Rezension: Lob der Erde

Erde

Lob der Erde
Eine Reise in den Garten
Byung-Chul Han
Ullstein, 2018
160 Seiten
ISBN 978-3550050381
24,00 €

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Inhalt
Der international renommierte Philosoph Byung-Chul Han widmet sich der Schönheit der Erde und der Natur. Ein ungewöhnliches Buch über die Arbeit im Garten, über Jahreszeiten und die Romantik, über ein verändertes Zeitgefühl, Kants „Kritik der reinen Vernunft“ und Schuberts „Winterreise“.
Eines Tages fasst Byung-Chul Han den Entschluss, sich täglich der Gartenarbeit zu widmen. Drei Frühlinge, Sommer, Herbste und Winter tut er dies. Seinen Berliner Garten nennt er Bi-Won (koreanisch: Geheimer Garten). Je länger er dort verweilt, desto mehr Respekt bekommt er vor der Schönheit der Erde. Er erfährt, was Fürsorge bedeutet und dass der Garten, ja jede Pflanze ein eigenes Zeitbewusstsein hat. Er lernt wieder, über die Erde zu staunen, über ihre Fremdheit, über ihre Einmaligkeit. Hans Philosophie des Gartens ist ein Liebesbekenntnis an die Erde und die Natur und ein Aufruf an die Menschheit, sie zu schonen.

Rezension
Ich gestehe, ich kenne den Autor nicht und hatte eine Art literarisches Gartenhandbuch erwartet, nicht ein Buch mit philosophischen Zitaten, Gebeten, Gedichten, Liedern, Hymnen und Lobgesängen an die Erde. Das Buch zu lesen – oder besser gesagt durchzuarbeiten – erinnert mich ein wenig an die Mühen echter Gartenarbeit. Man muss in die Tiefe graben, sorgfältig, nachfragen, still sein, anhalten, durchatmen, nachfragen und immer wieder tiefer graben.

Der „normale“ Mensch – sprich: Nicht-Philosoph – wird wenig damit anfangen können. Oder er pickt sich so wie ich die Sätze heraus, die einen Sinn für ihn machen:

„Wir sollten wieder Staunen lernen über die Erde, über ihre Schönheit und Fremdheit, über ihre Einmaligkeit.“

„Im Garten erlebe ich: Die Erde ist Magie, Rätsel und Geheimnis. Wenn man sie als Ressource behandelt, die es auszubeuten gilt, hat man sie bereits zerstört.“

Der Autor liebt seinen Garten besonders im Winter. Er hat einen „Wintergarten“ angelegt, in dem es auch in der dunklen Jahreszeit blühende Blumen gibt. Das ist ungewöhnlich, aber mich reizt, es ihm nachzutun.

In „Lob der Erde“ habe ich den „Wert“ und die Schönheit vieler Blumen kennengelernt, die wir oft nicht recht beachten, wie beispielsweise die Funkien, von denen ich auch eine große Anzahl im Garten habe. Ich werde sie künftig mit anderen Augen sehen.

Ich hatte gehofft, durch das Buch auch Anregungen für den eigenen Garten zu finden. Das war nur bedingt der Fall. Im zweiten Teil des Buches (ab S. 81) finden wir das Gartentagebuch des Autors, das im Juli beginnt und auch endet. Aber auch hier gibt es keine how to-Anleitung, sondern eher philosophische Gedanken des Autors über sein Leben und die Blumen in seinem Garten.

Es ist aber auch ein Buch wider die Digitalisierung und Hektik unserer Welt, die laut Autor „auf Bildschirmgröße reduziert wird“.

Es fällt mir schwer zu sagen, wie man als „normaler“ Leser an das Buch herangehen sollte. Am besten lässt man den Text auf sich wirken, ganz ohne Erwartungen, und liest mit offenem, wachsamen Herzen. Dann wird das feingeistige, leise Büchlein seinen Zauber entfalten.

Beachtung verdienen auf jeden Fall auch die wunderschönen Zeichnungen von Isabella Gresser. Sie sind klug gewählt, denn „laute“, farbige Glanzfotos hätten den Text erdrückt.