Rezension: Die Pipestone-Wölfe

Pipestone

Die Pipestone-Wölfe
Aufstieg und Fall zweier kanadischer Wolfsfamilien
Günther Bloch und John E. Marriott
Franckh Kosmos Verlag, 2017
232 Seiten
ISBN 978-3440153130
30,00 €

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Inhalt
Mit Winterbeginn 2008/2009 beobachtet Günther Bloch vom ersten Tag an zwei Wolfsfamilien auf Schritt und Tritt. Dank seiner langen Erfahrung und mit unglaublichem Zeitaufwand gelingen ihm und Naturfotograf John E. Marriott im Laufe von sechs Jahren einmalige Einblicke in den Familienalltag und Überlebensstrategien von Wölfen, die inmitten menschlicher Aktivitäten heimisch sind. In ihrem großartigen Bildband erzählen sie außergewöhnliche Tiergeschichten und präsentieren einzigartige Erkenntnisse zur Verhaltensforschung wilder Wölfe.

Rezension
Im Buch „Die Pipestone-Wölfe“ geht es um eine Wolfsfamilie aus dem kanadischen Banff-Nationalpark, die am Bow Valley Parkway lebt.

Der Leser findet sich in verschiedenen Perspektiven wider: Zum einen in einer wissenschaftlichen Zusammenfassung aus mehr als 20.000 Stunden Freilandforschung im typischen „Blochschen“ Stil, inklusive zahlreicher Grafiken. Zum anderen bestechen die zahlreichen grandiosen Fotos des Wildtierfotografen John E. Marriott mit ihrer atemberaubenden Schönheit. Aber das Buch ist auch eine leidenschaftliche Anklage – gegen die Menschen im Allgemeinen und die Nationalpark-Verwaltung Parks Canada im Besonderen. Die Autoren zeigen uns die zerstörerischen Konsequenzen von menschlicher Gleichgültigkeit und Ignoranz.
Bloch und Marriott dokumentieren den tragischen Aufstieg und Fall der Pipestone-Wölfe – von deren ersten Sichtung 2008 bis zur Auflösung des Rudels acht Jahre später.

Wie man schon aus dem Untertitel erkennen kann, ist es keine glückliche Geschichte. Es ist die besondere Charaktereigenschaft des Autors, dass er sich nicht vor der Realität scheut und die Dinge beim Namen nennt. So beschreibt er das tragische Ableben eines jeden Wolfes mit Herzblut – der Leser fühlt den Schmerz des Autors, aber auch die nur mühsam zurückgehaltene Wut auf die Umstände, unter denen die Tiere in Banff leben müssen: Jagd, Verkehr und übereifrige Touristen sind nach Auffassung des Autors Schuld für den Untergang der Wölfe. Seine schärfste Kritik jedoch wendet sich gegen Parks Canada. Die Nationalpark-Verwaltung habe ausschließlich das Interesse von Touristen im Sinn und handele nach längst überholten Ideen von Wildtier-Management.

Das Buch endet mit einer prophetischen Warnung: Das neue Rudel Wölfe (die „Townies“), das das Territorium der Pipestones übernahm, werde dasselbe Schicksal ereilen. Kurz danach wurden zwei Wölfe dieses Rudels von Parks Canada erschossen, weil sie an menschliche Abfälle gewöhnt worden waren, und vier Welpen wurden von Zügen überfahren.

Mit seinen faszinierenden Bildern von John Marriott und den persönlichen Geschichten von Günther Bloch ist das Buch eine Freude für jeden Wolfsfreund.