Rezension „Der Baum“

Baum

Der Baum: Eine Lebensgeschichte
David Suzuki und Wayne Grady
oekom verlag, 2018
256 Seiten
ISBN 978-3962380229
19,00 €

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Inhalt
Könnten Bäume sprechen, sie hätten einiges zu erzählen. Der Träger des Alternativen Nobelpreis, David Suzuki, und der Essayist Wayne Grady lassen uns an so einem ereignisreichen Baumleben teilhaben. Ihre Biografie eines Baumes – beeindruckend illustriert durch Federzeichnungen des kanadischen Künstlers Robert Bateman – beschreibt sieben Jahrhunderte im Leben einer Douglasie.
Erzählt wird nicht allein die Geschichte in ihrem ökologischen Kontext, etwa wie es dem Samen gelingt, Wurzeln zu schlagen, oder wie der heranwachsende Baum Wind und Wetter trotzt. Eingebunden sind auch zahlreiche Ausflüge in die Kulturgeschichte der Menschheit und die Evolutionsgeschichte unseres Planeten. Ein wahrhaft gelungener Blick darauf, wie alles mit allem zusammenhängt, und eine großartige Hommage an das Wunder namens Leben.
Mit Zeichnungen von Robert Bateman und einem Vorwort von Peter Wohlleben

Die Autoren
David Suzuki erhielt 2009 für sein Lebenswerk den Alternativen Nobelpreis. Der kanadische Umweltaktivist und Biologe ist bekannt für seinen unermüdlichen Kampf gegen den Klimawandel.
Wayne Grady ist ein kanadischer Schriftsteller, Essayist und Übersetzer. Für seine Arbeiten wurde er mehrfach ausgezeichnet.
Robert Bateman, Illustrator, ist ein bekannter und mehrfach ausgezeichneter kanadischer Künstler.

Rezension
Ich bin ein großer Fan von David Suzuki und liebe seine spannenden, kritischen und aufrüttelnden Dokumentarfilme. Seine Filme und seine Bücher haben eine ungeheure Aussagekraft. Er kann Menschen mitreißen und überzeugen. So auch mit diesem Buch.

Wie Bäume sich umeinander kümmern und füreinander sorgen, wissen wir schon aus „Das geheime Leben der Bäume“ von Peter Wohlleben, der auch das Vorwort zu „Der Baum“ geschrieben hat.

Suzuki und Grady beschreiben das Leben eines einzelnen Baumes, einer Douglasie, vom Samen bis zu seinem Tod und verbinden damit die Geschichte allen Lebens. Ich habe in Kanada und den USA schon vor den Riesenbäumen gestanden, den Kopf weit in den Nacken gelegt, um aufzusehen, und war von ihrer gewaltigen Größe beeindruckt. In „Der Baum“ gelingt es den Autoren, wissenschaftliche Zusammenhänge verständlich zu vermitteln, immer wieder unterbrochen von interessanten Geschichten. Ihre bildhafte Sprache z.B. im Kapitel „Sex im Wald“ weckt die Vorstellungskraft des Lesers – und vielleicht auch ein Schmunzeln.

Die Autoren beschreiben die komplexen Beziehungen des Baumes zu anderen Organismen in seiner Gemeinschaft von Flechten, Farnen, Moosen und Pilzen über andere Bäume bis hin zu Spechten, Eichhörnchen, Eulen, Pumas, Bären, Termiten, Ameisen, Salamandern und vielem mehr.

Den beiden Autoren gelingt es, wissenschaftliche Erkenntnisse ausdrucksstark und dennoch leicht durch die Erzählung fließen zu lassen.
Für mich ist das Buch ein absoluter Umweltklassiker, den man immer wieder lesen und dabei stets etwas Neues entdecken kann.

Den besonderen Zauber des Buches machen für mich auch die Illustrationen von Robert Bateman aus.
Bateman ist ein bekannter und mehrfach ausgezeichneter kanadischer Künstler. Die Kopie eines seiner bekanntesten Werke „Chief“ hängt übrigens im Map Room des Mammoth Hot Springs Hotels im Yellowstone-Nationalpark.
Ich hatte bei meiner Wolfsforschung in Yellowstone das Glück, gemeinsam mit Bateman und seiner deutschstämmigen Frau einen Nachmittag lang Wölfe zu beobachten und habe ihn als bescheidenen und sehr an der Natur interessierten Künstler kennengelernt.
Umso unverständlicher ist es mir, dass Bateman als Illustrator der Federzeichnungen im Buch weder auf der deutschen Verlagsseite noch bei Amazon erwähnt wird. Im Original „Tree“ steht noch „Art by Robert Bateman“ auf dem Cover unter dem Titel.
Ein berühmter und hoch geachteter Künstler, der durch seine Werke ein Buch verschönt und aufwertet, hat meines Erachtens mehr verdient. Schade.