Rezension: Das verborgene Leben der Meisen

Meisen

Das verborgene Leben der Meisen
Andreas Tjernshaugen
Insel Verlag, 2017
234 Seiten
ISBN 978-3458177234
18,00 €

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Inhalt
Wussten Sie, dass Meisen der Vielweiberei frönen, Fledermäuse töten, weil deren Gehirn besonders lecker schmeckt, und sich in der Luft wie fliegende Dinosaurier verhalten? Andreas Tjernshaugen, Ornithologe aus Leidenschaft, zeigt, was wir über Meisen alles nicht wissen, er enthüllt uns eine faszinierende Welt direkt vor unseren Augen, die uns bisher verborgen blieb.

Rezension
Der norwegische Soziologe Andreas Tjernshaugen hat ein faszinierendes Buch über eine Vogelart geschrieben, die uns so vertraut und gleichzeitig so fremd ist.

Wie schade, dass ich jahrelang den fliegenden Überlebenskünstlern in meinem Garten so wenig Beachtung geschenkt habe. Ein ganzer Kosmos mit Dramen wie Eifersucht, Vielweiberei, Mord und vielem mehr bietet sich mir beim Blick aus dem Fenster. Mit Bewunderung und tiefstem Respekt bestaune ich die Höchstleistungen, die die Meisen bei der Aufzucht ihrer Jungen bringen. Mit Horror lese ich, dass sie sogar Fledermäuse jagen und ihre Opfer teilweise bei lebendigem Leib fressen, und mit einem Schmunzeln stelle ich fest, dass in der Meisenwelt in den Nistkästen manchmal zugeht wie bei den Flodders.

Tjernshaugen gibt uns einen Einblick in die individuellen Persönlichkeiten dieses Vogels. Er ist weder Biologe noch Ornitholge, jedoch ein sehr genauer Beobachter und schafft es, ein Sachbuchthema unterhaltend, amüsant und spannend zugleich darzustellen. Gerade die persönlichen Geschichten, die der Autor erzählt, machen das Buch zu einem Lesevergnügen. Er langweilt nicht mit wissenschaftlichen Abhandlungen sondern bringt immer wieder eigene Erlebnisse ein, und sorgt somit für ein kurzweiliges Lesevergnügen.
Seitdem ich „Das verborgene Leben der Meisen“ gelesen habe, sehe ich die kleinen Vögel in meinem Garten mit anderen Augen.

Sehr hilfreich bei der Identifizierung der unterschiedlichen Meisenarten sind auch die schönen farbigen Zeichnungen im Buch. Jetzt (erst) kann ich weibliche von männlichen Kohlmeisen anhand des Gefieders unterscheiden – ein Aha-Effekt. Zauberhaft auch die Farbfotos wie z.B. auf Seite 106 winzige hungrige Meisenküken in einer riesigen Menschenhand.
Ebenfalls sehr hilfreich ist der Anhang mit Tipps zur Fütterung, zum Bau und Aufhängen von Nistkästen und zum Erkennen vom Vogelgesang.

Der Kritik mancher Rezensenten am „billigen“ Einband des Buches kann ich mich nicht anschließen. Mir gefällt der Einband: Das Buch ist fest gebunden, liegt gut in der Hand und man kann es überall hin mitnehmen.

Ich empfehle dieses wunderschöne und kluge Buch allen, die mehr über die faszinierende Vogelwelt vor ihrer Haustür erfahren möchten.

Meise
Foto: pixabay