Rezension: Wölfe (DVD)

Wölfe
DVD, Blue-ray
Tiberius Film
Regie: Julia Huffmann
Laufzeit: 71 Min.
14,99 / 16,99 €

Inhalt
Viele Völker, die seit jeher von der Jagd lebten, sahen im Wolf einen ihnen überlegenen Konkurrenten. Der Wolf wurde auch als Beschützer und übernatürliches Wesen verehrt. Doch der Wolf war schon immer auch der Feind des Menschen, was bis heute in vielen Legenden und Märchen seit jeher erzählt wird. In dieser faszinierenden Dokumentation macht Filmemacherin Julia Huffmann mit dem renommierten Naturfotografen und Filmemacher Jim Brandenburg eine Reise nach Minnesota, in das sogenannte Wolfs-Land, wo eines der größten Wolfsrudel der USA lebt. Auf ihrer Reise porträtieren die Filmemacher sowohl Menschen, die die Wölfe schützen wollen, als auch diejenigen, die sie hassen und ergründen so die Faszination dieser wunderbaren Tiere.
Faszinierende Dokumentation über die Suche nach dem wahren Wesen des Wolfes.

Rezension
Dieser Film ist etwas ganz Besonderes. Er enthält Dokumentationen, Interviews, Philosophie, Weisheit aber vor allem ganz große Magie.
„Wölfe“ ist ein stiller Film, der tief in uns etwas berührt und den Zuschauer lange nicht mehr loslässt. Es geht um Wölfe und um Menschen, die sie lieben oder hassen. In der englischen Originalversion heißt der Film „Medicine oft the Wolf“ (Wolfsmedizin), was den Inhalt meines Erachtens besser beschreibt als ein schlichtes „Wölfe“. Denn Medizin und Magie sind sie, die großen Beutegreifer. Das begreift jeder, der diesen Film anschaut.

Der Naturfotograf und Filmemacher Jim Brandenburg erzählt von den Wölfen, die in der Nähe seiner Blockhütte Ravenwood in Ely, Minnesota, leben und welche Beziehung er zu ihnen aufgebaut hat. Diese Gespräche haben mich tief berührt. Ich kenne Jim Brandenburg persönlich. Ich habe ihn Anfang der 1990er Jahre kennengelernt, als ich ein Jahr in einer Blockhütte in der Wildnis ganz in der Nähe von Brandenburgs Cabin gelebt habe. Auch ich hatte Wölfe auf dem Grundstück. Ich traf Jim in seiner Galerie in Ely und wir kamen ins Gespräch. Er erzählte mir von Ravenwood und „seinen“ Wölfen, und ich berichtete über die deutschen Wölfe, die zu diesem Zeitpunkt offiziell noch nicht angekommen waren, von denen aber immer wieder vereinzelte Tiere illegal erschossen wurden. „Du musst etwas für die Wölfe tun“, sagte mir Brandenburg sehr eindringlich. „Wir müssen diese Tiere schützen.“ Manchmal glaube ich, dass das Gespräch mit ihm den Ausschlag gegeben hat für meine jahrzehntelange Arbeit für den Wolf.
Brandenburg ist eine beeindruckende Persönlichkeit wie wohl jeder Mensch, der lange Zeit in der Wildnis verbringt: ein ruhiger, zurückgezogener und sehr gütiger Mann, der absolut authentisch ist, was er auch in seinen grandiosen Fotografien ausdrückt.
Leise und traurig erzählt er im Film, wie seine Lieblingswölfe getötet wurden, nachdem der Wolf von der Artenschutzliste genommen wurde. Man spürt seine Verletzlichkeit und seine Verzweiflung fast körperlich, als er sagt: „Ich bin nicht mehr der alte. Es hat mich zum Weinen gebracht“, und dabei mit den Tränen kämpft.
Es sind schlimme Szenen im Film, die deprimieren, wie der Abschuss eines Wolfes durch einen Jäger zu Fuß und seine Freude darüber, ihn erwischt zu haben. Wütend macht die Anhörung zum Gesetzentwurf zur Streichung der Wölfe von der Artenschutzliste, wo im Regierungssaal über Zahlen und Abschussquoten verhandelt wird wie über einen Börsenindex statt über das Schicksal von  lebendigen, intelligenten und fühlenden Lebewesen. Das Bewusstsein, dass dies überall auf der Welt gleich ist – und auch in Deutschland so geschachert wird – macht mich hilflos.
Aber wir sehen in der Dokumentation auch traumhaft schöne Szenen aus dem Familienleben der Wölfe. Viele davon zeigen die Wölfen von Yellowstone (zum Beispiel bei der Jagd von Wapitis), die mir natürlich vertraut sind.
Sehr berührend fand ich auch die Begegnungen von New Yorker Problemkids mit Gehegewölfen. Unter Wölfen zu sitzen, sie zu streicheln und sich von ihnen küssen zu lassen, verändert vielleicht das weitere Leben des einen oder anderen Jugendlichen für immer. Das ist Wolfsmedizin!
Aussagen von Menschen, die Wölfe lieben, wie Jane Goodall, Marc Bekoff, einem Ojibwa-Chief und vielen anderen geben einen tiefen Einblick in die Gefühle und Philosophie der Menschen, die von Wölfen tief berührt worden sind. Sie lassen uns wissen, dass wir nicht allein sind mit unseren Emotionen.

Mich hat dieser Film sehr aufgewühlt. Und so sehr mich die stille Verzweiflung von Jim Brandenburg berührt hat, so dankbar bin, dass der Film damit nicht endet, sondern mit einer Note der Hoffnung, als Jim eine frische Wolfshöhle findet. Vielleicht ist doch noch nicht alles verloren.

Mein Fazit und meine Empfehlung: unbedingt sehenswert – and the Oscar goes to „Wölfe“.

Der Filmstart von „Wölfe“ ist am 6. April. Der Film erscheint auf Blue-ray und DVD sowie DIGITAL. Das Wolf Magazin hat FÜNF Exemplare unter allen Abonnenten des Newsletters Wolf & Co verlost.

Die Gewinner sind: Gerda Simon, Klaus Wagner, André Schuschies, Thomas Glück und Sandra Schönreiter. Die DVDs sind auf dem Weg.

Ich danke Tiberius Film für das Angebot!!