Rezension: Explosives Erbe

Explosives Erbe

Explosives Erbe
Natur und Artenvielfalt auf alten Truppenübungsplätzen
Sebastian Hennigs
Knesebeck, 2018
192 Seiten
ISBN 978-3957281067
35,00 €

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Inhalt
Aufgegebene Truppenübungsplätze haben vor allem bei Naturschützern einen ganz besonderen Ruf; sie bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten, die andernorts bereits ausgestorben sind, einen letzten Rückzugsraum. Ehemals durch den militärischen Übungsbetrieb geschundene Landschaften wechseln mit unberührten Arealen ab und machen diese Gebiete zu Hotspots der Artenvielfalt. In Bereichen, die auch wegen zurückgelassener und verborgener Munition vom Menschen nicht mehr genutzt werden, können sich seltene Tierarten wie Wolf, Hirschkäfer, Moorfrosch, Smaragdeidechse oder Urzeitkrebs (wieder) ansiedeln.
Durch den intensiven Panzerbetrieb bildeten sich teils ganze Wüsten, durch fehlende Forstwirtschaft konnten sich urige Wälder mit Kiefern und Eichen erhalten – ein wichtiger Lebensraum für Käfer und seltene Vogelarten. Gras- und Heidelandschaften bieten eine Heimat für Insekten oder Fledermäuse, und auch Moore und Seen entstanden, in denen man Libellen, Sonnentau oder Moorgras findet.
Dieses Buch gewährt in herausragenden Fotografien einen spannenden Einblick in diesen verborgenen und überraschend vielfältigen Kosmos.

Sebastian Hennigs arbeitet in Berlin als freier Fotograf und Bildjournalist.
Er ist Mitglied der Gesellschaft Deutscher Tierfotografen (GDT).
Webseite https://www.hennigs-photography.de/

Rezension
Es existiert eine geheime Welt da draußen, von der die wenigsten von uns Kenntnis haben. In ihr gibt es magische Lebewesen, feenhafte Pflanzen, unberührte Landschaften und eine unwirkliche Stille – wenn … ja, wenn nicht „das Böse“ in Form von Lärm, Grollen und Schüssen diese Welt durchdringen und zerstören würde. Nein, ich spreche nicht von einer mythischen Sagenwelt, sondern von Truppenübungsplätzen. Die Wolfsaffinen unter uns wissen, dass dort Wölfe ihren bevorzugten Lebensraum haben – frei von störenden Menschen und relativ entspannt beim Übungsgeschehen. So paradox es klingt, aber gerade hier, wo für den Krieg trainiert wird, finden Tiere und Pflanzen Frieden.
Truppenübungsplätze sind faszinierend, aber auch gefährlich und darum ist es verboten, sie zu betreten. Anders dagegen ehemalige militärische Übungsgebiete, die aufgegeben und sich selbst überlassen wurden. Hier finden Naturforscher und Fotografen wie Sebastian Hennigs tatsächlich noch eine geheime, magische Welt im dicht besiedelten Deutschland.
Das beweist der Autor in seinem wunderbaren Buch „Explosives Erbe“ mit faszinierenden Tier- und Naturaufnahmen. Über zehn Jahre lang hat er auf verlassenen Truppenübungsplätzen fotografiert und dabei Erstaunliches eingefangen.

Das Buch ist aufgeteilt in fünf große Kapitel:

  1. Sand
  2. Gras
  3. Heide
  4. Wald
  5. Wasser

Als Unterkapitel finden wir

  • Wölfe
  • Fledermäuse
  • Feuer
  • Käfer
  • Moorfrösche und
  • Urzeitkrebse

Jedes Kapitel enthält ausführliche Hintergrundinformationen zur Geschichte der militärischen Nutzung, zur Geologie, Fauna und Flora. Die Fotos – jedes begleitet von einer kurzen Erklärung zur Abbildung – sind grandios. Gerade die kleinsten Lebewesen, wie die geisterhaft anmutenden Urzeitkrebse, wirken wie aus einer anderen Welt.

Wenn es die Absicht des Fotografen ist, durch seine Aufnahmen auf die Zerbrechlichkeit, Verletzlichkeit und Schönheit der Natur aufmerksam zu machen, dann ist ihm das wahrlich gelungen.
In einer Welt wie der unseren, in der ganze Wälder für die Interessen der Wirtschaft und des Geldes gerodet werden, sind vielleicht eines Tages diese „explosiven Orte“ unsere letzten Rückzugsrefugien für eine unberührte Natur.
„Explosives Erbe“ ist ein leidenschaftliches Plädoyer für die Wildnis und absolut empfehlenswert für jeden Naturliebhaber.

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