Rezension: Mit Gobi durch die Wüste

Mit Gobi durch die Wüste
Eine wahre Geschichte
Dion Leonard
HarperCollins, 2018
304 Seiten
ISBN 978-3959671804
12,99 €

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Inhalt
Dion Leonard ist Ultra-Marathonläufer und lebt für die härtesten Rennen der Welt. Als er nach China zum 7-Tage-Rennen durch die Wüste Gobi reist, will er in erster Linie den Wettkampf gewinnen. Dafür hat er leichtes Gepäck und nur das nötigste Essen dabei. Womit er nicht rechnet: mit der kleinen Mischlingshündin, die ihn aus ihren großen braunen Augen an der Startlinie anschaut – und dann kilometerweit begleitet. Er nennt sie Gobi, sie schenkt ihm Mut, als er ans Aufgeben denkt. Und schließlich kehrt er während des Rennens für sie um. Davon, wie der kleine Hund mit großem Herzen einen besseren Mensch aus ihm gemacht hat, erzählt Leonard in diesem Buch.

Rezension
„Es braucht ein Dorf, um ein Kind großzuziehen, und es braucht einen ganzen Planeten, um einen kleinen Hund zu retten.“ So beschreibt der Autor, ein Ultra-Marathon-Läufer dieser wahren Geschichte.

Dion Leonard erzählt, wie er während eines Rennens in der Wüste Gobi in China einen kleinen Streuner fand, und was er alles anstellte, um den Kleinen zu retten und nach Schottland zu bringen.

Das Rennen, ein 155 Meilen langer Ultra-Marathon durch die Wüste, brachte den Autor an seine körperlichen und psychischen Grenzen. Große Höhenlagen, extremste Hitze und Sandstürme musste er bewältigen – und dabei noch so ganz nebenbei die kleine, sandfarbene Hündin retten, die aus dem Nichts auftauchte, ihm tief in die Augen schaute und sich ihn zum neuen Herrchen erwählte. Fortan wurde sie sein Schatten und begleitete ihm im Rennen. Er seinerseits teilte seine knappen Vorräte an Nahrung und Wasser sowie sein Lager mit Gobi, wie er die Hündin nach der Wüste genannt hatte, durch die sie liefen. Manchmal kehrt er sogar um, um ihr über einen Fluss zu helfen. Dann, als das Rennen vorbei war, ließ er sie in der der Obhut einer Frau, um sie später zurückzuholen. Die Hündin jedoch lief fort und war verschwunden.
Jeder von uns Hundebesitzern weiß, wie traumatisch so etwas ist. Auch ich habe mit Dion und seiner Frau gebangt und gelitten.

Um den Hund in China zu finden und herauszuholen, startete Dion von Schottland aus eine Crowdfunding-Kampagne, mit der er genug Geld sammelte, um zurückzufliegen. Die Kampagne wurde ein grandioser Erfolg und fand viel Beachtung in den Medien. Und so halfen Menschen rund um den Globus, Geld für die Suche nach Gobi zu sammeln. Nach einer endlosen Odyssee fanden die beiden sich. Gobi war allerdings verletzt, was eine Operation und noch mehr Kosten nach sich zog. Danach galt es „nur“ noch, die Hündin aus dem Land zu holen und nach Groß Britannien zu bringen.

China ist für die meisten von uns eine unbekannte Welt, mehr noch das Leben mit einem Hund in einer chinesischen Großstadt und die Strapazen, die damit einhergehen. Trotz der sehr rüden Ablehnung von Hunden in Hotels oder Straßencafés und trotz der Behördenwillkür und unvorstellbaren Schwierigkeiten, Gobi eine Ausreise zu ermöglichen, gab es zahlreiche wunderbare Menschen, die ihr Möglichstes taten, um dem Mensch-Hund-Team zu helfen. Ich spoilere wohl nicht, wenn ich sage, dass es ein Happy End geben wird.

Die Geschichte ist unglaublich spannend (ich habe das Buch an einem Nachmittag ausgelesen) und berührend. Ich habe außerdem sehr viel über die Härten der Ultra-Marathons erfahren und den Teamgeist, die Ethik und Kameradschaft, die einem solchen Rennen auch zugrunde liegen (nicht immer). Das allein wäre schon genug Stoff für ein Buch. Die mentale Einstellung und das Durchhaltevermögen dieser Extrem-Athleten sind unbeschreiblich.

Warum tun sich Menschen so etwas an? Der Autor beschreibt seine Motivation dahinter: Er liebt das Laufen nicht, aber liebt den Wettbewerb, und er will das Trauma seiner Jugend überwinden.
Und warum macht Gobi mit? Er liebt Dion und will bei ihm sein. Mehr braucht es nicht für einen Hund – nur bedingungslose Liebe.
Und so ist „Mit Gobi durch die Wüste“ auch eine Liebesgeschichte über die Liebe einer Frau zu ihrem Mann, einem Mann zu seinem Hund, und über viele Menschen verschiedener Kulturen, die alle zusammenhalten für eine gute Sache.

In einer Welt, in der es täglich so viele schlechte Nachrichten gibt, müssen wir uns an die Güte und Freundlichkeit der Menschen erinnern und daran, dass Wunder geschehen können, wenn alle gemeinsam helfen, einen tapferen, sandfarbenen, kleinen Hund zu retten.
Dion Leonard zeigt uns, dass die besten Geschichten immer noch das Leben schreibt. Das Erlebnis mit Gobi und die Suche nach ihr veränderte sein Leben. Geschichten wie diese bringen uns den Glauben an die Menschheit zurück.

Natürlich schreit eine solche Story nach einem Hollywood-Film. Twentieth Century Fox hat sich die Rechte geholt. Der Film „Finding Gobi“ soll bald in den Kinos erscheinen.

Wer Bilder vom Autor und von Gobi sehen möchte, findet sie auf der Seite der Crowdfunding-Kampagne.

Und hier ist Gobis Webseite.
Mal ehrlich: Wer würde sich nicht in diesen Hund verlieben?

Mehr über Gobi und Herrchen auf YouTube (Taschentücher nicht vergessen!)