Rezension: Falke – Biographie eines Räubers

Cover Falke Falke
Biographie eines Räubers
Helen Macdonald
C.H.Beck, 2017
240 Seiten
ISBN 978-3406705748
19,95 €

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Inhalt
Falken sind die schnellsten Tiere der Erde. Sie sind von einer erregenden Schönheit und strahlen eine natürliche, gefährliche Erhabenheit aus. Helen Macdonald, Autorin des preisgekrönten Bestsellers „H wie Habicht“, erkundet in ihrem brillant geschriebenen Buch die ganze Welt dieser Räuber, die die Menschheit seit Tausenden von Jahren magisch angezogen haben. …

Rezension
Helen Macdonald ist Schriftstellerin, Naturforscherin, Historikerin und Illustratorin. Sie forscht am Institut für Geschichte und Philosophie der Naturwissenschaften an der Universität von Cambridge. Zuvor hat sie u. a. als professionelle Falknerin gearbeitet und für arabische Königshäuser Jagdfalken gezüchtet. Für ihren internationalen Bestseller „H wie Habicht“ erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen.

„Falke“ ist kein Sachbuch im herkömmlichen Sinn sondern ein Gesamtwerk. Wir lernen die Biologie, Geschichte, Mystik und das Verhalten von Falken kennen und erfahren dabei auch sehr viel über die menschliche Zivilisation.
Das Buch enthält neben sehr schönen historischen Grafiken von Falken und einer Zeittafel am Ende auch Fotos. Mich hat besonders das Foto von einem Fallschirmspringer und einem Wanderfalken (Seite 16) fasziniert, die beide nur eine Armlänge voneinander entfernt in die Tiefe stürzen. Wie armselig scheint der Mensch angesichts der Eleganz des Greifvogels.

Falken wurden als Götter verehrt und zur Jagd abgerichtet, von Dichtern besungen und zur Spionage eingesetzt, sie dienten als erotische Symbole und wurden für militärische Zwecke ausgenutzt. Es gibt kaum einen Bereich dieser Welt, in dem die Greifvögel nicht eingesetzt wurden. In „Falke“ lernen wir sehr viel Wissenswertes über diesen außergewöhnlichen Flugkünstler.
Wussten Sie, dass sich deren Welt zehn Mal schneller bewegt als die unsere? Oder dass ein Turmfalke ein zwei Millimeter großes Insekt auf eine Entfernung von 18 Metern erkennen kann? Wenig bekannt ist auch, dass erwachsene Falken tote oder verletzte Beutetiere aus der Höhe hinunterfallen lassen, damit die jungen Falken so die Jagd lernen.

In einem Kapitel des Buches geht es um das Abrichten von Falken, das die Menschen seit Jahrtausenden fasziniert, wobei gleichzeitig die Debatte um die Jagd mit Falken polarisiert. Für die Autorin ist die Falknerei „kein Sport, sondern eine Krankheit“. Und auch hier hat die Technik Einzug gehalten. Statt Glöckchen am Fuß gibt es nun Funkempfänger, die genau anzeigen, wo sich der Vogel befindet.

In unserer heutigen Welt wundert es nicht, dass auch der Falke eine bedrohte Tierart ist. Er wird verfolgt, weil er Hatz auf jagdbare Tiere macht. Seine Eier werden aus den Nestern eingesammelt und teuer verkauft. Aber auch der Einsatz von Pestiziden führt zu einem Rückgang der Population. Einige Falkenarten wurden Mitte des 20. Jahrhunderts dadurch fast vollständig ausgelöscht.

Auch im Militär und in der Raumfahrt wird versucht, die unglaublichen Fähigkeiten der Greifvögel zum eigenen Nutzen zu erforschen, beispielsweise für die Fragen, warum ein Falke nicht ohnmächtig wird, wenn er mit einer Geschwindigkeit von mehrfachem G in die Tiefe stürzt.

Im Vergleich zu „H wie Habicht“ ist meines Erachtens das Buch „Falke“ leichter zu lesen, weil ihm die düstere Schwere und Trauer fehlt, die sich durch das Habicht-Buch gezogen hat. Diese Leichtigkeit tut dem Buch sehr gut.
Ich wünsche diesem wunderbaren Buch viele Leser.

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