Yellowstone: Tochter von She-Wolf erschossen

Lamar
926F, November 2017 (Foto: Kathy Lynch)

Am vergangenen Wochenende wurde fünf Meilen außerhalb vom Yellowstone-Nationalpark (zwischen Silver Gate und Cooke City) die Lamar-Leitwölfin 926F von einem Trophäenjäger bei der legalen Wolfsjagd erschossen.

Der Verlust von 926F ist besonders tragisch, weil sie von einer der längsten Blutlinien von Wölfen im Park abstammt. Die siebenjährige Wölfin war Mitglied des berühmten Lamar Canyon Rudels. Ihre Abstammung kann fünf Generationen zurückverfolgt werden bis zu ihren Urgroßeltern 9F und 10M, den ersten Wölfen, die 1995 im Park wiederangesiedelt wurden. Sie war auch die Tochter von She-Wolf und Wolf 755 und wurde wie ihre Mutter auch erschossen – im Dezember 2012.

926 wurde von manchen Besuchern „Spitfire“ genannt. Ich kannte sie als „Small Black Female“, weil sie ihrer größeren Schwester so ähnlich sah. Es gab schönere Wölfe in Yellowstone. 926 war klein (sie wog wenig mehr als 40 kg), dünn, mit riesigen Ohren und einer Kerbe im rechten Ohr. Die Biologen, die ihr ein Funkhalsband verpassten, bezeichneten sie als „hässlich“. Für mich war sie wie ihre Mutter, über die ich oft geschrieben habe, eine der stärksten Persönlichkeiten des Parks und eine wahre Überlebenskünstlerin.

Lamar
926F (re.) und ihr Bruder 992M, Januar 2016 (Foto: Doug McLaughlin)

Small Black Female hatte ein hartes Leben: Ihr erster Gefährte wurde von anderen Wölfen getötet, die Welpen verschwanden. Sie verlor vier weitere Rüden aus ihrem Rudel, bekam Räude und keiner ihrer Welpen überlebte länger als drei Jahre. Ein weiterer Partner wurde getötet, einer starb an Staupe. Sie verlor ihren Leitwolf-Status. Dann aber endlich wieder Hoffnung: 926 fand einen neuen Gefährten und gründete wieder eine Familie mit ihr als Oberhaupt. Zum ersten Mal seit drei Jahren wurde dem Lamar-Rudel ein Wurf von fünf Welpen geboren. Small Black Female hinterlässt u.a. eine Tochter „Little T“ und einen Sohn „Small Dot“.

Was immer ihr geschah, wie sehr sie auch das Schicksal beutelte, die kleine Wölfin mit den hellen Augen stand auf, schüttelte sich und machte weiter. Dabei hatte sie immer Zeit zum Spielen und besaß endlose Energie. Für mich war sie ein großes Vorbild. Sie hat mir gezeigt, dass uns nichts von unserer Mission abhalten kann, wenn wir unserem Herzen folgen.

Lamar
926F, August 2015 (Foto: Doug McLaughlin)

Nur eine Kugel konnte 926 stoppen. Sie wurde legal erschossen. In Montana dürfen Wölfe seit 2011 wieder gejagt werden. Mehrere Hundert von ihnen werden jährlich getötet.
Der Tod von 926 hat erneut zur Forderung nach einer Pufferzone rund um den Yellowstone-Park geführt. Dies hatte die (republikanische) Regierung von Montana per Gesetz verboten. In jedem der zwei Jagddistrikte, die an den nördlichen Teil des Parks grenzen, gibt es eine Jagdbeschränkung von zwei Wölfen. Eine Wolfsjagdlizenz kostet in Montana 19 $ für Einheimische und 50 $ für alle anderen.
Viele der Parkwölfe sind an Menschen gewohnt und zeigen Zeichen von Habituierung. Wenn sie aus dem Gebiet heraus laufen und auf Jäger treffen, wird ihnen das zum Verhängnis.
Doug Smith, der leitende Biologe des Parks sagte in einem Interview:
„Die Wolfsjäger erzählen davon, dass sie sich bei Rudeln, auf die sie außerhalb vom Parkgrenzen treffen, jeden Wolf aussuchen können, den sie möchten. Die Tiere stehen einfach nur da und haben keine Angst.“ Wie „sportlich“ ist es, ein Tier zu schießen, das nur da steht?

