Rezension: Leg dich nicht mit Krähen an

Leg dich nicht mit Krähen an!
Wie Mensch und Tier zusammenleben koennen
Jörg Zittlau
Aufbau Taschenbuch, 2017
256 Seiten
ISBN 978-3746632933
9,99 €

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Inhalt
Das Artensterben läuft, doch viele Tiere haben Strategien zum Überleben entdeckt. Ob etwa Quallen, die Atomkraftwerke lahm legen; Krähen, die Fensterdichtungen heraushacken; Elefanten, die sich in Gangsterbanden organisieren; oder Straßenhunde, die mit der U-Bahn zu ihrer Arbeit als Wegelagerer fahren – die Tierwelt schlägt zurück, und manche Menschen fühlen sich bedroht. Doch der renommierte Biologe und Journalist Jörg Zittlau zeigt anhand vieler Beispiele auf, wie ein Miteinander von Mensch und Tier gelingen kann.

Rezension
Sachbücher sind schon lange nicht mehr trockene Lektüre. Immer mehr Themen zu allen wissenschaftlichen Bereichen werden unterhaltend aufbereitet und machen es leicht, sich zu informieren. Besonders bei den Naturbüchern wurden wir in letzter Zeit umfassend aufgeklärt, was das geheime Netzwerk, das Seelenleben oder die Weisheit von Tieren angeht. Man könnte meinen, es sei schon alles gesagt. Vielleicht ist es das auch – aber längst nicht so unterhaltend wie bei „Leg dich nicht mit Krähen an“.

In seinem Buch geht es um das Zusammenleben von Mensch und Tier. Denn wir entkommen ihnen nicht mehr – den Waschbären, Ameisen, Krähen oder Ratten. Sie sind uns längst überlegen. Jetzt müssen wir zusehen, wie wir mit ihnen leben können. Und da haben wir ziemlich schlechte Karten.

Das Buch muss man nicht in einem Rutsch durchlesen – obwohl es dafür spannend genug geschrieben ist. Es eignet sich aber auch wunderbar, um einzelne Kapitel zu lesen. So hatte ich es bei einigen Lesereisen im Zug mit dabei. Ich möchte hier nur zwei Kapitel erwähnen, die mich besonders beeindruckt haben:

1) Die Moskauer Straßenhunde. Diese klugen Kaniden haben mich schon immer fasziniert. In den ersten drei Unterkapiteln von „Der Aufstand der Freigelassenen“ erzählt der Autor ihre Geschichte und auch die Probleme, die die Bevölkerung mit den Hunden hat.

2) Im fünften Kapitel „Ratatouille aus dem Kanal“ geht es um Ratten, eine der intelligentesten Tierarten. In einer Szene, beschreibt Zittau die Klugheit der Nager (S. 137): In einem Geflügelmarkt verschwanden immer wieder Eier, ein Schuldiger wurde nicht gefunden. Dann die Aufklärung: Ein Rattentrupp schlich zielstrebig nachts zu den Eiern und teilte sich zu Paaren auf, deren Mitglieder sich die Arbeit teilten. Einer von ihnen schnappte sich mit allen vier Pfoten ein Ei und legte sich damit auf den Rücken. Sein Gefährte zog ihn am Schwanz zu einem Loch, wo schließlich beide verschwanden – inklusive intaktem Hühnerei. Ist das nicht unglaublich?

Für mich, die ich über Wölfe aufkläre, ist Kapitel 9 wichtig: „Partner statt Untertan: Wie Mensch und Tier zusammenleben können.“ Zittlau gibt nicht nur einen umfassenden Überblick, sondern macht auch konkrete Vorschläge. Wie bekämpfen wir Einwanderer – wenn überhaupt? Wie gehen wir mit Problemen um? Und er plädiert für einen entspannten Umgang mit den „großen Arten“ (Wölfe, Bären, Marder, Haie, Tiger etc.). Man müsse die Konflikte zwar im Auge behalten, sie spielten jedoch im Verhältnis zu Gefahren die von sehr viel kleineren und anpassungsfähigeren Tieren ausgehen, nur eine Nebenrolle. Beispiel Bruno, der Bär aus Bayern, der als ach so große Gefahr für Menschen erschossen wurde, unterdessen knapp 1,4 Millionen Menschen an einer Infektion erkrankten (und vermutlich knapp 3.000 an den Spätfolgen starben), die durch Stechmücken übertragen wird.

Ich würde mir wünschen, dass wir unser Zusammenleben mit den Tieren und unser Verhältnis zu ihnen in die richtige Perspektive rücken, wie es der Autor vormacht.

Zittlau ist ein vielseitiger Mensch. Er ist Philosoph, Biologe und Musiker. Zu Studienzeiten hat er eine satirische Zeitschrift herausgegeben. Dieses gewisse „Augenzwinkern“ findet man auch heute noch in seinen vergnüglichen Texten. „Leg dich nicht mit Krähen an“ ist ein unterhaltendes und sehr empfehlenswertes Buch für jeden Tierfreund.