USA will den Artenschutz für alle Wölfe abschaffen

Wir alle haben es befürchtet und gehofft, dass es nicht eintritt. Aber jetzt ist es soweit. Präsident Trump plant, ein weiteres Wahlversprechen wahrzumachen und bereitet die Aufhebung des Artenschutzes für Wölfe in den USA vor. Damit entzündet sich erneut der Rechtsstreit über einen Beutegreifer, der mit wachsender Population den Konflikt mit Bauern und Viehzüchtern verstärkt.

Schon jetzt gibt es eine Hexenjagd auf Bundesangestellte, die die Wissenschaft vom Klimawandel unterstützen. 640 Millionen Hektar öffentliches Land der Steuerzahler ist vielerorts nicht mehr geschützt. Es wird erwartet, dass die Öl- und Gasförderung auf öffentlichen Flächen dereguliert wird, und selbst Kohle kann zu erneuten Investitionen führen. Als weiteres Opfer steht nun der Wolf auf der Agenda der Republikaner, ein Tier, das erst 1995 wiederangesiedelt wurde, um die extrem große Hirschpopulation zu kontrollieren und das Gleichgewicht in der natürlichen Nahrungskette wiederherzustellen.

Man muss allerdings wissen, dass der Wolf als Spezies in Nordamerika nicht per se bedroht ist, sondern nur bestimmte Populationen in bestimmten geografischen Gebieten. In Alaska und Kanada leben etwa 60.000 Wölfe. Diese leiden „nur“ unter den allgemeinen Auswirkungen der Anti-Umweltpolitik, des beschleunigten Klimawandels und des Verlustes von Lebensräumen.

Ebenfalls bedroht, wenn auch in geringerem Maße, sind  die mehr als 3.500 Wölfe in und um die Great Lakes – in Wisconsin, Michigan und Minnesota.

Um die Interessengruppen der Jagd- und Ranchlobby zu befriedigen, ziehen die Republikaner jetzt erneut in den Krieg gegen die Wölfe. Der 114. Kongress (2015-17) legte 20 Gesetze vor, die allein darauf abzielten, den Schutz des Wolfes zu beseitigen. Das Center for Biological Diversity (CBD) nannte es „den größten Anti-Wildtier-Kongress, den wir je hatten“ – bis jetzt zum 115. Kongress.

Warum so viel Zeit und Energie aufwenden, um eine einzelne Spezies zu vernichten?
Die wirkliche Antwort ist, dass die Schutzmaßnahmen, die Wölfe im Westen benötigen, den Interessen der industriellen Landwirtschaft und der Öl- und Gasindustrie zuwiderlaufen können. Diese Gruppen wollen beide auf dem derzeit unter Schutz stehenden Land – dem Wolfshabitat – operieren.

Der Endangered Species Act (ESA)

Motiviert durch die Bedrohung des  Weißkopfseeadlers, forderte Präsident Richard Nixon 1973 den Kongress auf, Maßnahmen zum Schutz der vom Aussterben bedrohten Arten zu ergreifen. Der Kongress hat das ESA durch eine fast einstimmige Abstimmung geschaffen. Die Population der Weißkopfseeadler ist seitdem von einem Tief von 417 Paarungspaaren auf heute mehr als 11.000 gestiegen. Dieses Tier wurde 2007 von der Artenschutzliste gestrichen. Heute schützt das ESA mehr als 1.600 gefährdete Pflanzen und Tiere. 90 Prozent der amerikanischen Wähler unterstützen das Gesetz.

Der Vorschlag zur Streichung der Wölfe von der Artenschutzliste wurde am Mittwoch von Innenminister David Bernhardt auf einer Wildtierkonferenz in Denver bekannt gegeben. Er würde den einzelnen Bundesstaaten die Befugnis geben, Wolfjagden abzuhalten und das Fallenstellen zu erlauben.

Die Wölfe hatten bereits 2012 in Montana, Idaho und Wyoming den Schutz der Bundesregierung verloren. Seitdem töten Jäger und Trapper jährlich Hunderte von Tieren.

Wildtierschützer und einige Mitglieder des Kongresses reagierten mit Empörung auf den neuesten Vorschlag und versprachen, jede Entscheidung vor Gericht anzufechten.

Jamie Rappaport Clark, ein ehemaliger Direktor des U.S. Fish and Wildlife Service, jetzt bei der Gruppe Defenders of Wildlife, warnte vor einem „totalen Krieg gegen Wölfe“, wenn der Plan voranschreitet.
(Zusammengefasste Übersetzung von E.H. Radinger, Quellen: ABC News,   Outside )

Warum wir Wölfe brauchen