Rezension: Der Mensch im Tier

Mensch

Der Mensch im Tier
Warum Tiere uns im Denken, Fühlen und Verhalten oft so ähnlich sind
Norbert Sachser
Rowohlt, 2018
256 Seiten
ISBN 978-3498060909
20,00 €

Bei Amazon bestellen

Autorenfreundlich bestellen

Inhalt
Säugetiere trauern und sie tricksen; sie sind einfühlsam, lernen und kommunizieren oft auf hohem Niveau. Sie freuen und sie ärgern sich – mit denselben Reaktionen von Körper und Gehirn wie bei uns Menschen. Tiere haben eine Persönlichkeit. Was unterscheidet uns eigentlich noch von ihnen? Und was können wir von ihnen lernen? Norbert Sachser, einer der weltweit führenden Tierverhaltensforscher, präsentiert darüber seine eigenen, bedeutenden Forschungen und insgesamt den letzten Stand des Wissens. Wir erfahren, wie Hunde Empathie zeigen, Mäuse Alzheimer entkommen, Meerschweinchen sozialen Stress vermeiden und zu welch bemerkenswerten Leistungen Menschenaffen, aber auch Raben fähig sind.

Weltbild und Forschungslage in der Tierverhaltensforschung haben sich dramatisch verändert. Der berühmte Gegensatz nature or nurture, ererbt oder erworben, ist längst ein alter Hut. Wichtig ist heute die Erforschung des Zusammenspiels von Genen und Umwelt. Sachser spricht von einer „Revolution im Tierbild“ – und ihren Folgen für unseren Umgang mit Wildtieren und Haustieren.

Rezension
Der Autor behandelt in seinem populärwissenschaftlichen Buch sechs Themen der Verhaltensbiologie, die zentral für die grundlegende Veränderung des wissenschaftlichen Tierbildes sind. Alle Kapitel müssen nicht der Reihe nach gelesen, sondern können unabhängig voneinander gelesen werden.
Sachser beschreibt, wie im Tierbild der modernen Verhaltensbiologie in den letzten Jahren ein Paradigmenwechsel stattgefunden hat und sich die Kluft zwischen Mensch und Tier vermischt. Um zu beantworten, warum sich das wissenschaftliche Bild vom Verhalten der Tiere so fundamental verändert hat, erklärt der Autor die Geschichte und die Methoden der Verhaltensbiologie in folgenden Abschnitten:

  • Zusammenhang von Verhalten und Stress.
  • Das Wohlergehen der Tiere und ihre Emotionen.
  • Wie viel im Verhalten wird von den Genen und wie viel von der Umwelt bestimmt?
  • Kognitionsbiologie. Wie und was wird gelernt? Können Tiere denken?
    Die Entwicklung des Verhaltens.
  • Zentrale Erkenntnisse der Soziobiologie.

In „Der Mensch im Tier“ spricht Prof. Sachser Themen an wie die Bedeutung der sozialen Umwelt für das Verhalten und den Stresslevel von Säugetieren. Wir erkennen, wie wichtig es für unsere Psyche ist, in ein soziales Netzwerk eingebunden zu sein und gute Beziehungen zu seinen sozialen Bindungspartnern aufrecht zu erhalten.
In Kapitel 3, wo es um das Wohlergehen und die Emotionen der Tiere geht, rückt der Autor das romantische Bild vom artgerechten Leben zurecht und zeigt, dass sich das Wohlergehen von Tieren durchaus real messen und erfassen lässt.
Interessant für mich war Kapitel 7: „Sie helfen und sie töten“. Hier geht es u.a. um die „Hamilton Regel“ und über das Helfen zwischen Nichtverwandten. Mehr zur Hamilton-Regel und zum altruistischen Verhalten unter wilden Wölfen hier.

Das Fazit des Buches:
Die Erkenntnisse der neuen Verhaltensbiologie haben unser wissenschaftliches Bild vom Tier verändert und helfen uns, Tiere besser zu verstehen und ihnen auch ein artgerechtes Leben zu ermöglichen. Es steckt sehr viel mehr Mensch in einem Tier, als wir uns vorstellen.
Am Ende bleibt die Frage: Sind Tiere  tatsächlich auch die besseren Menschen?