Rezension: Warum Wale Fremdsprachen können

Wale

Warum Wale Fremdsprachen können
und andere erstaunliche Erkenntnisse über die geheimen Fähigkeiten der Tiere
Katharina Jakob
Heyne, 2018
256 Seiten
ISBN 978-3453604445
12,99 €

Hier können Sie das Buch bestellen

Inhalt
Orcas, die die Sprache von Delphinen erlernen, oder Erdhörnchen, die näherkommende Menschen mit ihren Pfiffen bis hin zur T-Shirt-Farbe beschreiben: Tiere können denken, planen und kommunizieren, Werkzeuge nutzen und für den eigenen Gebrauch verändern, Nächstenliebe empfinden, sich die Zukunft vorstellen – und manche haben sogar ein Ich-Bewusstsein. Erstaunlich? Aber wahr! Ihre eindrucksvollen Erzählungen aus der unbekannten Welt der Tiere verbindet Katharina Jakob stets mit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen – verblüffend und unterhaltsam.

Rezension
Das Buch von Katharina Jakob gibt einen umfassenden Überblick über die neueren Erkenntnisse der Erforschung tierischer Intelligenz.

Nehmen wir die Wale. Sie sind kulturelle Geschöpfe mit einem hoch komplexen Sozialverhalten und einer dezidierten Sprache. (Sensationell die Erkenntnisse der Sprache der Pottwale.) Die Beschreibung des Verhaltens der Wale ist fast identisch mit dem Sozialverhalten und dem Familienleben wild lebender Wölfe, die ich nunmehr 30 Jahre lang beobachte. Und da glaubt die Spezies Mensch doch tatsächlich immer noch, die „Krone der Schöpfung“ zu sein. Wie armselig. Bücher wie dieses rücken die Perspektive gerade und zeigen uns, dass es noch sehr viel zu erfahren und zu lernen gibt.

Über die wirbellosen Tiere erfahren wir:
– eine Biene empfindet Schmerz,
– eine Ameise trifft ökonomische Entscheidungen,
– ein Oktopus bringt sich selbst bei, mechanische Verschlüsse zu öffnen.
Man staunt und fragt sich: Was kommt da noch?

Die Autorin beschreibt verständlich und unterhaltend die kognitiven Leistungen von Tieren und ihr Empfindungsvermögen. Wenngleich ich Probleme habe mit den Versuchen, die unter Laborbedingungen gemacht werden. Ob das vermeidbar ist oder nicht, mag dahingestellt bleiben und an anderer Stelle diskutiert werden.

Ein Kapitel widmet sich einer meiner Lieblingstierarten, den Präriehunden. Hier handelt es sich um eine hoch soziale Schlüsselspezies. Jeder, der schon einmal Präriehunde in der Wildnis beobachtet hat, kenn ihre Alarmrufe, die die Forscher als detaillierte Sprache definiert haben, mit der die Tiere das Äußere eines Eindringlings genau beschreiben können: „Mensch, langsam, groß, blau.“
„Warum Wale sprechen können“ endet mit einem Besuch in der Zukunft. Was wir noch alles wissenschaftlich erforschen können, macht neugierig und Lust auf mehr.

Dieses Buch lässt den Leser nicht nur staunen über die Wunder und Fähigkeiten der Tierwelt, sondern macht auch sehr demütig. Und Demut ist etwas, was wir angesichts der menschlichen Überheblichkeit gegenüber den Tieren und der Natur dringend brauchen.

Ein wunderbares Buch: leicht verständlich, unterhaltend und intelligent.