartigen Bericht, der zeigt, dass es tatsächlich funktioniert. Es ist mit Sicherheit nicht leicht und ein schwieriger Lernprozess, aber Ihrem Schäfer hat es geholfen. Ich wünschte mir, solche Schäfer würden ihre Erfahrungen an die unerfahrenen Kollegen weitergeben. Es hilft wenig, wenn wir „Wolfskuschler“ jemandem erzählen wollen, wie es funktioniert. Nach dem Motto: „Die Studierten wollen uns erzählen, wie wir leben sollen!“ Man braucht seinesgleichen, so wie beispielsweise Schäfer Frank Neumann aus Sachsen (https://www.saechsische.de/der-beste-freund-des-schaefers-3328467.html).
        Ich erinnere mich an die ersten Jahre, als der Wolf nach Deutschland kam. Wir haben so unglaublich viel Aufklärungsarbeit geleistet, aber in der Realität hat am meisten der wunderbare Erik Zimen geholfen. Er war selbst Jäger, und wenn er mit passendem Outfit samt Jagdhund vor eine Gruppe wütender Jäger trat, konnte er sie schnell beruhigen.

  3. Danke Frau Radinger für diesen Kommentar.
    Mit Fassungslosigkeit habe ich vor Wochen durch Zufall einen Unterhaltungs-Film in der ARD gesehen. Dort sollte ein Wolf besendert werden. Durch Ablenkung hat die junge Biologin vergessen den Sender einzuschalten und weg war der Wolf. Lange Rede…. die Dame hat den Wolf aufgespürt , sich ihm genähert, nett mit ihm geredet und dann einfach mal so den Sender eingeschaltet. Das als groben Überblick.

    Was bitte soll so ein grenzenloser Unfang den Leuten vermitteln. Zahmer kuschel Wolf oder was?
    So eine Darstellung von einem Raubtier regt mich echt auf. Es gibt genug Leute die dann denken, das kann ich auch. Der Wolf kann nichts für die Dummheit der Menschen. Er ist am Ende nur das Opfer. Es tut mir leid ,dass das Überleben eines so wundervollen soziales Tiers immer noch an der menschlichen Dummheit zu scheitern droht.

  4. Großes Kompliment für diesen Bericht! Es ist sehr traurig, dass der Wolf nun benutzt wird, um auf Stimmenfang zu gehen. Wir hätten wirklich in Deutschland Themen, die mehr zum Ansehen mancher Politiker beitragen könnten als die permanenten Pseudofortsetzungen von Rotkäppchen der Gebrüder Grimm!

  5. Danke für diesen Beitrag. Wenn ich manche PolitikerInnen so hörte zum Thema, kam mir genau das in den Sinn: Es greift eine hysterische Debatte um sich, die alles „Fremde“ und Ungewohnte (Flüchtlinge wie Wölfe) auszugrenzen versucht, in einer manchmal widerwärtigen Sprache politischen Framings. Ich warte nur noch darauf, dass die Ex-Weinkönigin versucht, das Naturschutzgesetz an „Leitkultur“-Debatten anzuschließen.

    Das Schlimme an solch unqualifizierten Reden ist, dass irgendetwas in der Öffentlichkeit dann doch hängenbleibt, dass Porzellan zerschlagen wird, obwohl auch die Öffentlichkeit schon einmal weiter war.

    Den Weg, sich ideologischer Hetze zu entziehen, kann ich bestens verstehen. Man wird sonst unwillkürlich noch zum Steigbügelhalter für die Falschen gemacht. Wir müssen unsere Energie ins Positive bringen, dort, wo Menschen neugierig und offen sind, wo sie noch wirklich an Lösungen interessiert sind. Das sieht man ja an anderen Ländern: Dort, wo alle bereit dazu sind, zuzuhören, zu lernen und miteinander um Lösungen zu ringen, werden diese auch gefunden.

