Rezension: Der Atem der Vögel

Cover Der Atem der VögelDer Atem der Vögel
Klaus Böldl
S. FISCHER, 2017
144 Seiten
ISBN 978-3103972702
18,00 €

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Inhalt
Seit zwei Jahren lebt Philipp auf den Färoer Inseln nördlich von Schottland. Er, ein Deutscher Mitte dreißig, ist ein Einzelgänger, seine Tage verbringt er mit ausgedehnten Spaziergängen durch die raue Natur. Von seiner Lebensgefährtin Johanna, einer Krankenhausärztin, entfremdet er sich immer mehr, mit ihrer kleinen Tochter Rannvá hingegen verbindet ihn ein stilles Einvernehmen.
Als Johanna und Rannvá auf eine Reise gehen, macht sich auch Philipp auf den Weg. Er beginnt eine Wanderung über die Inseln, die ihn immer tiefer in die Natur führt. Wird er erst im Weggehen zu sich kommen? Wird er erst im Verschwinden seinen Ort finden?

Rezension
Viele Menschen sehnen sich nach Natur und Einsamkeit, und viele Bücher sind über diese Sinnsuche geschrieben worden. „Der Atem der Vögel“ ist von allen, die ich dazu gelesen habe, bisher das poetischste. Im Grunde geschieht nicht viel. Die Handlung plätschert dahin wie das Leben auf den kargen Färoer-Inseln. Die einzige Aufregung ist der Fund des Leichnams einer Frau. Aber auch daraus wird kein Krimi.
Das Leben des Ich-Erzählers und seine Familienverhältnisse haben sich mir erst langsam erschlossen. Das Verhältnis zu seiner Lebensgefährtin scheint distanziert, dafür versteht er sich umso besser mit Rannvá, ihrer Tochter, ist quasi Vaterersatz. Ihr zeigt er die Schönheit der Insel und sie vermag sich selbst über den kleinsten Stein zu freuen.
Manchmal habe ich den Eindruck, als ob die „Handlung“ des Romans nur hinzu geschrieben wurde, um einen Plot zu kreieren. Dabei hätte es das gar nicht gebraucht. Der Autor schildert die Landschaft so detailliert und präzise, dass beim Leser großes Kopfkino entsteht. Wer sich darauf einlässt und sich vom Autor über die Inseln führen lässt, wird eine Art selbstvergessene Meditation erleben. „Der Atem der Vögel“ ist ein angenehm ruhiges, unaufgeregtes Buch.
Auf jeden Fall hat der Roman mir Lust gemacht, die Färoer-Inseln zu besuchen und ihre karge Schönheit selbst zu erleben.