Rezension: Wer der Herde folgt, sieht nur Ärsche

Cover HerdeWer der Herde folgt, sieht nur Ärsche
Warum wir dringend Helden brauchen
Hannes Jaenicke
Gütersloher Verlagshaus, 2017
192 Seiten
ISBN 978-3579086682

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Inhalt
Bequemlichkeit, Überbürokratisierung und Herdentrieb führen in Deutschland zu einem kleinkarierten Mittelmaß, das wirkliche politische und gesellschaftliche Veränderung blockiert und sabotiert. Alternative Erziehungs- und Lebensmodelle – Fehlanzeige. Echte Startups – nicht in Sicht. Ambitionierte Spezialisten und Forscher – wandern aus. Eine moralische Instanz – gibt es nicht. Hannes Jaenicke fordert deshalb: Vergesst Eure Angst! Habt Mut zu Individualität und Eigensinn, zum Ausscheren aus dem System. Begegnet den kleinen und großen Helden des Alltags wertschätzend und motivierend und traut auch Euch zu, den Unterschied auszumachen. Offen und humorvoll erzählt er dabei von seinen Helden und Vorbildern – so viel Privates gab es noch nie von Hannes Jaenicke.

Rezension
Viele kennen Hannes Jaenicke durch seine Filme. Uns Naturschützern ist er vor allem bekannt durch seine spektakulären Dokumentationen.
Mit diesem Buch lernen wir ihn privat kennen. Wir erfahren, wie er aufwuchs, was ihn geprägt und zu dem gemacht hat, der er heute ist. Wir bekommen auch seine Einstellungen über die Welt und die Menschen darin manchmal ziemlich unsanft um die Ohren gehauen. Vermutlich können wir nur so wach werden, denn dieses Buch ist ein leidenschaftlicher Appell, seinen eigenen Weg zu gehen, Fragen zu stellen, hinzusehen.

Dieses Buch ist eine Anklage gegen die Welt, so wie sie ist. Es ist ein Augenöffner für alles, was schief läuft und ein Wachrüttler für die, die lieber der Herde folgen, als selbst aktiv zu werden. Bevor man als Leser aber vor lauter Frust geneigt ist, aufzugeben, holt uns der Autor im zweiten Teil seines Buches auf die helle Seite der Welt zurück, macht uns Mut zum Ausscheren aus der Herde und stellt uns seine ganz persönlichen, stillen Helden vor.
Mit bissigem Humor teilt Jaenicke ordentlich aus – besonders und wiederholt gegen AfD und Pegida. Gut gebrüllt, Löwe!!! Ich habe bei vielem, was ich gelesen habe, immer wieder gesagt: Ja! Recht hat er! Er sagt die Wahrheit. Dass darüber einige betroffene Hunde bellen – auch innerhalb der 1-Sterne-Rezensionen bei Amazon – war zu erwarten. Darauf kann man nur mit dem im Buch zitierten Spruch von Einstein antworten: „Große Geister haben heftige Gegenerschaft in den Mittelmäßigen gefunden.“

Der Leser erhält in „Wer der Herde folgt …“ viele nützliche Tipps beispielsweise zu Menschen, die sich für die gute Sache einsetzen wie Felix Finkbeiners „Plant-for-the-Planet“.
Hier die Rede des 11 jährigen Felix vor der UN 2011. Klasse Felix!

Ohne Jaenickes Buch hätte ich nicht von diesem großartigen Kind und Projekt erfahren – und von vielen anderen auch nicht.
Auf sie sollen wir schauen, statt irgendwelchen Dumpfbacken hinterherzurennen. An den Gutmenschen sollten wir uns orientieren und damit meine ich tatsächlich die „guten Menschen“. Jaenicke schreibt, dass über 20 Millionen ehrenamtlich engagierte Menschen still ihr gutes Werk tun. Chapeau! Stellen wir uns also nicht auf die Seite derer, die alles nur schlecht machen, sondern tun wir das Richtige.

Für mich ist „Wer der Herde folgt …“ eine Pflichtlektüre für alle, die sich für unseren Planeten einsetzen wollen.

Jaenicke fragt, wer in Deutschland heute für uns Vorbilder, Leitfiguren und moralische Instanzen sind. Ich antworte gerne und nenne hier nur drei meiner vielen Helden: Margot Käßmann, die großartige Dunja Hayali und ja – auch Hannes Jaenicke. Danke für das Buch!