Rezension: Heimathafen

Heimathafen

Heimathafen
Wie wir mit unserem Hausboot das Glück auf dem Wasser fanden
Jill & Ole Grigoleit
Ullstein extra, 2019
208 Seiten
ISBN 978-3864931048
15,00 €

Zu beziehen über den örtlichen Buchhandel oder online im Autorenwelt-Shop

Inhalt
Singende Möwen lassen sich vom leichten Wind tragen, Schafe grasen auf den Deichen, während im Hintergrund der Dieselmotor eines auslaufenden Bootes gleichmäßig tuckert. So beginnt ein typischer Morgen für Jill & Ole und ihre Kinder Line und Morlin. Familie Grigoleit lebt auf einem Hausboot in einem kleinen Hafen südlich von Hamburg. Da sie in der Millionenmetropole keine bezahlbare Wohnung fanden, beschloss Ole irgendwann trotzig: „Ich baue uns einfach was!“ So kaufte der handwerklich geschickte Familienvater den Rumpf eines alten Kahns und baute in Eigenregie ein rotes Bullerbü-Haus drauf. Aber auch ein Hausboot braucht einen Liegeplatz.
Und weil Liegeplätze für Boote sehr teuer sind, entschieden sich Jill & Ole dazu, einen kleinen Hafen zu kaufen, in dem sie nun arbeiten und leben.
Aus dem anfänglichen Zufall ist ein Lebenskonzept geworden. Jill & Ole haben ihre Jobs in der Stadt gekündigt und ein neues Leben auf einem Hausboot begonnen, abseits von Großstadthektik und im Einklang mit den Gezeiten. Sie sagen, es sei die beste Entscheidung ihres Lebens.

Rezension
Immer mehr Menschen sind angesichts steigender Kosten für Mieten oder Häuser auf der Suche nach alternativen Lebensformen. Besonders Hausboote sind gefragt. Man ist (meist) mobil, hat keine störenden Nachbarn und lebt seinen Ferientraum.
Dass der Traum vom eigenen schwimmenden Heim auch Nachteile haben kann, darüber berichten die Autoren in „Heimathafen“.

Nach dem vergeblichen Versuch, eine Wohnung in Hamburg zu finden, beschließen sie, ein Hausboot zu kaufen. Und weil kein geeigneter Platz gefunden werden kann, wird gleich ein ganzer Hafen mit gekauft. Wie, sooo einfach ist das? Wie schwierig es in der Realität ist, schildern Jill und Ole Grigoleit in ihrem Buch, jeder aus seiner Perspektive. Während Jill mehr Persönliches berichtet, erzählt Ole vom Handwerk und der Arbeit, die es macht, das alte Boot in Schuss zu bringen. Der staunende Na-dann-kauf-ich-auch-mal-ein-Hausboot-Leser erfährt, welche unvorstellbare Hürden die Behörden vor die Traumerfüllung gesetzt haben, beispielsweise welche Genehmigungen benötigt werden, um das Boot einfach nur von hier nach da zu bringen. Der Amtsschimmel wiehert oft im Buch.

Der Mut der Autoren ist bewundernswert. Inzwischen leben sie fest auf ihrem Boot, haben hier ihre beiden Kinder bekommen und vermieten auch ein neues selbst gebautes Ferienhausboot, (leider nicht mit Hund erlaubt). Der Schluss lässt ahnen, dass sie vielleicht doch auf festen Boden umziehen werden. Wir dürfen uns eventuell also auf eine Fortsetzung freuen.
„Heimathafen“ ist nicht nur ein Abenteuerroman, es geht auch um die Erkenntnis, dass es sich lohnt, zu träumen.

Im Innenteil Fotos von der Autorenfamilie, dem Boot vorher und nachher.

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