    Dafür wünsche ich im neuen Jahr viel Erfolg und wertvolle Begegnungen – egal, wie viele Beine sie haben! Herzlichst, Petra van Cronenburg

  6. Mich erstaunt immer, welche Emotionen das Thema Wolf in Deutschland und vermutlich auch andernorts auslöst. Schlummern da Urängste aus Zeiten in uns, in denen die Menschen noch nicht sesshaft waren und im Wald lebten? Nun leben wir schon längere Zeit nicht mehr im Wald und die wenigstens von uns verbringen überhaupt Zeit im Wald… Fragen Sie Ihre Mitmenschen, wann sie zuletzt ein lebendes Reh im Wald gesehen haben, geschweige denn auf einen Wolf getroffen sind? Warum wird hier so ein Schrecken verbreitet? Geht es um unser Leben? Man bedenke, dass auf Deutschlands Straßen pro Jahr mehr als 3.000 Menschen Ihr Leben verlieren und unzählige verletzt werden, käme deshalb jemand auf die Idee alle Autos zu verbieten? An Silvester verlieren jedes Jahr Menschen Finger und Gehör oder werden durch Böller anderweitig verletzt, kommt es hier zu Aufschreien? So nun reißt ein Wolf ein Schaf, welches unter normalen Umständen nicht mal zu seinem Beuteschema gehört, und die Bild-Zeitung mitsamt ehemaliger Weinkönigin schreien auf. Natürlich ist es sehr schade um das Schaf. Fragen Sie einen Hühnerbesitzer, wie seine Hühner leben und wie sie vor Greifvögeln, Mardern oder Füchsen geschützt werden. Jeder Hühnerbesitzer muss sich intensiv um den Schutz seiner Tiere kümmern und kann nicht fordern, dass alle Füchse, Marder und Habichte zum Abschuss freigegeben werden. Also Leute schützt Eure Tiere und lasst den Wolf in Ruhe.

  7. Die Art, in der die Wolfsdiskussion hochkocht, bestätigt meine Meinung, dass unser Umgang mit dem Thema Wolf der modernen Gesellschaft den Spiegel vor das Gesicht hält. Das Problem: die Menschen erkennen sich darin nicht… . Und traurig, aber leider real ist die verbale Parelle mit der Flüchtlingsthematik, auf die Sie, liebe Frau Radinger, hinweisen. Wenn wir, als „moderne“ Gesellschaft, nicht rechtzeitig fähig werden, unser Denken und Tun zu reflektieren – WIE sollen wir dann jemals befähigt sein, mit unbekannten Situationen so intelligent umgehen zu können, dass diese NICHT zur Bedrohung werden, sondern zu unserem Überleben beisteuern? Dazu fehlt mir die innere Vorstellung.

  8. Werte Frau Radinger, vielen Dank für Ihren Newsletter und Ihre stetige Aufklärung! Ich wünschte, viel mehr Menschen würden sich belesen, verstehen und besinnen. Der Mensch braucht scheinbar immer einen Sündenbock, nun ist der Wolf dran. Es könnte alles etwas einfacher sein, wenn man nicht nur schwarz / weiß denkt, nur an die eigenen Interessen und Bedürfnisse. Die meisten Menschen stellen sich über alles und jeden, statt das Ganze und seine Funktion zu betrachten. Würde der Wolf nicht als Jagdkonkurrent gesehen, hätte er Beute, würde diese nicht mehr im Übermaß Schäden in Landwirtschaft usw anrichten, sich Seuchen nicht so ausbreiten… Aber…. Dann hätten die armen Waidmänner nichts mehr zu tun – meines Erachtens eine Lobby, die abgeschafft gehört.
    Und dann sollen eben all jene, die Mittel zum Schutz ihrer Tiere nutzen, die der Staat zur Verfügung stellt! Ich verstehe das alles nicht, es ist bestürzend, traurig, erschreckend und unfassbar, wie Menschen sind.
    Ich würde gern was tun- was kann ich tun, um mich dafür einzusetzen?!

  9. S. g. Frau Radinger!
    Gratuliere, dass Sie sich in Zukunft für den Wolf dort einsetzten werden, wo
    es auch etwas bringt. Es ist echt schade Energie für Unbelehrbare zu vergeuden.
    Ihre tollen Bücher können sicher einiges für ein besseres Wolfverständnis bei
    tragen. Vielleicht könnten mit Lesungen in Schulen für eine verständnisvollere
    Gesellschaft von morgen beitragen?
    Danke für Ihren intensiven Einsatz für Wolf und Natur!!!

