Rezension: Mäßigung

Mäßigung

Mäßigung
Was wir von einer alten Tugend lernen können
Thomas Vogel
oekom verlag, 2018
192 Seiten
ISBN 978-3962380656
17,00 €

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Inhalt
Seit Jahrtausenden philosophieren Menschen über Mäßigung als Ziel für Zufriedenheit und Glück. Unser exzessiver Produktions- und Lebensstil und die Zerstörung der natürlichen Umwelt erfordern ein neues Nachdenken über diese Lebensregel als die Suche nach dem rechten Maß.
Warum gelingt es vielen Menschen in den Industrieländern nicht, sich zu mäßigen – obwohl sie wissen, dass es nötig ist? Ist der Mensch überhaupt in der Lage, sich zu beschränken, und wenn ja, unter welchen Bedingungen? Welche Rolle spielen dabei Erziehung und Bildung?
Thomas Vogel taucht ein in die Philosophiegeschichte und identifiziert die Tugend der Mäßigung als bedeutsame Antwort auf falsche Glücksversprechen unserer Zivilisation.

Rezension
Wer aufgrund des Titels ein einfaches Handbuch zum Minimalismus erwartet hat, wird enttäuscht. Bei „Mäßigung“ handelt es sich um die Umsetzung einer Vorlesung des Autors zur Philosophie der Mäßigung. Das Buch ist also mehr eine philosophische Betrachtung und keine einfache Lektüre, wenngleich unbedingt lesenswert.

Zu Beginn erschreckt der Autor seine Leser mit der Aussage, dass unser gegenwärtiger, verschwenderischer und zerstörerischer Lebensstil unweigerlich seinem Ende entgegengeht. Gleichzeitig zeigt er aber auch Möglichkeiten, wie wir dieses Ende aufhalten können.
Thomas Vogel klagt den Umgang des Menschen mit der Natur an. Trotz offensichtlicher Anzeichen des Klimawandels und Artensterben, mäßigen wir uns immer noch nicht. Er legt dazu Statistiken und Fakten vor und fragt uns ganz konkret, wie wir es selbst mit der Mäßigung halten.
In seinem Buch entwickelt der Autor Leitlinien für ein mäßiges Leben. Bei einer Gesellschaft, die auf endlosen Konsum mit Spaßfaktor steht, könnte er damit zum Spielverderber werden.
Die menschliche Gier und Maßlosigkeit sind ein universelles Problem. Der Autor fragt: Können wir uns überhaupt mäßigen? Philosophen und Psychologen glauben nicht daran.

Minimalismus und Purismus liegen im Trend und sind die Schlagworte der heutigen Zeit. Der Mensch sehnt sich nach Einfachheit und einem einfachen Leben. Minimalismus ist die Antwort auf die zunehmende Komplexität unserer Welt und den ständig weiter wachsenden Konsum.
Können wir uns überhaupt in Sachen Ökologie und Konkurs moralisch richtig verhalten. Für den Autor ist es fast unmöglich. Der Einzelne ist schlicht überfordert, wenn er alle Probleme dieser Welt bei seinem alltäglichen Verhalten bedenken soll.

In Kapitel 10 gibt Vogel Tipps für ein Leben nach dem rechten Maß. Er fordert eine Wandlung unseres Lebensstils, einen reflektieren Umgang mit Zeit und Konsum.
Wer sich weiter informieren will, findet im ausführlichen Literaturverzeichnis sicher einige Anregungen.

„Mäßigung“ ist keine leichte Lektüre. Aber populärwissenschaftlich will der Autor auch nicht sein. Sein Metier ist die Philosophie und so geht er das Thema an. Darüber hinaus versucht er auch in seinem eigenen Lebensalltag selbst, das rechte Maß zu finden, wie wir im Anhang erfahren. Für die Selbstversorgung hält er eine kleine Schafherde und baut Gemüse und Obst an. „Die direkte Auseinandersetzung mit der Natur zeigt einem Grenzen auf und ordnet Zeitabläufe“, sagt Thomas Vogel.

Ein empfehlenswertes Buch für alle, die über die üblichen Minimalismus-Handbücher hinaus tiefer in die Materie einsteigen möchten.