Rezension: Die erstaunliche Wahrheit über Tiere

Wahrheit über Tiere

Die erstaunliche Wahrheit über Tiere
Was Mythen und Irrtümer über uns verraten
Lucy Cooke
Malik, 2018
368 Seiten
ISBN 978-3890294766
22,00 €

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Inhalt
Aale, die aus Sand entstehen; Schwalben, die unter Wasser Winterschlaf halten; und Bären, die gestaltlose Klumpen auf die Welt bringen, die erst von ihren Müttern in Form geleckt werden müssen … Die Geschichte wimmelt von abstrusen Behauptungen über Tiere, erfunden von den hellsten und einflussreichsten Köpfen ihrer Zeit. Diese Erklärungsversuche offenbaren nicht nur Interessantes über die Tiere, sondern auch über uns und die Dinge, an die wir glauben. Lucy Cooke deckt zahlreiche Mythen und Irrtümer auf, verrät faszinierende und höchst unterhaltsame Fakten, die sie gesammelt hat, während sie Hyänen hinterherjagte, Fledermäuse ausspionierte und betrunkene Elche stalkte. Sie erklärt, warum Faultiere ihr Leben riskieren, wenn sie ihren Darm entleeren; Pinguine manchmal unter Depressionen leiden; und dass sogar die bizarrste Theorie einen wahren Kern haben kann.

Die Autorin
Lucy Cooke wuchs in Sussex, England, auf und studierte Zoologie in Oxford mit Schwerpunkt Evolution und Tierverhalten. Sie arbeitet als Dokumentarfilmemacherin und Moderatorin (BBC1, National Geographic u.a.), schreibt für Zeitungen wie die US Huffington Post und The Telegraph und hält Vorträge.
Die Autorin reiste ein halbes Jahr allein durch Südamerika, um das Bewusstsein für das schnelle Aussterben von Amphibien zu wecken, und gründete die Sloth Appreciation Society, um das Verständnis für Faultiere zu fördern, die sie liebt. Motto: „Schnelligkeit wird überbewertet.“
Von National Geographic erhielt sie einen Preis für ihr Engagement für „missverstandene“ Tiere.
www.lucycooke.tv

Rezension
Ich habe schon immer ein Faible für die „Underdogs“ gehabt, also die Tiere, nicht unbedingt zu den charismatischsten gehören. Als Fan von Hyänen und Geiern spricht die Autorin mir aus der Seele, wenn sie mit einer großen Leidenschaft über diese Tiere sowie über Faultiere, Fledermäuse oder Aale schreibt. Sie zeigt auf, was so viele Geschöpfe durch die Wissenschaftler erleiden mussten, um deren Neugier zu befriedigen. Dabei kann es dem sensiblen Leser bei der Schilderung mancher Versuche schon grausen. Die Autorin ist fasziniert von Fehlern, die Forscher auf diesem Weg gemacht haben und von den Mythen, die geschaffen wurden, um Wissenslücken zu füllen. Und sie klärt auf.

Lucy Cooke widmet jedem Tier ein Kapitel: Aal, Biber, Faultier (das Lieblingstier der Autorin), Hyäne, Geier, Fledermaus, Frosch, Storch, Flusspferd, Elch, Panda, Pinguin und Schimpanse.
Jedes Kapitel beginnt mit einem Zitat von Wissenschaftlern aus der Vergangenheit, das zeigt, wie falsch man damals über Tiere gedacht hat.
Beispiel: Geier
„Der Adler greift seine Feinde oder seine Opfer im Zweikampf an … Geier hingegen rotten sich zusammen wie feige Mörder und sind eher Räuber als Krieger, eher Vögel des Gemetzels als Greifvögel …“ (Conte de Buffon, 1793)
Die Autorin widerspricht derartigen Aussagen und enthüllt dabei ungeheuerliche Fakten. Zum Beispiel nannten frühe Entdecker und Historiker das Faultier „das dümmste Tier, das man auf der Welt finden kann“ und setzten Langsamkeit mit mangelnder Intelligenz gleich. Cooke dagegen erklärt, dass in Wirklichkeit die 64 Millionen Jahre Existenz von Faultieren auf diesem Planeten beweist, dass sie eines der erfolgreichsten Säugetiere aller Zeiten sind. Und dann folgt eine spannende Tatsache nach der anderen, beispielsweise, dass ein Faultier bis zu fünfzig Tage braucht, um seine Nahrung zu verdauen und auszuscheiden.

Wer nur eine wissenschaftliche Abhandlung erwartet, wird angenehm überrascht, stellt die Autorin doch häufig u.a. auch das Sexualleben der Tiere vor, über die sie schreibt. Das Buch ist sehr gut dokumentiert und wissenschaftlich fundiert. Der Leser lernt Dinge, die er so vermutlich in keinem anderen Buch findet und schon gar nicht auf solch humorvolle Weise.
Cookes Wissen, Respekt und Liebe zu den missverstandenen Tieren sind offensichtlich.

Um es abschließend mit ihren Worten aus dem Vorwort zu sagen:
„Wir Menschen haben das Atom gespalten, sind zum Mond geflogen und haben das Higgs-Teilchen entdeckt, aber was das Verständnis von Tieren betrifft, haben wir noch einen weiten Weg vor uns.“

Hoffentlich trägt „Die erstaunliche Wahrheit über Tiere“ dazu bei, unsere Mitgeschöpfe besser zu verstehen und zu schätzen, bevor es zu spät ist. Ich wünsche dem Buch, dass es Pflichtlektüre im Biologie-Unterricht an Schulen wird.

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