Rezension: Lily und der Oktopus

Cover von Liliy und der Oktopus.Lily und der Oktopus
Steven Rowley
Goldmann, 2017
352 Seiten
ISBN 978-3442314331
18,00 €

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Inhalt
Lily lebt seit zwölf Jahren in Los Angeles. An der Seite des Drehbuchautors Ted hat sie eine großartige Zeit verbracht. Viele Abenteuer haben die beiden gemeinsam bestanden, so manche Herausforderung gemeistert, und nichts konnte sie je voneinander trennen. Lily ist eine Dackeldame, und sie ist die witzigste und charmanteste Begleiterin, die es für Ted nur geben kann. Doch dann wird Lily schwer krank – und auch wenn Ted weiß, dass er kaum eine Chance hat, zieht er in den Kampf gegen seinen ärgsten Feind: den Tod, der sie bedroht. Ted und Lily begeben sich auf ihre letzte große gemeinsame Reise – und Ted begreift, dass die Liebe uns mitunter allen Mut abverlangt, den wir haben …

Rezension
Ich gestehe: Ich rätsele immer noch über dieses Buch und kann es nicht wirklich einsortieren. Wer wie ich davon ausgeht, dass es sich um eine emotionale Geschichte über die Liebe eines Mannes zu seinem Hund handelt, der wird enttäuscht. Vielmehr geht es überwiegend um die misslungen Beziehungen eines Drehbuchautors (mit Drogen- und Alkoholproblemen) mit anderen Männern – und um einen Tumor mit Namen „Oktopus“.
Eine Geschichte „Mann kämpft gegen die Krankheit seines Hundes“ hätte interessant werden können.
Ted hat die Dackeldame Lily schon als Welpen bekommen und liebt sie über alles. Er projiziert in sie eine Persönlichkeit und führt intensive „Gespräche“ mit ihr. Die beiden spielen Monopoly und sprechen über Männer. Lilys Antworten bestehen in der Regel aus Sätzen, in denen einzelne Wörter in Großbuchstaben mit Ausrufezeichen hintereinander gereiht werden, was nur als besonderes Stilmittel erklärt werden kann. Leider liest es sich dadurch schwierig und reißt den Leser aus dem Fluss. Es wäre einfacher gewesen, wenn der Hund „normal geredet“ hätte. Darüber hinaus sind die „Dialoge“ der beiden nicht besonders fesselnd.

Mich haben weder die sexuellen Beziehungen Teds zu anderen Männern interessiert noch die vielen Vergleiche mit Kinofilmen, die ich nicht gesehen habe. Der Autor schreibt Drehbücher; aus seiner Sicht sind die Vergleiche erklärbar, erschließen sich jedoch nicht unbedingt jedem Leser.

Als er sich von seinem Partner trennt und bald danach einen Tumor auf Lilys Kopf bemerkt, bricht seine Welt zusammen. Soweit so schlecht. Wir Hundebesitzer können dies nachempfinden. Wegen seiner Form nennt Ted dem Tumor „Oktopus“ und gibt ihm eine eigenständige Persönlichkeit, mit der er bald darauf auch spricht.
In einem sehr verwirrenden und für mich nicht verständlichen Kapitel auf hoher See „kämpft“ er gegen den Oktopus und besiegt ihn, was sich jedoch als Traum entpuppt. Ich verstehe die Symbolik dahinter, kann jedoch die Geschichte nicht nachvollziehen. Es ist in dem Buch teilweise schwierig, Fantasie und Realität zu trennen.

Dennoch – auch wenn sich das Buch mir in vielen Teilen nicht erschließt, bedeutet es nicht, dass es nicht gut ist. Besonders fesselnd finde ich es immer, wenn der Autor über seine Emotionen zu Lily und über seine rohe Angst vor dem Tumor und den möglichen Tod seines Hundes schreibt. Darum habe ich letztendlich über die meisten Kapitel hinweggeblättert und immer wieder dort weitergelesen, wo es um die Beziehung von Ted und Lily geht. Dann hatte er mich wieder.

Die Beschreibung der Liebe zu seinem Hund kann wohl jeder von uns nachempfinden, der Tierbesitzer ist. Teds Emotionen sind rein, unverfälscht und teilweise von solcher Brutalität und Trauer, dass sie mir als mitfühlendem Leser fast körperliche Schmerzen bereitet haben. Besonders auf den letzten 50 Seiten musste ich zum Taschentuch greifen, weil es viele Erinnerungen zurückgebracht hat. Aber bis dahin werden vielleicht schon einige Leser ausgestiegen sein. Leider reichen mir 50 fesselnde von 350 unverständlichen Seiten nicht, um diesem Buch die volle Punktzahl zu geben.

Meine Empfehlung zu „Lily und der Oktopus“: Lesen Sie das Buch und bilden Sie sich ein eigenes Urteil.