Buchtipp: Wölfe. Sind sie uns zu nah?

14. Juli 2026

Wölfe. Sind sie uns zu nah?
Eine Recherche zum Wesen von Wölfen, Hunden und Menschen
Andreas Moser
488 Seiten, 217 farbige Abbildungen
Verlag Hier und Jetzt
ISBN 978-3039196593
44,00 €

Inhalt
Die Irritationen waren groß, als vor 30 Jahren erstmals wieder ein Wolf auf Schweizer Boden gesichtet wurde. Und sie sind es bis heute. Die Rückkehr der Wölfe in die Schweiz hat zahlreiche Konfliktfelder eröffnet: Vordergründig geht es um Landwirtschaft, Jagd und Naturschutz, doch die Hintergründe reichen von alten Ängsten vor dem „bösen Wolf“ bis zu den divergierenden Weltanschauungen zwischen Stadt und Land. Andreas Moser verfolgte die Wölfe in mehreren filmischen SRF-Dokumentationen seit 1995. Weniger als Biologe denn als interdisziplinärer Autor zeichnet er die Entwicklungen von der Domestizierung zu Hunden über neuste Erkenntnisse aus Angst- und Genforschung bis zum Sozialverhalten nach und zeigt, was unser spezielles Verhältnis zu den Wölfen ausmacht. Mit reichhaltigen Quellen kann er dabei viele traditionelle Vorstellungen klären, Vorbehalte ausräumen und die biologischen und kulturhistorischen Konstanten zwischen Menschen, Wölfen und Hunden beschreiben. Seine packende Erzählung ist mit kurzen Bildreportagen aus exklusiven Videos zum Verhalten der Wölfe illustriert.

Autor
Der Biologe Andreas Moser ist bekannt geworden als charismatischer Moderator und Redaktionsleiter der SRF-Sendung „Netz Natur“. Mit seinen Reportagen zu Natur, Tier und Umwelt hat er ein breites Publikum erreicht und zahlreiche Preise gewonnen.

Fotograf
Das Buch enthält zahlreiche beeindruckende Fotosequenzen des italienischen Tierfilmers Stefano Polliotto. Die Bilder, auf dunklem Hintergrund gedruckt, teilen die einzelnen thematischen Kapitel des Buches auf. Sie entstammen Videos mit Freilandaufnahmen von Wölfen, die Polliotto in den Piemonteser Alpen westlich von Turin aufgenommen hat. Diese Bilder/Videos dokumentieren ungestörtes und selten gesehenesWolfsleben. Über mehrere Seiten hinweg werden Verhaltensabläufe Bild für Bild in Untertiteln neben den Bildern erklärt und analysiert. Spektakulär beispielsweise die Aufnahmen von Wölfen mit einem Wildschwein („Zoff mit dem Wildschwein“). Schmunzeln musste ich über die Sequenz „Der Wolf träumt“, in der ein Wolf in tiefem Schlaf liegt, während er von der Gämse über ihm beobachtet wird. Auch das Verhalten einer Wölfin beim Treffen mit einem Wildbiologen ist faszinierend und eine einmalige Beobachtung.
Die Bildstrecken im Buch sind alle mit einem QR-Code versehen. Dieser öffnet einen Link zum Streamen des Videos, aus dem die Einzelbilder entnommen wurden. So kann man die ganze Verhaltenssequenz im Film anschauen.

Kommentar
Dieses Buch ist ein echtes Schwergewicht, nicht nur real – mit fast einem Kilo – sondern vor allem inhaltlich.
In den über 50 Jahren, in denen ich Wölfe erforsche, beobachte, über sie schreibe, an Artenschutzkonferenzen teilnehme und Vorträge über sie halte, und in denen ich Zeit mit Wölfen – teilweise hautnah – im amerikanischen Yellowstone-Nationalpark verbracht habe, hat mich nichts so sehr fasziniert wie dieses Buch.
„Wölfe. Sind sie uns zu nah?“ ist ein Fleiß-Gesamtwerk von dem Wissenschaftsautor und Biologen Andreas Moser und Stefan Polliotto, einem italienischen Tierfilmer aus dem Piemont

Zum Text
Es ist wohltuend, dass sich der Autor Andreas Moser in diesem spannenden Sachbuch nicht auf die übliche Debatte zwischen Wolfsbefürwortern und Wolfsgegnern beschränkt, sondern das Verhältnis von Mensch, Wolf und Hund aus biologischer, kulturhistorischer und gesellschaftlicher Perspektive beschreibt.
Besonders überzeugend ist der interdisziplinäre Ansatz. Moser verbindet aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse mit historischen Entwicklungen und zeigt, wie eng die Geschichte des Menschen mit der des Wolfes verknüpft ist. Dabei räumt er mit zahlreichen Mythen auf, ohne die realen Herausforderungen der Rückkehr des Wolfes – etwa für Weidetierhalter oder den Naturschutz – auszublenden. Statt einfache Antworten zu liefern, regt das Buch dazu an, die oft emotional geführte Diskussion differenzierter zu betrachten.

Fazit
Wölfe. Sind sie uns zu nah? ist ein sorgfältig recherchiertes und unglaublich umfassendes Sachbuch, das wissenschaftliche Erkenntnisse mit spannenden Geschichten und eindrucksvollen Bildern verbindet. Mich hat es emotional wieder zurück in meine Zeit in Yellowstone gebracht, wofür ich sehr dankbar bin.
Ich empfehle das Buch jedem, der sich ausführlich über Wölfe informieren will.

0 Kommentare

Das könnte Sie auch interessieren…

Buchtipp: ReBELLion

Buchtipp: ReBELLion

ReBELLion Was laute Hunde sagen – und warum wir ihnen zuhören sollten Ulli Reichmann Fellow Verlag Taschenbuch, 204...