Kurzbeschreibung
Rotkäppchen lebt!
Trotz aller Aufgeschlossenheit und Liebe zur Natur haben die Menschen auch heute noch Angst vor dem Wolf. Diese Angst ist einer der Hauptgründe, warum immer wieder streng geschützte Wölfe in Deutschland erschossen werden.
– Ist diese Angst berechtigt?
– Wie gefährlich sind Wölfe?
– Greifen Wölfe Menschen an?
Diesen Fragen geht die Autorin und Wolfsexpertin nach, die viele Monate im Jahr in Nordamerika wilde Wölfe beobachtet.
»Wolfsangriffe« ist ein Buch, das hilft, die Wölfe zu verstehen. Es ist sowohl ein Buch für alle die Menschen, die sich vor ihnen fürchten, als auch für die, die Wölfe lieben und sie schützen wollen.
Inhalt
Warum dieses Buch?
Das Rotkäppchen-Syndrom
Warum greifen Wölfe nicht an?
Angriffe auf Menschen durch andere Tierarten
Wolfsangriffe in der Geschichte
Probleme bei der Untersuchung historischer Fälle
Berühmte historische Fälle
Wolfsangriffe in der Neuzeit
Aggressives Verhalten
Tollwut
Beuteverhalten
Testen von Beute
Nicht aggressives Verhalten
Verteidigung
Verwechslung/Neugier
Hunde
Futterkonditionierung/Gewöhnung
Zusammenfassung
Sonderfall Nationalparks
Denali-Nationalpark
Yellowstone-Nationalpark
Furchtlosigkeit oder Angst – was ist »natürlich«?
Management von Wölfen und Menschen
Vom Umgang mit wilden Wölfen
Problem: Wolf-Hund-Mischlinge und zahme Wölfe
Keine Angst vorm bösen Wolf
Leseprobe
Das Rotkäppchen-Syndrom
Seit Tagen schon hat es nicht mehr aufgehört zu schneien. Ein Blizzard hat das kleine Dorf in Sibiriens Taiga fest im Griff. Bei eisigem Sturm und Minustemperaturen um 40 Grad Celsius können die Bewohner keinen Schritt mehr aus dem Haus machen. Sie schaffen es noch nicht einmal mehr zu den Vorratshäusern, wo sie die magere Ernte der letzten Jahre in tief in die Erde eingegrabenen Räumen aufbewahren. Die Menschen haben Hunger. Aber nicht nur sie.
Draußen hören sie ein Heulen. Zunächst ist es nur ein einzelner Ton, aber in den nächsten Nächten werden es immer mehr – und sie kommen immer näher. Sobald es dunkel wird, sehen die Dorfbewohner die grauen Schatten um die Häuser huschen. Gelegentlich blicken glühende Augen in ihre Fenster hinein. Die Wölfe sind da! Sie haben das Dorf belagert, und sie haben Hunger ...
So oder so ähnlich können wir es immer noch in Büchern lesen – und nicht nur in alten Büchern. Auch Jagdzeitschriften lassen gelegentlich ein ähnliches Szenario auferstehen oder erzählen zum hundertsten Mal die Geschichte der russischen Troika, die von einem Rudel glutäugiger und blutrünstiger Wölfe verfolgt wird.
Wölfe weckten schon immer ambivalente Gefühle in uns Menschen. Wir kennen und fürchten sie von Kindesbeinen an durch Märchen wie »Rotkäppchen« oder »Der Wolf und die sieben Geißlein« – und dennoch sind sie uns so vertraut wie kein anderes Tier, denn ihre domestizierten Brüder und Schwestern leben seit Jahrtausenden gemeinsam mit uns in unseren Familien.
Dank steter Aufklärungsbemühungen gibt es heute zum Glück immer mehr Menschen, die von sich behaupten, Wölfe zu lieben und keine Angst vor ihnen zu haben. Fragt man aber einmal diese Menschen direkt, ob sie denn etwas dagegen hätten, wenn in ihrem Stadtwald ein Rudel Wölfe leben würde, dann kommt fast immer die Antwort: »Nein! So war das nicht gemeint. Im Stadtwald? Dann können wir ja mit den Kindern dort nicht mehr spazieren gehen!«
Wölfe ja, aber nicht vor der eigenen Haustür. So lautet die Devise. Jeder aufgeklärte Mensch weiß, dass Wölfe keine Menschen fressen. Gleichzeitig haben aber die meisten Angst davor, sie in ihrer Nähe zu haben, weil sie fürchten, dass der Wolf vielleicht doch einmal, »wenn er sich bedroht fühlt« oder »wenn er Hunger hat«, einen Menschen angreifen könnte. Ist diese Angst berechtigt? ...
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