Rezension: Die Geschichte des Wassers

Wasser

Die Geschichte des Wassers
Maja Lunde
btb Verlag, 2018
480 Seiten
ISBN 978-3442757749
20,00 €

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Inhalt
Norwegen, 2017. Die fast 70-jährige Umweltaktivistin Signe begibt sich auf eine riskante Reise: Mit einem Segelboot versucht sie die französische Küste zu erreichen. An Bord eine Fracht, die das Schicksal des blauen Planeten verändern kann.
Frankreich, 2041. Eine große Dürre zwingt die Menschen Südeuropas zur Flucht in den Norden, es ist längst nicht genug Trinkwasser für alle da. Doch bei dem jungen Vater David und seiner Tochter Lou keimt Hoffnung auf, als sie in einem vertrockneten Garten ein uraltes Segelboot entdecken. Signes Segelboot.
Virtuos verknüpft Maja Lunde das Leben und Lieben der Menschen mit dem, woraus alles Leben gemacht ist: dem Wasser. Ihr neuer Roman ist eine Feier des Wassers in seiner elementaren Kraft und ergreifende Warnung vor seiner Endlichkeit.

Rezension
Ich schreibe diese Rezension in meinem abgedunkelten Büro. Früh am Morgen habe ich die Fenster aufgerissen, um frische Luft reinzulassen. Jetzt sind sie geschlossen und die Rollläden heruntergelassen, damit die Hitze von über 30° Celsius nicht in das Haus dringt.
Seit Tagen schon ist es heiß in Deutschland, das Land braucht dringend Regen. Bei solchen Temperaturen fragt man sich durchaus, wie das wohl ist, so ohne Wasser zu leben. Da erscheint „Die Geschichte des Wassers“ als erschreckendes Real- (nicht Zukunfts-) Szenario.

Noch leben wir in Europa im vermeintlichen Überfluss, so wie auch die 67-jährige Protagonistin und Umweltaktivistin Signe in Norwegen. Die Natur macht einen großen Teil ihrer Persönlichkeit aus. Sie kämpft leidenschaftlich für sie und ist empört, dass in ihrer Heimat der Ausverkauf des Gletschereises begonnen hat, das mit Frachtern in die arabischen Golfstaaten gebracht wird, um dort die Drinks der Reichen und Schönen zu kühlen. In einer nächtlichen Guerilla-Aktion stielt sie das Eis und will damit mit ihrem Boot nach Südfrankreich segeln, um es dem ehemaligen Geliebten, den Sie hinter dem Eisdeal vermutet, vor die Füße zu werfen.

Nur zwei Jahrzehnte später ist Europa zweigeteilt. Nach fünf Jahren ohne Regen gibt es die Wasserländer im Norden, die zu viel Wasser haben und die Trockenländer im Süden. In der Hitze und Dürre können die Menschen dort nicht mehr leben und werden zu Klimaflüchtlingen. Zu ihnen gehört der junge David mit seiner kleinen Tochter Lou. Er hat auf der Flucht seine Frau verloren und hofft, sie wiederzufinden. Zumindest in diesem Buch geschieht das nicht. Da Lundes insgesamt vier zusammenhängende Bücher geplant hat, bleibt zu hoffen, dass wir einige der Protagonisten in einem Folgeband wiederfinden. Ein großer Teil des Romans spielt in diesem Flüchtlingscamp, dessen Szenarien mich sehr an manche (heutigen) europäischen Asylantenunterkünfte erinnern.
Man spürt, dass die Autorin, die selbst drei Kinder hat, sich sehr gut in die Gefühle des Vaters hineinversetzen kann, der seiner Tochter nicht helfen kann.
Alles ändert sich an dem Tag, an dem sie ein verlassenes Segelboot in einem Garten, weit weg von jedem Ufer finden. Das Boot verbindet beide Handlungsstränge.

In „Die Geschichte des Wassers“ – das im norwegischen Original „Blau“ heißt – geht es um das Wasser als Grundelement des Lebens. Aber es ist nicht nur eine Geschichte über den Klimawandel, sondern auch eine Familien- und Liebesgeschichte.

Mich hat das Buch nicht ganz so begeistert wie „Die Geschichte der Bienen“, bei dem ich sehr viel über Bienen gelernt habe. Zwar ist der Klimawandel ein erschreckend reales Thema, aber in diesem Buch fehlen mir mehr Informationen, vor allem frage ich mich, wie es innerhalb einer so kurzen Zeit von nur 24 Jahren zu einer derartigen Dürre kommen konnte. Hier hätte ich mir mehr Hintergründe und Einzelheiten gewünscht, um die Katastrophe nachvollziehen zu können. Gleichwohl ist es ein beängstigendes Zukunftsszenario, das uns bewusst machen sollte, wie gut es uns allen – noch – geht.
Darauf werde mir jetzt ein großes Glas Trinkwasser zapfen und es mit Dankbarkeit trinken.

Auf ihrer Webseite beschreibt die Autorin, wie die Idee für ihr „Klimaquartett“ entstand: Sie wollte vier lose zusammenhängende Bücher schreiben, von denen jedes ein eigenständiger Roman ist, der spezifische, klimabezogene Themen hervorhebt: Insekten, Wasser, Tiere und schließlich Samen und alles, was wächst. Jeder Roman kann einzeln gelesen werden, aber es gibt Beziehungen zwischen den Büchern. Lunde plant, alle Bücher im 4. Buch miteinander zu verbinden. Wir dürfen also weiterhin gespannt sein.