Rezension: Hütten: Obdach und Sehnsucht

Hütten

Hütten
Obdach und Sehnsucht
Petra Ahne
Matthes & Seitz, 2019
132 Seiten
ISBN 978-3957577108
28,00 €

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Inhalt
Eine Hütte, kein Haus sollte es sein, als Petra Ahne und ihre Familie ein Domizil auf dem Land suchten: klein, mit Platz nur für das Nötigste, durch nichts als eine Wand von der umgebenden Natur getrennt. Genug, um sich zu schützen, zu träumen, zu denken, sich zu verstecken und sich selbst zu beweisen.

Hinter den Wänden einer Hütte nahm die Zivilisation ihren Lauf, wurde der Mensch zu dem, was er ist. Der Bau ihrer eigenen Hütte wirft Fragen nach dem Wesen dieses kleinsten Hauses auf, und so hat sich Petra Ahne auf die Spur der Hütte gemacht und der Fantasien, die sie umgeben. Sie ist mit Alexander de Tocqueville zu den Blockhütten der amerikanischen Siedler gereist und mit den Überlebenden einer gescheiterten Antarktis-Expedition zu dem windumtosten Obdach auf Elephant Island. Sie hat einen Mann getroffen, der seit 55 Jahren allein in einer Hütte lebt, und den FBI-Beamten, der als einer der Ersten das Holzhaus des Unabombers in Montana betrat. Sie hat die Hüttenträume von früher mit denen von heute verglichen. Die Sehnsucht der Städter nach dem Häuschen im Grünen ist groß. Heute mehr denn je hinterfragt die Hütte, was wichtig ist und wie wir leben wollen.

Die Autorin
Petra Ahne. 1971 in München geboren, studierte Komparatistik, Kunstgeschichte und Publizistik in Berlin und London. Sie ist Redakteurin der Berliner Zeitung.

Rezension
Von der 160 Quadratmeter Großstadtwohnung in eine 38 Quadratmeter große Hütte in Brandenburg vor den Toren Berlins. Das war der Traum der Autorin, den sie sich gemeinsam mit ihrem Mann erfüllt hat. Dabei lässt sie uns nicht nur teilnehmen an ihrem Hüttenbau, sondern nimmt uns mit auf Reisen zu „Sehnsuchtshütten“: historische, wie die der Shackleton Arktisexpedition, geheimnisvolle, wie die des Unabombers oder auch moderne Tiny Houses. Ahne erzählt faszinierende und spannende Geschichten von Menschen, die sich aus unterschiedlichsten Gründen in die Einsamkeit zurückziehen. Ein ausführliches Kapitel widmet sie Henry David Thoreau, dessen zeitlich begrenztes Hüttenleben zu Erkenntnissen geführt hat, die heute im Trend des Minimalismus wieder hoch aktuell sind.

Die Konzentration auf ein einfaches Leben zeigt uns, wie wenig wir tatsächlich brauchen und was wichtig ist. Das habe ich selbst erfahren, als ich für ein Jahr in eine Blockhütte in der Wildnis von Minnesota zog. Kein Wunder also, dass mich das Buch in seinen Bann gezogen hat. Auch Thoreaus Walden Pond habe ich mehrfach besucht. Auch wenn dessen Hütte nur ein Nachbau ist, so konnte ich mich nie der Faszination und dem Bann dieses Ortes entziehen.

Oft fragt man sich beim Lesen von „Hütten“, wie beschriebene der Ort oder die Hütte wohl aussieht. Umso erfreulicher darum die Bilder und Zeichnungen, die eine Anschauung vom Leben der Einsiedler geben.

„Hütten“ ist für mich ein absolutes Traumbuch mit dem einzigen Nachteil, dass es in mir wieder die Sehnsucht nach meiner Wildnis-Hütte geweckt hat …

„Hütten“ wird bei Matthes & Seitz in der Reihe „Naturkunden“ von Judith Schalansky herausgegeben. Es handelt sich dabei um aufwendig gestaltete Bücher, die eine leidenschaftliche Erkundung der Natur vornehmen und damit den inhaltlichen Programmschwerpunkt Natur, Bewegung im Raum und Ökologie prominent markieren. Ich kann jedes Buch aus dieser Reihe jedem Naturinteressierten empfehlen, so für die Wolfsfreunde auch das Buch „Wölfe: Ein Portrait“ von Petra Ahne.

Wer noch mehr Lust auf Hütten hat, findet sie u.a. auf der von der Autorin empfohlenen Webseite: https://cabinporn.com/

Hütte
Eine Hütte in den Bergen. (Foto: O12/pixabay)