Rezension: Hörst du, wie die Bäume sprechen?

Hörst du, wie die Bäume sprechen?
Eine kleine Entdeckungsreise durch den Wald
(Kinderbuch ab 6 Jahre)
Peter Wohlleben
Oetinger, 2017
128 Seiten
ISBN 978-3789108228
16,99 €

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Inhalt

Den Wald erleben, staunen und Spaß haben mit Peter Wohlleben! Haben Bäume eine eigene Sprache? Müssen Baumkinder in die Schule gehen? Warum haben Waldtiere Angst vor Menschen? Peter Wohlleben beantwortet Fragen, die ungewöhnlich, originell und oft sehr lustig sind. Seine leicht verständlichen und fast immer überraschenden Antworten lassen Kinder das Leben im Wald mit ganz anderen Augen sehen. Der begnadete Erzähler schöpft dabei aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung als Förster und Naturschützer und stützt sich darüber hinaus auf neueste wissenschaftliche Erkenntnisse.
Ein Plädoyer für mehr Achtsamkeit, Naturschutz und Nachhaltigkeit von Bestsellerautor Peter Wohlleben, bekannt aus Funk, TV und Printmedien.

Rezension
Nun flüstert Deutschlands bekanntester Förster und Bestsellerautor nicht nur mit Bäumen, sondern auch mit Kindern. Und wie immer, macht er das großartig. In einfacher, verständlicher Sprache (Wie machen Bäume Babys? Gehen auch Tiere zur Schule?) erklärt er die Welt des Waldes und der Tiere, die darin leben. Wohlleben schreibt so humorvoll, spannend und interessant, dass ich das Buch auch den Eltern, Großeltern, Onkeln, Tanten und allen interessierten Erwachsenen empfehlen möchte. Ein wunderschöner Einband, tolle Fotos und bunte Grafiken von Stefanie Reich und Dagmar Herrmann machen „Hörst du wie die Bäume sprechen?“ auch optisch und haptisch zu einer Augenweide. Kinder finden außerdem in jedem Kapitel ein Quiz und kleine Experimente zum Ausprobieren, und die Kästen mit „Wald-Info“ oder „Schau mal“ ersetzen – fast – eine persönliche Führung des Autors durch den Wald.
Ich wünsche mir für den Autor – und vor allem für die Kinder – dass dieses Buch im Schulunterricht Pflichtlektüre wird.
Auch ja – natürlich gibt es auch was für uns Wolfsfreunde: ein Kapitel „Sind Wölfe gefährlich?“ Aber mehr verrate ich nicht. Dazu müssen Sie das Buch schon selbst kaufen. Es lohnt sich!

Schauen Sie sich auch den Buchtrailer auf YouTube an:

„Der Wald ist ein emotionales Wunder“
Interview mit Peter Wohlleben – geführt vom Oetinger Verlag

Mit „Hörst du, wie die Bäume sprechen“ veröffentlichen Sie Ihr erstes Kinderbuch. Sind Sie auch schon als Kind ‚auf den Wald gekommen‘?
Ich wollte schon als kleines Kind Naturschützer werden, denn mich hat die Natur immer fasziniert. Ich hatte zuhause Spinnen in Gläsern und habe meine ganze Freizeit draußen in der Natur verbracht. Was es allerdings damals nicht gab, waren schöne Kinderbücher, die mich da noch näher hätten heranführen können. So habe ich dann 40, 50 Jahre gebraucht, um das alles zu durchdringen.

Das ist jetzt anders. Mit dem Buch ermöglichen Sie Kindern den frühen Zugang zum Wald. Was können Ihre Leser erwarten?
Das Buch ist eine schriftliche Waldführung für Kinder, das sie in die Geheimnisse des Waldes einführt, ihnen tolle Erlebnisse zusammen mit den Bäumen und den Tieren ermöglicht, und vor allem auch zum Mitmachen animieren soll. Vielleicht sogar – und das ist meine ganz große Hoffnung – schafft es das Buch, die ganze Familie mitzureißen, zu begeistern, um einfach mehr Zeit draußen im Wald zu verbringen. Mir ist ganz wichtig, dass die Kinder das Buch auch irgendwann zur Seite legen und die Sachen auch einmal draußen ausprobieren.

Sie bieten Führungen an, in denen Sie Besuchern die Geheimnisse des Waldes näherbringen. Was genau interessiert Kinder am Wald?
Kinder haben ganz viele Fragen. Bei meinen Führungen wurde ich gelöchert ohne Ende, was mich dazu motiviert hat, mich noch viel stärker mit diesen kinderbezogenen Themen auseinanderzusetzen. All diese Fragen sind in das Buch eingeflossen und werden dort natürlich auch beantwortet. Ein schönes Beispiel ist „Wem gehört der Wald?“ Im ersten Moment beantworten sie sich die Frage selber und sagen „Dir“, also mir als Förster. Das löse ich dann auf, indem ich sage, dass der Wald niemandem alleine gehört, sondern natürlich unter anderem auch den Kindern. Und in dem Buch erfahren sie dann auch, wie sie sich um ihren Wald kümmern können.

