Rezension: Bellas letzte Reise

Bellas letzte Reise
Was ich von meinem Hund auf unserem großen Roadtrip lernte
Robert Kugler
Kösel-Verlag, 2019
400 Seiten
ISBN 978-3466347223
15,00 €

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Inhalt
Als Rob Kuglers Leben auseinanderfällt, ist vor allem seine schokoladenbraune Labradorhündin Bella für ihn da. Umso schlimmer für ihn, als er erfährt, dass Bella Knochenkrebs hat und ihr Vorderbein amputiert werden muss. Statt aufzugeben und die neunjährige Hündin einzuschläfern, entscheidet Rob sich dafür, ihre letzten Monate zu den schönsten ihres Lebens zu machen: Sie fahren quer durch die USA und entdecken das Land, schlafen gemeinsam im Auto, steigen auf Berge, schwimmen in Seen, treffen neue Freunde. Mit ihrer bedingungslosen Liebe und andauernden Lebensfreude ist Bella Rob ein stetes Vorbild, niemals aufzugeben und jeden Tag zu leben, als ob es der letzte wäre.

Der Autor
Rob Kugler, geboren 1982, war US Marine Staff Sergeant. Aufgrund einer Verletzung musste er den Militärdienst verlassen. Er ist Geschichtenerzähler, Fotograf und Autor. Wenn er nicht unterwegs ist, lebt er in Nebraska.

Rezension
In diesem emotionalen Memoire schreibt der Fotograf und Marine-Veteran Rob Kugler über die Liebe zu seiner braunen Labrador-Hündin Bella. Nach einem Einsatz im Irak im Jahr 2008 muss Kugler aus medizinischen Gründen in den Ruhestand gehen. Zurück zu Hause in Nebraska kämpft er mit Depressionen und denkt an Selbstmord. Doch die bedingungslose Liebe seiner Hündin ist seine Rettung.

Dann wird 2015 bei Bella Knochenkrebs im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert, der sich schon auf ihr Vorderbein ausgebreitet hat. Die Tierärzte sagen, dass der Krebs sie in drei bis sechs Monaten töten wird, selbst wenn das Bein amputiert würde. Kruger lehnt den Vorschlag ab, die Hündin einzuschläfern. Bella war in den schwersten Augenblicken seines Lebens stets für ihn da. Jetzt will er jede Minute mit ihr genießen und macht sich mit ihr auf eine Reise durch Amerika. Sie besuchen Familie und Freunde und treffen Menschen, die mit Rob über Social Media in Verbindung stehen.

In Rückblenden erzählt der Autor von seiner armen, aber liebevollen Kindheit und von seinem geliebten Bruder Mike, der getötet wurde, während sie beide im Irak dienten. Auf der gemeinsamen Reise hilft Bellas nicht endende Begeisterung für das Leben, Kugler seine Depression zu überwinden. „Sie verbreitet Glück und Inspiration“, schreibt er. „Dieser Hund mit drei Beinen und unheilbarem Krebs liebt das Leben immer noch.“ Bella lebt noch eineinhalb Jahre,  länger als die Ärzte vorhergesagt hatten. Und dank ihr findet er auch eine Frau.

Die Beschreibungen des Autors haben verschiedene Emotionen in mir ausgelöst: Zum einen ist da der Soldat, dessen Ausbildung bei den Marines zu den härtesten im Militär gehört. Dabei erzählt Kugler den Drill der Soldaten und die menschenverachtende Brutalität des Trainings mit einer Leichtigkeit, die ich ihm nicht abnehme. Im Gegensatz zum amerikanischen Leser wird sich uns Deutschen dieses Leben nur schwer erschließen. Wir erhalten einen Einblick in eine uns fremde Welt.
Andererseits berührt mich die hoch emotionale Seite dieses „knallharten Kerls“, eines Menschen, der das Töten gelernt hat. Wenn jemand, der sich im Krieg befindet, getragene Socken per Post zu seinem Hund nach Hause schickt, damit er etwas zum Spielen hat, das nach ihm riecht, da wird jedem Hundemenschen das Herz weit.

Das Buch spricht mich besonders an durch die liebevolle Art des Autors, mit seiner Hündin umzugehen. Man spürt in jeder Zeile, dass sie das Wichtigste für ihn ist. Er versucht alles, um ihre letzten gemeinsamen Tage so unvergesslich wie möglich zu gestalten, weil er weiß, dass er nie wieder einen Hund wie Bella haben wird. Er möchte noch möglichst viel Zeit mit seiner todkranken Hündin verbringen. Das kann jeder von uns Hundebesitzern sofort nachvollziehen. „Bellas letzte Reise“ ist fesselnd und manchmal herzzerreißend, eine herzerwärmende Liebesgeschichte für jeden Hundefreund.

Auf Seite 118 schreibt der Autor: „Indem ich die Geschichte meiner eigenen Reise teile, möchte ich andere Mitmenschen dazu inspirieren, beharrlich nach dem Licht zu suchen, statt überall nur Dunkelheit zu sehen.“ Dies ist wahrlich ein wichtiger Grund im Zeitalter der sozialen Hetzwerke. Denn genau das lehrt uns „Bellas letzte Reise“: Zu erkennen, dass das Leben nicht nur schwarz oder weiß ist, dass in jedem Menschen eine liebevolle Seite steckt und dass es auch in der Dunkelheit immer ein Licht gibt.

Ich habe Rob Kugler und seine Bella bei der Lektüre so lieb gewonnen, dass ich Angst hatte, das Buch zu Ende zu lesen, weil ich wusste, wie es unweigerlich ausgehen wird. Und dann flossen die Tränen …

Was den Roadtrip der Beiden angeht, so habe ich vieles wiedererkannt. Auch ich bin mit einigen meiner Hunde durch die USA gereist und habe erfahren, wie schwierig das war. Hunde sind weder in Hotels, Ferienwohnungen, noch in Restaurants willkommen – aus hygienischen Gründen, wie es immer heißt. Das Buch gibt viele Tipps, wie und wo man mit seinem Vierbeiner unterkommen kann, dazu Hinweise zu Sehenswürdigkeiten. Ich würde es darum auch als eine Art Reiseführer im Sinne von „Reisen mit Hund durch die USA“ empfehlen.

Lesenswert ist auch die Danksagung des Autors am Ende des Buches.