Literatur + Natur = Kunst

Ich bin ein großer Fan von Petra van Cronenburg und ihrer Gabe, aus Papier und/oder Büchern Artikel zu fertigen. Ich hatte über die Künstlerin schon einmal in einem Blogeintrag über handgefertigten Schmuck berichtet.

Nun brauchte ich etwas „Größeres“.  Mein Wohnzimmer ist frisch renoviert, die IKEA-Möbel haben alle ihren Platz gefunden und an den Wänden hängen Fotos von … ihr ahnt es bereits … Wölfen, Yellowstone und Bisons. Einen Platz habe ich mir freigehalten für ein besonderes Bild.

Die Vorgaben

Mein Auftrag an die Künstlerin war, etwas darzustellen, was mich als Schriftstellerin repräsentiert, meine Liebe zur Natur und vor allem sollten KEINE Wölfe im Bild sein. Ich bin einrichtungstechnisch „ausgewolft“; es gibt schon genug Kaniden im Radinger-Haus. Und natürlich sollte eines meiner Bücher mit verarbeitet werden. Wieder war es „Minnesota Winter“. Warum weiß ich gar nicht so genau, vermutlich weil es eines meiner persönlichsten Werke ist.
Wir sprachen uns noch ab über Größe, Machart, Farbe. Den Rest überließ ich Petras Inspiration und Kreativität.

Das Ergebnis

Jetzt ist das Ergebnis da.  Dieses Foto zeigt das Bild noch vor der Rahmung .

Kunst
Gesamtansicht

Ein Foto kann nicht wirklich dem Original gerecht werden und vor allem  nicht dem, was es für mich bedeutet:
Es zeigt Bäume: Birken. Die Tatsache, dass Birken meine Lieblingsbäume sind, hatte ich selbst fast vergessen und Petra auch nie gesagt.  Erst als ich das Bild in den Händen hielt, ist mir die Birke vor meinem Elternhaus eingefallen, unter der ich  als Kind immer gelesen habe und glücklich war – bis meine Eltern sie fällen ließen, weil sie „so viel Dreck“ machte.
Die Stimmung ist kühl, wie im Winter. Ich liebe den Winter. Im Hintergrund stehen ein paar braune Bäume, alt und knorrig … so wie ich *grins*.
Die Rinde der Birken besteht aus zusammengefügten Papierschnipseln aus Seiten meines Buches.

Die Detailansicht zeigt den Buchtext.

In diesem Kunstwerk ist alles zusammengefasst, was für mich Bedeutung hat, und ich bin sehr beeindruckt, wie die Künstlerin dies umgesetzt hat.

Das sagt die Künstlerin

Ich wollte wissen, wie Petra arbeitet und ganz besonders natürlich, wie sie dieses Bild gemacht hat. Hier lasse ich sie selbst zu Wort kommen:

Ich könnte es kurz machen und sagen: Das ist einfach eine Papierschnipsel-Collage, wie sie viele von uns früher in der Schule gelernt haben. Tatsächlich war die Sache aber etwas aufwändiger, nachdem die Darstellung von Wölfen verboten war. Das wäre meine erste Idee gewesen – wie also sollte ich etwas anderes passend zur Arbeit einer Wolfsforscherin entwerfen?

Die Collage besteht aus unzähligen kleinen, von Hand gerissenen Papierschnipseln.

Ich habe natürlich das Buch gelesen, nein verschlungen! Und kam sofort auf die Idee mit Wald (der dominant darin eine Rolle spielt) und Birkenrinde fürs Buchweiß. Schnee durfte nicht liegen, damit es schön herauskam. Ich studierte erst einmal Birken in der Natur, befühlte sie, schaute nach, wie genau sich ihre Rinde abschält, wie so ein Stamm wächst und sich verzweigt.

Die Materialien mussten gewählt werden: Zeitschriftenseiten für die Farbverläufe , Buchseiten für die Birken (ich wählte die positivsten Schilderungen und da stecken auch etliche Wölfe drin).

Die Farben einer Collage werden mit Schnipseln aus Zeitschriften „gemalt“.

Ein Spezialkleber, der nicht vergilben würde, sich mit Firnis verträgt, das Papier nicht verändert; der Malkarton. Es fehlte jedoch ein Kontrast, der mich befriedigte – die Birken sollten ja strahlen. So sind die braunen Bäume entstanden, aus Zellstoffpapier gezupft, das ich vorher von Hand mit Rostdruck bedruckt habe.

Weiches Zellstoffpapier mit Rostdruck für die braunen Bäume.

Damit das Buchpapier eher wie Birkenrinde wirkt, habe ich zuerst mit einem extrem feinen transparenten Papier experimentiert, das jetzt in länglichen Schnipseln darüberliegt.

Ansonsten war das Fleißarbeit, vom Entwurf, den Farbverläufen bis hin zum Reißen und Kleben winziger Schnipsel. Kenntnis der Technik auch: Man setzt sie, als wären es impressionistische Farbkleckse – und dazu brauche ich einen recht großen Fundus an farbigen Zeitschriftenseiten. Ich muss spielen zwischen den Übergängen in Nahsicht und der Fernwirkung des Bildes. So habe ich dann doch noch heimlich die Wölfe im Bild versteckt! Einige sitzen im Buchtext. Und wer weiß, wie viele hinter den Bäumen warten?

Na dann – auf zum fröhlichen Suchspiel. Tolle Arbeit und ein ganz persönliches Unikat, das es so auf der ganzen Welt nicht noch einmal gibt. DANKE!

Das Atelier und die Webseite der Künstlerin findet ihr hier.