Notfall-Fürsorge für den Hund

19. Januar 2023

Bello allein zu Hause. Wo bleibt Frauchen? (Foto: Ulrike Mai / Pixabay)

Es geschah alles blitzschnell. Eine kleine Unaufmerksamkeit, Bremsen quietschten, und das Geräusch aufeinanderprallenden Blechs zerschnitt die winterliche Stille. Von den anderen Wageninsassen hatte kein Einziger den Unfall überlebt. Nur Rotti, der zehn Jahre alte Rottweiler, der aus dem Auto geschleudert wurde, hatte Glück. Die Polizei brachte ihn zum Tierarzt, der seine Verletzungen versorgte, und danach ins Tierheim. Niemand in der Familie der Opfer wollte den Hund. »Wir haben keine Zeit, uns um den alten Hund unserer Eltern zu kümmern«, sagten sie.
Im Tierheim machte man sich keine Hoffnungen. Hunde, die älter als zwei Jahre seien, hätten nur geringe Chancen, ein neues Zuhause zu finden. Verwaiste Tiere werden oft als unadoptierbar bezeichnet, weil sie so verzweifelt sind. Sie weigern sich zu essen und zeigen wenig Interesse an allem. Sie »verkaufen« sich nicht gut. Noch schwieriger ist es, alte und kranke Hunde zu vermitteln oder gar »Listenhunde«, also Hunde, die offiziell als gefährlich eingestuft und an deren Haltung besondere Bedingungen geknüpft werden. Oft werden sie auch als »Kampfhunde« bezeichnet. Zu ihnen gehört, zumindest in einigen deutschen Bundesländern, auch der Rottweiler.
Nach dem Trauma, das Rotti durchlebt hatte, blickte er nun also in eine ungewisse und düstere Zukunft. Seine körperlichen Wunden wurden behandelt, aber seine Seele war einsam und verwirrt. Er wusste nicht, was geschehen war. Jeden Tag wartete er und hoffte, dass seine Besitzer kämen, um ihn zu holen.
Man hatte ihn in einem Gehege in der hinteren Reihe untergebracht. In den anderen Ausläufen neben ihm saßen alte oder schwer vermittelbare Hunde mit leeren Augen, die schon aufgegeben hatten. An Besuchstagen wurde der Lärm für Rotti fast unerträglich. Die jungen Hunde und Welpen in der ersten Reihe bellten, fiepten, winselten und sprangen an den Gittern hoch. Sie taten alles, um die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich zu lenken. Es hatte sich herumgesprochen, dass man nur einen besonders umwerfenden Blick aufsetzen musste, um das Herz der Zweibeiner zu erobern.
Manchmal kam jemand zu Rottis Gehege und schaute auf das Schild, das an der Zugangstür angebracht war: Rottweiler »Rotti«, 12 Jahre alt, kastriert, keine Verhaltensauffälligkeiten. Ein prüfender Blick zu dem Hund, der in der hintersten Ecke seines Freilaufs zusammengerollt und teilnahmslos auf einer Decke lag und nicht einmal den Versuch machte, die Interessenten zu begrüßen. Rotti trauerte still. Wieder war ein Tag vergangen, wieder wurde er übersehen und hatte kostbare Lebenszeit verloren.
Im Gehege nebenan lag eine 15 Jahre alte Cocker Spaniel-Hündin. Mitunter hob sie den Kopf, wenn Besucher vorbeigingen, und schaute sie mit trüben Augen an. Vierzig Kilometer entfernt saß ihr ehemaliger Besitzer in einem Pflegeheim im Sessel und starrte in die Ferne. Er hatte Demenz und erinnerte sich nicht mehr an seine langjährige vierbeinige Begleiterin. Manchmal spürte er, dass ihm etwas fehlte, eine Sehnsucht, ein Schmerz, aber er wusste nicht, was es war.
(Buchauszug „Die Weisheit alter Hunde“, Kapitel „Kümmere dich um dein Rudel“)

