Rezension: Das geht so nicht weiter!

Das geht so nicht weiter!
Die Würde des Tieres ist unantastbar
Sophie & Karl-Ludwig Schweisfurth
bene! Verlag, 2019
112 Seiten
ISBN 978-3963400568
12,00 €

Zu beziehen über den örtlichen Buchhandel oder online im Autorenwelt-Shop

Inhalt
Ein Immer-Mehr, Immer-Günstiger wird uns als erstrebenswertes Ziel verkauft. Aber wir spüren längst: Das muss ein Ende haben! Denn ein Lebensmittel- und Tierhaltungs-Skandal jagt den nächsten.


Karl-Ludwig Schweisfurth war einst der Chef von „Herta“, einer von Europas größten Wurstfabriken. Eines Tages – er war damals 56 Jahre alt – wurde ihm klar: „Ich muss damit aufhören und noch einmal ganz neu anfangen. Das geht so nicht weiter!“ Er verkaufte alles und realisierte seinen Traum von einer anderen Landwirtschaft, die die Würde des Tieres achtet. 30 Kilometer südöstlich von München lebt er heute mit seiner Familie auf Gut Hermannsdorf bei Glonn. In den „Hermannsdorfer Landwerkstätten“ werden nur verantwortungsvoll gehaltene Schweine geschlachtet, wird Fleisch für den Verkauf vorbereitet, Wurst gemacht, Brot gebacken und Käse hergestellt. Hier schätzt man das „gute Leben“.
Mit 88 Jahren ist Karl-Ludwig Schweisfurth hellwach. In München hat er sich als Gasthörer für ein Philosophie-Studium eingeschrieben. Er ist ein Mensch, der weiß, wofür er steht und um was es geht.
Dieses Buch ist sein Credo: Es geht ihm nicht nur um Achtsamkeit beim Essen und um gute Tierhaltung, sondern um die grundsätzliche Verantwortung der Generationen füreinander. Um Sorgsamkeit im Umgang, Achtung vor dem Leben und der Schöpfung. Um Respekt, Demut, Ehrfurcht und Schönheit – Schönheit in den kleinen Dingen und beim Blick aufs große Ganze.
Gemeinsam mit seiner Enkelin Sophie, die in dritter Generation die Verantwortung für den Betrieb südlich von München übernommen hat, entfaltet er in diesem Manifest die faszinierende Zukunftsvision eines Lebens, das wir am Ende nicht bereuen müssen. Denn die Würde des Menschen beginnt mit dem Respekt vor den Tieren.
„Früher habe ich 30.000 Schweine und 5.000 Rinder in der Woche schlachten lassen. Irgendwann merkte ich, das ist der völlig falsche Weg. Der Ruf nach dem immer Mehr ist Wahnsinn. Das geht so nicht weiter. Es ist ein Lebensauftrag für uns, die Erde ein klein wenig schöner und besser zu verlassen, als wir sie betreten haben.“

Rezension
Am 5. Oktober 2019 lese ich in der Zeitung: „Billigfleisch dominiert. Verbraucherzentralen: In Supermärkten kaum Angebote an bessere Tierhaltung.“

Die Politiker klopfen sich selbst auf die Schultern, weil sie ein einheitliches vierstufiges Label zur Kennzeichnung von Haltungsformen von Nutztieren erfunden haben. Natürlich ist alles auf „freiwilliger“ Basis, ebenso wie der vermeintliche Tierschutz. Als ob Freiwilligkeit gegen wirtschaftliche Interessen jemals eine Chance hätte. Wenn ich lese, wie die Schaffung von gesetzlichen Regelungen immer weitere Jahre verschoben wird, während Millionen Tiere leiden, wird mir schlecht – und das sollte es auch jedem werden, der immer noch sein Fleisch zu Billigpreisen kauft. Alle wollen Bio, niemand will Tiere quälen, und dennoch tun wir es, weil wir nicht bereit sind, vernünftiges Geld für anständiges Essen auf den Tisch zu legen. Ich bin (noch) keine Vegetarierin, schaue aber sehr genau hin, woher das Fleisch und der Fisch kommen, die ich immer seltener esse.

Das Buch „Das geht so nicht weiter!“ ist ein Augenöffner. Es klärt auf, und zwar durch jemandem, der selbst viele Jahre „auf der anderen Seite“ stand und kommerziell Fleisch produziert hat. Karl-Ludwig Schweifurth und seine Enkelin Sophie klagen an, und sie verschonen den Leser dabei nicht.

„Mit diesem Buch muten wir Ihnen einiges zu“, schreiben sie gleich zu Beginn. Sie nehmen uns mit von der Idylle früherer Zeiten auf dem Bauernhof zum Horror der heutigen Fleischproduktion.

Das Buch ist eine Anklage gegen den nicht vorhandenen Tierschutz in der Massentierhaltung und gegen Behörden und Politik, die anscheinend wenig Interesse haben, etwas zu ändern und durchzusetzen

Bei all dem Tierleid, gibt es aber Hoffnung. Viele Menschen setzen sich mehr und mehr mit ihrer Ernährung auseinander. Sie reduzieren ihren Fleischverbrauch oder geben ihn ganz auf und essen ganz bewusst mehr Gemüse aus lokaler Produktion. Anders essen in Zeiten des Klimawandels.

Das Leben besteht nicht nur aus Schwarz oder Weiß, aus Veganern oder Fleischesser. Die Autoren zeigen, dass es möglich ist, ethisch Fleisch zu produzieren und mit Achtung und Respekt Tiere zu halten und auch zu töten. Die Frage bleibt: Sind wir bereit, den höheren Preis für unser Essen zu bezahlen, der nötig ist, damit Tiere nicht leiden müssen?

Sophie, die Enkelin von Karl-Ludwig Schweisfurth, hat die Hermannsdorfer Werkstätten von ihrem Großvater übernommen. Sie beschreibt, wie der Betrieb funktioniert, die Tiere gehalten werden, und was Besucher lernen können. Auf dem Hof wird geschlachtet, wie früher – und wie auch ich es aus meiner Kindheit auf dem Dorf noch kenne.

Am Ende stellen beide Autoren die entscheidenden Fragen an den Leser: Was ist Ihnen persönlich wichtig? Wie wollen wir in Zukunft mit der Natur umgehen, die uns ernährt? Was können wir an unserem Konsum ändern?

Die Autoren geben Tipps für ein besseres Leben, nicht nur im Umgang mit unseren Lebensmitteln. Dazu gehören:

  • Weniger Gleichgültigkeit, mehr Achtsamkeit,
  • eine Miteinander-Kultur statt einer Gegeneinander-Kultur,
  • Zeiten der Stille und des Rückzugs,
  • mehr Liebe

„Das geht so nicht weiter!“ Ist ein kleines Buch mit großem Inhalt. Über ihm steht der Gedanke von Albert Schweitzer „Ehrfurcht vor dem Leben“. Am Ende liegt es an uns Verbrauchern, ob dieser Gedanke für uns nur ein Lippenbekenntnis sein wird oder ob wir ihn leben.

Glückliche Schweine (Foto: Michael Strobel- Pixabay)