Das Schicksal der Wölfin ist auch eine Warnung vor dem, was mit Wölfen anderswo in den USA passieren könnte, wenn der Kongress und die Trump-Administration mit ihren Plänen fortfahren, den Wölfen den Artenschutz zu entziehen.
Etwa 100 Wölfe gibt es in 10 Rudeln im Park. Insgesamt leben ca. 1.700 Wölfe in Montana, Idaho und Wyoming.

Die Wut und Empörung über den Tod von 926 sind verständlicherweise enorm. Der im Internet namentlich genannte Wolfsjäger erhält Drohungen und Beschimpfungen. Das soll ihn und seine Familie nun so wütend gemacht haben, dass sein Sohn sich eine weitere Wolfslizenz gekauft und gedroht haben soll, einen weiteren Lamar-Wolf zu erschießen.

Wir sehen, was Wut und Hass anrichten können – in welcher Form und von wem auch immer. Es entsteht eine Spirale der Gewalt, an deren Ende nur Verlierer stehen.

Hier ein Video von 926 und Small Dot

12 Antworten auf „Yellowstone: Tochter von She-Wolf erschossen“

  1. Bin sehr traurig, aber leider rechne ich derzeit immer mal wieder mit solchen schlechten Nachrichten.
    Auch in Niedersachsen sind die Offiziellen wieder einmal auf der populistischen Jagd, trotz der Ergebnisse des DNA Tests.
    Und auch in Schleswig-Holstein stößt der Präsident des Bauernverbandes in das „Böse-Wolf-Horn“. Die Kinder könnten ja nicht einmal mehr ohne Angst zur Bushaltestelle oder zum Kindergarten gehen und die Wölfe würden durch die Ortschaften spazieren.
    Also ich kann diesem Herrn nur empfehlen über die Weihnachtstage nicht nach seiner Großmutter zu schauen. Vielleicht liegt ja schon der Wolf verkleidet im Bett.

  2. Der Mensch tötet, was er doch liebt, immer wieder…wir können so schlecht diejenigen achten, die in Freiheit leben und dort jagen. Dabei ist es das, was wir so an ihnen bewundern: sie brauchen uns nicht und sind nicht neidisch auf uns.

    Ich bin auch froh, dass es kein Wolf war, der hier in Deutschland einen Menschen angegriffen hat, froh für beide Seiten… ein Land, in der ein freier Wolf durch einen Wald streift , ist doch ein wunderbares Bild. Wir sollten diesen Traum zulassen, es ist nichts ohne Risiko.

  3. Ich bin tief betroffen.
    Ein Wertezerfall weltweit im Zeitraffer, oft mache ich dicht, ertrage diese Flut an Hiobs Botschaften nicht mehr.
    Auch die Populationsstärke von 1700 Wölfen in 3 !!! Bundesstaaten erschreckt mich, ich nahm weitaus mehr an.
    Werte Elli Radinger, ich wünsche Ihnen frohe Weihnachten, ein Weihnachten für die Hoffnung und rutschen Sie gut ins neue Jahr.
    Gott schütze unsere Wölfe

  4. Es ist traurig was auf Mutter Erde mit allem Leben geschieht! Ich schäme mich zu der heutigen Spezies Mensch zu gehören. Profit, Profit,Profit….
    Konsum, Konsum, Konsum…
    Auf Teufel komm raus!
    Aber die Quittung wird kommen!
    Und dann gibt es kein zurück mehr!

