Rezension: Hund – Nase – Mensch

NaseHund – Nase – Mensch
Wie der Geruchssinn unser Leben beeinflusst
Alexandra Horowitz
Kynos, 2017
344 Seiten
ISBN 978-3954641529
19,95 €

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Inhalt
Hunde definieren die Welt zu einem großen Teil über die Nase – eine Fähigkeit, die auch wir Menschen einst hatten, aber mangels Übung fast verlernt haben. Neugierig auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage, wie es denn wohl sein mag, ein Hund zu sein, stößt die Autorin folglich immer wieder auf den Geruchssinn, erkundet ihn bis ins Detail und versucht, auch selbst ein bisschen Nasentier zu sein: Wie riechen die unterschiedlichen Straßen New Yorks? Wie trainieren Parfumeure oder Sommeliers ihre Nasen? Was können wir von Hunden lernen, und wie können wir uns ihre spektakulären Riechleistungen zunutze machen?
Das unterhaltsamste Buch, das je über die Nasen von Hund und Mensch geschrieben wurde!

Rezension
Ein kalter Morgen, der Hund muss raus. Aber statt sein Geschäft zu machen, schnuppert er lange und intensiv. Dann fängt es zu regnen an und ich habe keinen Schirm dabei. Nass und ungeduldig ziehe ich Shira weiter.
Kennen Sie das auch? Wenn Sie das Buch von Alexandra Horowitz gelesen haben, werde Sie die Morgenlektüre Ihres Hundes aus einer anderen Sicht betrachten.

Wir Hundehalter messen der Geruchswelt unserer Vierbeiner viel zu wenig Bedeutung bei, ja sie interessiert uns meist gar nicht. In „Hund – Nase – Mensch“ erklärt die Autorin wie Hunde die Welt erfassen bzw. erriechen und was wir Menschen über diese Welt lernen können.
Gerüche sind überall um uns herum. Frische Brötchen, Parfüm, Wein, wir nehmen sie wahr und speisen damit unsere Erinnerungen – an Heimat oder unsere erste Liebe. Hunde sind uns darin weit überlegen. So können sie die Vergangenheit riechen (wer ist hier vor wie langer Zeit entlang gelaufen?) Und die Zukunft (ein Sturm kommt auf). Aber wir erfahren noch mehr spannende Informationen:
Hunde haben 200 Millionen bis zu einer Milliarde Geruchszellen und während wir in Bildern träumen, tut Bello dies in Gerüchen (achten Sie darauf, wie seine Nase zuckt). Nachdem sie ihr großes Geschäft erledigt haben, scharren Hunde auf der Erde; die Drüsen an den Pfoten teilen ihre Anwesenheit mit. Der wedelnde Schwanz über der Analdrüse hat denselben Grund. Hunde markieren selten über ihren eigenen Urin. Rüden riechen zuerst am Schwanzende, während Hündinnen am liebsten mit dem Gesicht beginnen.

Die Autorin geht auch selbst auf Spurensuche. Sie nimmt uns mit ins Working Dog Center an der Universität von Pennsylvania, wo die Fähigkeiten von Spurensuchhunden (Sprengstoff, Kadaver und Drogen) trainiert werden, und wir folgen ihr in den Nordwesten zu einem Tag mit Trüffelhunden. In einer Hundeschule auf Long Island beteiligt sie sich mit ihrem Hund an Nasenspielen und freut sich über Finnigans Begeisterung.

Auch wenn es im Buch überwiegend um den Geruchssinn von Hunden geht, erfahren wir viel über den Geruch allgemein. Wir lernen die Arbeit der „Nasen“ kennen: professionelle Parfümiere und Weinverkoster. Ja, auch eine menschliche Nase kann auf Gerüche trainiert werden. Auf der anderen Seite geben wir Menschen selbst natürlich jede Menge Duftstoffe ab. Jeder von uns riecht einzigartig auf dieser Welt.

Horowitz trainiert ihren eigenen Geruchssinn und bringt dabei das maximale Opfer: In der Großstadt von New York geht sie selbst auf die Knie, um aus der Perspektive eines Hundes die Welt zu erschnuppern. Selbstverständlich entdeckt sie nicht alle Gerüche, die ein spezialisierter Hund finden würde, aber sie lernte, achtsam zu sein auf den Duft der Stadt. Ihr Anliegen: Sie will nicht nur besser verstehen, was sie verpasst, sondern auch verstehen, wie die Nase dem Hund besser hilft, in seiner eigenen Welt zurechtzukommen.
Es scheint, als ob für die meisten von uns das Riechen nicht etwas ist, das wir oft üben. Erst wenn wir aus irgendeinem Grund unseren Geruchssinn verlieren, müssen wir feststellen, dass uns damit auch der Geschmack abhanden geht.

Ich würde mir wünschen, dass möglichst viele Hundebesitzer dieses Buch lesen (auch wenn es nicht immer leichte Lektüre ist). Es hilft, unsere Hunde und ihre fantastische Welt besser zu verstehen. Als meine Hündin sich heute Morgen wieder einmal sehr viel Zeit bei der Morgenrunde ließ und alles ausgiebig beschnüffelte, habe ich mich in Geduld geübt und ihr diesen Moment in einem Universum gegönnt, das ich leider niemals voll erfassen werde.

Wer noch intensiver in die Arbeit der Nasenhunde einsteigen möchte, dem empfehle ich folgende Bücher:

„Die Welt der Gerüche“

„Der Geruch des Todes“