Rezension: Mein Freund Fred

Fred

Mein Freund Fred
und unser langer Weg nach Hause
Craig Grossi
Bastei Lübbe, 2019
328 Seiten
ISBN 978-3785726471
16,00 €

Zu beziehen über den örtlichen Buchhandel oder online im Autorenwelt-Shop

Inhalt
Craig ist als Soldat in einer afghanischen Taliban-Hochburg im Einsatz, als ihm ein tölpeliger Hund mit kurzen Beinen und großen Augen zuläuft. Der zutrauliche Welpe bekommt den Namen Fred und ist bald aus dem Camp nicht mehr wegzudenken. Als es für Craig an der Zeit ist, heimzukehren, bringt er es nicht übers Herz, den kleinen Hund im Kriegsgebiet zurückzulassen. Er schmiedet einen wagemutigen Plan und schmuggelt Fred in die USA. Zu diesem Zeitpunkt ahnt er noch nicht, dass Fred für ihn schon bald zum Retter in der Not wird.

Der Autor
Craig Grossi hat bei den US-Marine-Corps gedient. Nach seiner Rückkehr aus Afghanistan arbeitete er für den militärischen Nachrichten Dienst DIA und besuchte die Universität Georgetown. Sooft es seine Zeit ermöglicht, ist er mit Fred auf Reisen und erzählt von seinen Erlebnissen im Krieg. Craig und Fred wohnen in Washington, DC. Im Internet trifft man die beiden unter www.fredtheafghan.com

Rezension
Wir leben in Deutschland zum Glück in einem Land, in dem mit wenigen Ausnahmen die meisten Menschen nicht in einen Krieg ziehen müssen. Darum ist es für uns schwer, zu verstehen, was auf Kriegsschauplätzen wie dem Irak oder Afghanistan geschieht, wie Krieg im Alltag aussieht. In „Mein Freund Fred“ gibt der Autor einen sehr persönlichen Einblick in dieses Leben. Er spricht darüber, wie brutal, schmutzig und gefährlich es ist, und macht die Hingabe deutlich, mit der sich die Soldaten umeinander kümmern. Dies ist besonders eindrucksvoll in seinen Berichten über den Tod von zwei engen Freunden und die unendliche Trauer, unter der er jahrelang leidet.

Craig Grossi, ein Marine und Purple-Heart-Träger, trifft Fred, als er in einem abgelegenen Teil von Afghanistan eingesetzt wird, wo er mit seinem Team eine Woche lang gegen die Belagerungsangriffe der Taliban kämpft. Er adoptiert den Streuner mit den kurzen Beinen und den großen Ohren. Der kleine Hund ist Balsam für die Seele der traumatisierten Soldaten. Craig und Fred brauchen einander; Fred gibt Craigs Leben einen neuen Sinn. Der Hund wird ein inoffizieller Teil des Marine-Corps. Er isst und schläft mit den Soldaten und trauert manchmal auch mit ihnen.

Ich habe nie verstanden, was das besondere Band ist, das die Marines miteinander verbindet. Nachdem ich „Mein Freund Fred“ gelesen habe, verstehe ich die Loyalität besser, die diese Männer und Frauen füreinander haben, was sie zusammenschweißt. Niemand wird zurückgelassen. Das gilt natürlich auch für Fred. Die Soldaten halten zusammen, um den Hund zunächst in einem Hubschrauber zur Basis zu fliegen, dort zu verstecken und später weiter nach Amerika zu schmuggeln.

Nach seiner Rückkehr aus Afghanistan leidet der Autor unter PTBS, einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Nun ist es Fred, der Grossi rettet. Er hilft, indem er einfach da ist. Durch ihn als Türöffner kann er auch wieder mit Menschen sprechen; gemeinsam werden die beiden zu Vorträgen eingeladen.
Der Autor schreibt auch über seine Reise durch die USA, die er gemeinsam mit Fred und seinem Freund Josh macht, der im Krieg ein Bein verloren hat und nun ebenfalls ein Veteran ist. Diese Reise wird zu einer Art Selbstentdeckung für Craig, um herauszufinden, was er jetzt mit seinem Leben anfangen will. Und auch hier hat der liebenswerte Streuner, auf seine ganz besondere Art und Weise einen Einfluss

Es ist Freds „hartnäckige Positivität“, die den Autor immer wieder daran erinnert, dass alles möglich ist, wenn wir es schaffen, auch bei großem Unglück und Verzweiflung optimistisch zu bleiben.
Das ist die Botschaft, die auch wir von Fred lernen können.

Das Buch ist so aufgeteilt, dass die Kapitel in wechselnder Folge von Afghanistan und den USA berichten. Im Mittelteil gibt es zahlreiche farbige Fotos von Craig und Fred, der meist „lächelt“. Es ist wirklich ein Hund zum Verlieben.
Am Ende des Buches erinnern die Eltern von zwei gefallenen Soldaten an ihre Söhne.

Craig über Fred