Reisen mit dem alten Hund – Genuss statt Stress

Urlaub! Endlich! Nach monatelanger Arbeit am neuen Buch bin ich reif für die Insel – oder für’s Meer. Ich habe meiner Shira einen Urlaub in Dänemark versprochen. Dort ist sie geboren. Jetzt – 13 Jahre später – will ich mit ihr nochmal in ihre „Heimat“ fahren. Ja, das ist sentimental. Ihr ist es vermutlich egal, wo wir sind – mit Ausnahme von Wasser, das für einen Labrador von elementarer Bedeutung ist. Aber das Wichtigste für sie ist, dass sie mit mir zusammen ist.

Shira
Shira – mit 3 Beinen abgehoben

Ich habe in Henne Strand ein kleines Ferienhaus gemietet. Es liegt in erster Reihe hinter den Dünen, einsam und still. Nur die Brandung ist zu hören. Der April ist die perfekte Urlaubszeit. Die wenigen Menschen, die ich treffe, haben ältere Hunde dabei. Sie alle schätzen die Ruhe und den weiten, leeren Strand.
Noch einmal einen gemeinsamen Urlaub, jede Minute auskosten. Auf den Dünen sitzen, aneinander gelehnt, und den Ozean schnuppern. „Noch einmal“ bestimmt jetzt mein Leben bei allem, was ich tue. Ich denke es mit Wehmut, manchmal auch mit einer leichten antizipatorischen Trauer, aber vor allem mit einem tiefen Gefühl von Dankbarkeit und Glück.

Und Shira? Mute ich ihr zu viel zu? Die Reise von Hessen in den hohen Norden ist anstrengend, für mich, meine alte Hündin und meinen zehn Jahre alten Hyundai Atos. Ich lege einen Zwischenstopp ein und ernte damit den Spott meiner Freunde, die nicht verstehen, warum man bei einer Fahrt von „nur“ 800 Kilometern auch noch übernachten muss. Mein Routenplan gibt eine Fahrdauer von siebeneinhalb Stunden an – was für mein gemächliches Fahrtempo dann bei gefühlten zwölf Stunden liegen würde. Darauf habe ich kein Lust. Wichtig ist es, sich meiner alten Hündin anzupassen. Also gut – vielleicht schiebe ich Shira nur als Grund vor, denn sie verschläft sowieso fast die ganze Fahrt in Ihrer Box. Aber mich stressen lange Autofahrten enorm. Darum fahren wir mit Shira-Tempo. Bekanntlich ist ja der Weg das Ziel.

Eine Frage stelle ich mir allerdings immer wieder: Muss ich überhaupt in Urlaub fahren, um eine Auszeit zu nehmen und um mich zu entspannen? Die Antwort ist einfach: Nein, muss ich nicht. Ich kann auch genauso Zuhause Urlaub machen. Hier habe ich einen Blogeintrag dazu gefunden.

Aber schön ist unsere Reise trotzdem – weil ich Lust darauf habe.
Wenn wir beide nach der Wanderung durch die Dünen und am Strand entlang zurück zum Haus kommen, sind wir müde. Wir essen und legen uns auf die Terrasse in die Sonne, wo wir beim Geräusch der Wellen einschlafen. Auf Shiras nassem Fell glitzern die Tropfen. Sie sieht entspannt und sehr glücklich aus. Auch, wenn uns irgendwann der Alltag wieder hat, werden wir noch lange von dieser Zeit zehren. Vor allem wachsen wir in den gemeinsamen Ferien noch mehr zusammen, wird unsere Beziehung intensiver, die Zeit kostbarer. Ein weiterer Grund, dankbar zu sein.

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