Rezension: Gebrauchsanweisung fürs Gärtnern

Gebrauchsanweisung fürs Gärtnern
Gabriella Pape
Piper Taschenbuch, 2018
208 Seiten
ISBN 978-3492277150
15,00 €

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Die Autorin
Gabriella Pape, 1963 geboren, studierte in England Horticulture und Gartenarchitektur und machte ihren Abschluss am weltgrößten Botanischen Garten Kew Gardens in London. Mit der Gartenhistorikerin Isabelle van Groeningen gründete sie 2008 die Königliche Gartenakademie in Berlin-Dahlem. Pape ist Autorin mehrerer Bücher und berät als Expertin bei der Gartenplanung. www.koenigliche-gartenakademie.de

Inhalt
Die einen träumen von Rosen, üppigem Wildwuchs oder selbst gezogenem Gemüse, andere vom modellierten Designgarten mit akkuraten Beeten. Gabriella Pape, Botanikerin, passionierte Gärtnerin und renommierte Gartengestalterin, weiß, welche Blüten die Leidenschaft zum Garten treiben kann. Fundiert und mit Augenzwinkern führt sie durch die sieben Jahreszeiten des Gartenjahrs – von der Planung im Winter und der Aussaat im Frühling über die Blütezeit bis hin zu den langen Wintermonaten. Sie erzählt, welche regionalen und klimatischen Unterschiede eine Rolle spielen. Warum wir in nördlichen Regionen so gern Lavendel pflanzen und wann die Zwiebelzeit beginnt. Weshalb Staudengewächse unterschätzt werden. Wie Rasenharken den Besuch des Fitnessstudios ersetzt. Dass auch Pflanzen manchmal unter Stress leiden und Entspannung brauchen. Warum Vorgärten oft zu Unrecht ein Schattendasein fristen und wie sogar im Großstadt-Hinterhof eine kleine Oase entsteht. Kurz: wie man im eigenen Flecken Grün glücklich wird.

Rezension
Sollen Sie jetzt im Winter ein Gartenbuch lesen? JA! Gabriella Pape betont in ihrem Buch „Gebrauchsanweisung fürs Gärtnern“, wie wichtig es ist, für die Gartensaison vorbereitet zu sein. Und jetzt ist die beste Zeit dafür.
Ich gestehe, ich bin faul, wenn es ums Gärtnern geht. Ich liege lieber in der Hängematte, überlasse den Garten bzw. das Unkraut sich selbst und träume stattdessen von wundervollen englischen Gärten, wie die Autorin sie beschreibt.
Was bei mir wächst muss etwas aushalten können. Ich dünge nicht und wässere nur im Notfall. Und meine Fische im Teich müssen sich selbst durchschlagen – es scheint zu funktionieren, denn nach jedem Winter haben sie sich auch ohne Futter auf geheimnisvolle Weise vermehrt. Meine Sträucher schneide ich nur einmal im Jahr, dafür wächst alles wild und munter vor sich hin. Garten

Dennoch hat mich Gabriella Pape mit ihrem zauberhaften Buch zum Umdenken bewogen – zumal sie immer wieder anregt, entspannt an das Gärtnern heranzugehen.
Ich schulde der Autorin auch dafür Dank, dass sie davon abgeraten hat, sein Gemüse selbst anzubauen, weil es eh nicht klappen wird. Es ist kompliziert und mühsam. Nichts für Faule.
Obwohl Frau Pape eine echte Expertin mit großem Fachwissen ist, führt sie den Leser nicht mit erhobenen Zeigefinger durch das Buch, sondern stets mit einem Augenzwinkern und einer riesigen Portion britischem Humor, was ich als sehr wohltuend empfinde.
Herrlich humorvoll sind ihre Beschreibungen von Unkraut als „Spontanvegetation“, den allseits beliebten mit Basaltsteinen dick bedeckten Vorgärten als „modernen Geröllgarten“, und ein Garten mit Nadelhölzer vermag es ihrer Meinung nach nicht, „die Seele durch das Jahr zu tragen, sondern macht eher traurig“. Was die Bodenqualität angeht, so bezeichnet die Autorin Berlin als „preußische Sandkiste“.

Liebevoll führt Pape Anfänger und Fortgeschrittene durch die Jahreszeiten und gibt Tipps zu vielen Themen.
Am Ende habe ich gelernt, dass ich mich sehr viel mehr entspannen kann, nicht den perfekten Garten haben muss, und dass es alles gut so ist, wie es ist.
Aber noch wichtiger: Die Autorin hat mir Lust gemacht, es doch einmal mit dem Gärtnern zu versuchen.

Nach der Lektüre des Buches gilt meine Hochachtung allen Pflanzen, die ungeheuer viel leisten müssen, um mit unserem dilettantischen Gärtnern, unseren Temperaturen und Böden klarzukommen. Pape betont immer wieder, wie wichtig die richtige Pflanzenzeit ist, mit der wir es unseren Pflanzen leichter machen können, harte Zeiten und Verluste zu überstehen. Ebenso wie die richtige Pflanzenauswahl. Was bedeutet, dass wir uns angesichts des Klimawandels bei der Pflanzenauswahl nun ebenfalls anpassen müssen.

Die Autorin liebt Pflanzen und hat Mitgefühl für sie. Sei bedauert die Pflanzen, die in einer Container-Baumschule eingepflanzt sind ohne dass man deren Bedürfnisse bedenkt. Sie kritisiert – zu Recht – dass alle Menschen vom Tierschutz reden, aber niemand davon, wie es Sträuchern in „Pflanzen-Massenhaltungen“ geht.
Jemand, der einfach nur einen grünen oder bunten Garten will, denkt daran nicht. Er marschiert ins Gartencenter vom Baumarkt und greift zu. Wenn einem gar nichts mehr einfällt, müssen es dann eben Rosen sein. Eine derartige Auswahl lässt die Autorin schaudern.


Gabriella Pape plädiert für sehr viel mehr Mitgefühl und Geduld mit unseren Pflanzen. Sie möchte, dass es ihnen gut.
Dieses Buch ist die ideale Lektüre gerade in der Winterzeit. Mit einem Tee vor dem Kaminfeuer und Blick auf den Garten, der unter einer dicken Schneedecke ruht, kann man nun in Ruhe Pläne für das nächste Gartenjahr machen.

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