  10. Ntürlich ändert sich der Ton – zum Glück. Die Wölfe werden (leider) mehr – zu viele für eine dicht besidelte Kulturlandschaft. Angeblich wolfssichere Zäune wurden überwunden, HSH angegriffen und schwer verletzt…Übergriffe auf menschen gekonnt verschwiegen. Nein, als Bewohner einer Region mit sehr vielen Wölfen ist es nicht mehr lustig

        1. Lieber Bewohner.
          Ich finde es zunächst sehr mutig, dass Sie sich mit ihrem Posting in die „Höhle der Löwen“ begeben haben. Leider scheinen Sie jedoch nicht an echter Aufklärung interessiert zu sein, sondern nur ihren Ärger und ihre Vorurteile loswerden zu wollen. Herr Müller hat um konkrete Angaben gebeten. Darauf warte auch ich noch. Bitte nennen Sie Ort, Datum, Vorfall, Presselink etc. zu den behaupteten Angriffen. Nur dann ist ein fairer Meinungsaustausch möglich.
          Mein Blog ist kein Ort für Polarisierungen und unqualifizierte Hetze.

    1. „Übergriffe auf Menschen wurden gekonnt verschwiegen ……“ Mmmh, so gekonnt kann das offenbar nicht gewesen sein. Sie wissen ja offenbar davon. Dann lassen Sie uns teilhaben. Wo, wann, wer?

    2. Am besten ist, Sie schließen sich irgendwo ein und kommen nie wieder heraus,
      dann brauchen Sie keine Angst zu haben, daß ein „böser“ Wolf Sie auffrißt.

  11. Liebe Frau Radinger,
    ich danke Ihnen für diesen Kommentar, Sie haben mir damit aus der Seele geschrieben.
    Ich bin sehr froh, dass es Ihren Newsletter gibt, hier kann ich sicher sein, dass ich wichtige Informationen bekomme, denen ich vertrauen kann.
    Alles Gute für Sie im neuen Jahr.
    Mit den besten Grüßen
    Susanne Bektari

  12. Vielen Dank für den treffenden Kommentar. ich stelle auch immer mehr fest, dass die Leute die Wahrheit gar nicht wissen wollen, weil sie dann zu denken beginnen müssten – siehe Hundefutter-Mafia und Impfungen.
    Irgendwann wird man müde, gegen Windmühlen anzukämpfen. Danke, dass es Sie gibt und danke, dass Sie sich für den Wolf einsetzen. Die Hetze in der Schweiz ist nicht anders als in Deutschland.
    Herzliche Grüsse
    Veronica Klauser

  13. Ist es nicht eine Farce, wenn der Mensch sich selbst als Krone der Schöpfung betrachtet während sein Verstand in Anbetracht von Geschöpfen kapituliert, die er als vermeintlich gefährlich betrachtet? Egal was sich der Mensch als Gefahr ausmalt, er bevorzugt zur Lösung des Problems viel zu häufig die Benutzung von Waffen und Gewalt statt den Verstand. Nicht ganz unschuldig sind dabei die Medien, die eine „jährliche Verbreitung der Wolfspopulation von 25-30Prozent“ (lt. jüngster DPA-Meldung/Volksstimme v. 03. 01. 2019) einfach so im Raum und so den Leser mit einer unheilvollen Vision stehen lassen. Dass sich aber diese Population irgendwann von alleine reguliert und solche Wachstumszahlen ad acta gelegt werden können, sobald sich die Reviere etabliert und gefestigt haben, kein Wort dazu – ist ja auch nicht „reißerisch“ genug.
    Auch die Darstellungen der Wolfsrisse an Nutztieren wäre statistisch sachlicher, wenn man die Zahl der Vorkommnisse und nicht die der Opfertiere voranstellt. Denn es ist ein normales und nicht auffälliges Verhalten, wenn ein Wolf oder Fuchs oder Hund in einem Gehege mehr als ein Tier reißt, weil die anderen nunmal nicht entkommen können. Dass aber der Mensch diese Gehege so baut, dass der Wolf zwar rein, aber das Nutztier nicht rauskommt, ist doch nicht dem Wolf anzulasten. Ist aber einfacher, als mit dem Finger auf sich selbst zu zeigen.
    Ach Mensch, Du bist ein armes Geschöpf, das mit der Mutter Natur völlig überlastet ist.

  14. Einsteins Wort von der Unendlichkeit der menschlichen Dummheit passt zur neudeutschen Wolfspsychose. Besonders die ehemalige Weinkönigin aka Agrarministerin tut sich hervor, um sich einen Platz im Bauernverband nach der nächsten Wahl zu sichern. Zum hundertsten Mal: Politiker sind Menschen minderen Verstandes, sonst wären sie nicht Politiker.

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