In guten wie in schlechten Tagen
Es ist ein heikles Thema, mit dem sich die wenigsten Menschen beschäftigen wollen, aber es gehört zum Leben und zu unseren Aufgaben als Hundehalter: die Für- und Vorsorge für unser Rudel.
Was passiert mit unseren Tieren, wenn uns etwas geschieht? Dies ist eine Frage, die wir uns stellen sollten, besonders wenn wir alleine leben. Ich frage mich oft, was wäre wenn ich einen Unfall hätte und im Krankenhaus liegen würde? Wer würde sich um Hope kümmern? Wer würde überhaupt wissen, dass sie alleine zuhause ist?
Oder ich bin zum Einkaufen und ein Feuer bricht in meinem Haus aus. Wer rettet meine Hündin?
Es gibt viele was-wäre-wenn Gedanken, wenn man anfängt, sich damit zu beschäftigen. Alle sind gleichermaßen erschreckend. Für uns selbst sorgen wir vor. Aber für unsere Tiere?
Ich habe ein paar Maßnahmen ergriffen, die vielleicht helfen können, im Notfall das Leben von Hope zu retten. Auf jeden Fall beruhigen sie mich ein wenig.

Hopes Notfallkarte. Auf der Rückseite steht die Telefonnummer meines Notfallkontakts. (Karte von: hundeausweis.de)

Wo ist der Hund?
Wichtig ist vor allem, dass im Notfall überhaupt jemand davon erfährt, dass ich einen Hund habe der Hilfe braucht.
Ich habe mir im Internet verschiedene Kärtchen im Scheckkartenformat (s.o.) besorgt mit Informationen über Hope und auf der Rückseite den Namen und die Handy-Nummer einer Kontaktperson, die sich um den Hund kümmert. Diese Kärtchen habe ich überall dorthin gelegt, wo auch ein Polizist oder Sanitäter nachschauen würde, also zum Führerschein, Personalausweis oder im Handschuhfach meines Autos.
Einen großen Notfall-Aufkleber habe ich auf die Haustür meines Hauses geklebt und der kleine gelbe Sticker klebt an meiner Autoscheibe.

Karten zum Aufkleben an die Haustür/Fenster oder für das Autofenster. (www.allein-daheim.de)

Wer „erbt“ den Hund?
Auch wenn Sie alleine leben, gehe ich davon aus, dass Sie jemanden kennen, der sich im Notfall um Ihren Hund kümmern kann und der ihn im schlimmsten Fall auch behält. Manchem mag es schwer fallen, seine Liebe zu teilen, aber es ist im Interesse des Hundes, wenn er so früh wie möglich mit anderen Menschen vertraut ist.
Ich habe – gemeinsam mit Hope – eine gute Freundin als potenzielle „Adoptivmutter“ ausgewählt, mit der sich Hope bestens versteht und bei der ich sie gut aufgehoben weiß. Selbstverständlich habe ich zuvor alles mit meiner Freundin besprochen, die eine Mappe „Hope“ von mir erhalten hat. Darin befindet sich eine Kopie von Hopes Impfpass mit der Chip-Nummer und der Tasso-Kennzeichnung. Außerdem die Adresse ihrer Stamm-Tierärztin und eine Liste von Medikamenten, die Hope braucht. Bei den „Besonderheiten“ meiner Tierschutzhündin habe ich geschrieben: „sehr ängstlich“. Vergessen Sie auch nicht eine Vollmacht, damit Ihre Kontaktperson den Hund zur Not im Tierheim abholen oder zu einem Tierarzt bringen kann kann.
Einen Umschlag mit diesen Infos habe ich meinem eigenen Testament hinzugefügt.

Mit diesen Vorsorgemaßnahmen, die ich hoffentlich niemals brauchen werde, kann ich mich nun wieder entspannt auf das gemeinsame Leben mit Hope konzentrieren.

(Wichtig: Die Infos zu den Notfallausweisen sind keine gesponserte Werbung, sondern gänzlich unbeeinflusste Erfahrungsberichte. Die Aufkleber habe ich alle selbst gekauft und bezahlt. Es gibt außerdem zahlreiche kostenlose Angebote von großen Tierfachläden oder Sie können auch selbst ein Kärtchen mit den wichtigen Informationen basteln. Hauptsache Sie TUN es.)

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