  5. Hallo Frau Radinger,
    hab eben vom der der She-Wolf Tochter gelesen, mir stand das Wasser in den Augen obwohl ich sie nicht kenne, oder fast nicht. Ich war vor kurzen auf der Suche nach Bücher über Wölfe und ein Glück für mich das ich Ihre gefunden hab.

    Der Wolf ist da, er wird bleiben und wir müssen mit Ihm Leben lernen.

    Wir haben eine Demeter Bauernhof, Mutter-Kuhherde in Weidehaltung Luftlinie gefühlt 20 km von Grafenwöhr Truppenübungsplatz.
    In Grafenwöhr wohnt ein Wolfpaar ich glaub das dritte Jahr, und vielleicht bekommen Sie diesen Frühling Junge ich würde es Ihnen Wünschen.

    Durch Ihre Bücher ist mir der Wolf verständlicher geworden und ich kann ihn liebevoller respektieren.
    Es ist so wie mit den Fuchs, wenn der mir meine Hühner holt ist es mein Verschulden ich habe sie zuwenig geschützt. Der Fuchs hat halt auch Hunger.
    Und mit den Wolf wird’s genauso. Sie haben Recht man muss versuchen ihn zu verstehen. Dann kann man besser reagieren.

    Ich wünsch Ihnen eine schöne Zeit.

  6. Wie tief ist Amerika doch gesunken.
    Was ist das für eine Jagd, indem man auf alles schießt, was „zutraulich“ aus dem Park läuft ?
    Erinnert mich an einen Cartoon:
    Ein Jäger weidet gerade einen erschossenen und am Baum aufgehängten Wolf aus. Im Hintergrund sieht man ein großes Rudel Hirsche und er sagt zu seinem Jagdspezi „Schnell, schieß mehr Hirsche, bevor sie zu viele werden und verhungern !“
    Kommentar überflüssig ! Warum kann man das die Natur nicht für sich regeln lassen ?

    1. Diesen Bastarden gehört das Handwerk gelegt .Bei der Regierung kein Wunder ,Die Menschheit geht den Bach runter.
      Meine Wut über derlei Handlungen kann ich nicht in Worte fassen

  7. Immer wieder frage ich mich, wie es sein kann, dass diese Faszination, die Wölfe auf mich und andere Wolfsliebhaber ausüben, an anderen Menschen ganz und gar abzuprallen scheint. Diese schönen Naturaufnahmen, die schönen Tiere – sehen diese Menschen die Schönheit und Anmut nicht? Schmerzt es sie nicht, solch ein Leben zu beenden?
    Woher der Hass? Woher der Fanatismus?
    Die Welt wird immer verrückter …

  8. Mir stehen beim Lesen dieser Nachricht die Tränen in den Augen!
    Gerade habe ich in einem Deiner Bücher über 928F gelesen und fühlte mich irgendwie ihr nahe.
    Ich kann einerseits verstehen, dass Menschen Angst vor den Wölfen haben, sich vielleicht sogar über sie ärgern – doch bei dieser Wölf gab es offensichtlich keinen Grund, sie gezielt zu töten!
    Umso mehr bin ich auch entsetzt über Aussagen, dass es gar keine echte Jagd auf die Wölfe gibt, wegen deren „gewöhnt sein“ an den Menschen. Um so perfider ist das Töten der Tiere ohne Anlass.

    Es ist inzwischen bei vielen bekannt, wohl, nicht bei genügend Menschen, dass der Wolf für einen natürlichen Ausglich in der Natur notwendig ist /s. Yellowstone). Ich wünsche mir, dass wir Menschen überall, die Natur neben uns mit all ihren Schönheiten und vielleicht auch manchmal nicht so schönen Dingen, neben und mit uns leben lassen.

    Ich merke, dass ich mich zügeln muss, um nicht sarkastisch zu werden.

    ALLEN Mitmenschen eine Frohe Weihnacht, verbunden mit dem Wunsch, die pure Freude an der Natur in uns aufleben zu lassen.
    Gottes Segen!

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