Sind Kinder empfänglicher für die Geheimnisse des Waldes als Erwachsene?
Kinder gehen anders durch den Wald als Erwachsene, weil Kinder nicht von A nach B laufen, um zu einer bestimmten Uhrzeit im Restaurant XY zu sein. Im Gegenteil bleiben sie andauernd stehen, was Erwachsene manchmal ganz schön nerven kann.
Ich finde das aber wunderbar. So finden sie andauernd irgendwas scheinbar Unscheinbares, was aber in Wirklichkeit faszinierend ist, weil es so klein ist, dass es immer übersehen wird. Dazu gehört beispielweise das Wood Wide Web, das Internet des Waldes. Das sind feine weiße Pilzfäden, die überall im Boden sind und die Bäume mit Informationen versorgen. Diese übersieht der Erwachsene, wenn er einfach nur vorbeiwandert.

Was möchten Sie Ihren Lesern, klein und groß, über den Wald erzählen?
Für die meisten Menschen ist Wald heute einfach eine grüne Kulisse. Das heißt, man geht dort spazieren, man bewundert die Bäume, weil sie einfach groß sind – mehr aber nicht. Wald ist kein Warenlager aus Holz oder aus Lebewesen, die für uns Sauerstoff produzieren. Nein – Wald ist eine große Sozialgemeinschaft. Da gibt es wirkliche Baumfamilien, mit Baum-Eltern, die sich um ihre Kinder kümmern, und Bäume, die sich gegenseitig unterstützen, wenn mal einer krank wird. Und nicht nur das: Auch mit den Tieren werden faszinierende Lebensgemeinschaften geschlossen.
Das alles sind tolle emotionale Dinge, die über den Wald kaum bekannt sind und die sich sehr gut eignen, um Kindern Themen nahezubringen. Ich glaube, sie bekommen gerade über die emotionale Seite einen ganz tollen Zugang zum Wald. Denn im Grunde ist Wald genau das: ein emotionales Wunder.

Wie können wir uns dieses Familiendasein im Wald vorstellen?
Mutterbäume zum Beispiel versorgen ihre Kinder, das heißt, sie können ihre eigenen Sämlinge aktiv mit den Wurzeln im Boden ertasten. Sie verbinden sich mit ihnen, versorgen sie und stillen sie regelrecht über die Wurzeln mit Zuckerlösung.
Das entspricht dem aktuellen Stand der Wissenschaft und ist gleichzeitig eine schöne Parallele zur menschlichen Familie. Im Wald gibt es ganze Lebensgemeinschaften, so ähnlich wie in der Serengeti, nur, dass sie im Wald in eine Kinderhand passen.

Was können Kinder durch das Buch lernen?
Ich möchte Kinder dazu animieren, Wald anders zu entdecken. Zum Beispiel, indem man einfach nur reinbeißt. Warum denn nicht? Nehmen wir Blätter: Ein Buchenblatt schmeckt anders als Fichtennadeln. Die Kinder lernen so auch, warum zum Beispiel Rehe nicht so gerne in Fichtennadeln reinbeißen – weil sie eben stechen. Aber keine Sorge, im Gegenzug sind sie gesund, enthalten viel Vitamin C und man kann sie bedenkenlos essen.
Ich versuche, die Kinder anzuleiten, alle Sinne einzusetzen und nicht nur die Augen. So wird der Wald ganz anders erlebbar, nämlich über Geschmack oder Geruch. Die Nase verrät beispielsweise viel über die Baumkommunikation. Wenn Fichten in Stress geraten, dann riecht es fast wie im Spanien-Urlaub, etwas würzig-aromatisch, aber in Wirklichkeit teilen sie sich so untereinander mit, dass sie Durst haben.

Welche Rolle spielt das Thema Umweltschutz und Waldsterben?
Das Buch ist kein subtiler Versuch, die Kinder zu besseren Umweltmenschen zu erziehen. Ganz im Gegenteil geht es mir darum, dass sie einfach Spaß mit dem Wald haben. Und dass sie eine gewisse Liebe zum Wald entwickeln, weil es ein wunderbarer Lebensraum ist. Der Rest ergibt sich dann automatisch: Denn wer den Wald liebt, der geht anschließend auch anders mit ihm um. Das ist genau mein Ziel: Einfach mehr Freude mit den Bäumen zu haben. Denn Bäume sind nichts anderes als Elefanten im Pflanzenreich, doch sie sind bisher – und das, obwohl sie so groß sind – irgendwie übersehen worden.

Was macht das Buch aus? Was ist das Besondere – gerade für die Zielgruppe?
Das Besondere an diesem Buch ist, dass es keine gewöhnliche Waldführung ist in dem Sinne: Das ist eine Buche, das ist ein Eiche – und die Blätter sehen so oder so aus. Es ist ein Buch, bei dem Kinder mitmachen können. Das heißt, es gibt Elemente, wo die Kinder experimentieren und ausprobieren oder wo sie einfach gemeinsam mit den Eltern staunen können. Das Buch erzählt spannende Geschichten, die sich fast anhören wie aus „Avatar“ oder „Herr der Ringe“, aber wahr sind – und das ist das Schöne daran.