Rezension: Das Mysterium der Tiere

Mysterium der Tiere

Das Mysterium der Tiere
Was sie denken, was sie fühlen
Karsten Brensing
Aufbau Verlag, 2017
384 Seiten
ISBN 978-3351036829
22,00 €

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Inhalt
Delfine rufen sich beim Namen, und Orcas leben in einer über 700 000 Jahre alten Kultur. Entenküken bestehen komplizierte Tests zum abstrakten Denken, und Schnecken drehen freiwillig Fitnessrunden im Hamsterrad. Hunde bestrafen Unehrlichkeit, doch können vergeben, wenn man sich entschuldigt. Spinnen treffen ihre Berufswahl auf Grundlage ihrer Persönlichkeit und individuelle Vorlieben.
Karsten Brensing entführt uns zu den Ursprüngen der Geistesentwicklung bei Mensch und Tier. Wer schon immer wissen wollte, was im Kopf unserer geliebten Haustiere oder in vielen anderen tierischen Köpfen vor sich geht, der findet in diesem Buch die Antworten, und jede neue animalische Begegnung wird zu einem spannenden Erlebnis.

Rezension
Karsten Brensing ist Meeresbiologe und Walforscher. Seit Jahren setzt er sich für Persönlichkeitsrechte für Tiere ein. In diesem umfangreichen Buch befasst er sich u.a. mit Fragen wie: Wo stehen die Tiere im Vergleich zu uns Menschen und was unterscheidet uns von ihnen? Nicht viel, lernen wir.

Das Buch ist gegliedert in acht Hauptteile:

  1. Was mich umhaut (Einleitung)
  2. Tierisch guter Sex
  3. Unbekannte Kulturen
  4. Gemeinschaftssinn
  5. Vom Denken
  6. Gefühlsduselei
  7. Die Krone der Schöpfung
  8. Epilog

Man merkt mit jedem Satz, dass der Autor Tiere über alles liebt – und darum teilweise auch Schuldgefühle hegt über vergangene Versuche mit Tieren, die er während seiner wissenschaftlichen Laufbahn gemacht hat. Das macht ihn menschlich.
Das Buch ist eine gelungene Mischung aus Wissenschaft und Unterhaltung. Es geht um komplexe Sozialverhalten, Kommunikation, Emotionen und Empathie, um Moral und Ethik, alles Werte, die wir früher ausschließlich Menschen zugeschrieben haben. Brensing belehrt uns eines Besseren, wobei er niemals den moralischen Zeigefinger erhebt. Vielmehr überzeugt er mit seinen Geschichten auf verständliche und humorvolle Weise von der Ähnlichkeit des Menschen mit den Tieren. Dabei legt er als Meeresbiologe zwangsläufig den Schwerpunkt seiner Untersuchungen auf das Verhalten dieser Tierarten.
Ein Augenöffner, der so manchen Leser vielleicht schockieren, aber auf jeden Fall staunen lässt, ist das erste Kapitel „Tierisch guter Sex“. Dass es Sexspielzeug und Pheromon-Partys im Tierreich gibt, zeigt uns eine völlig neue Sicht auf unsere tierischen Freunde. Wussten Sie, dass die männlichen Bienen nach der Paarung sterben, indem sie explodieren oder dass der Liebesakt von Präriewühlmäusen zwei Tage dauert? Und Gruppenvergewaltigungen bei Delfinen lassen Flipper in einem anderen Licht erscheinen.
„Das Mysterium der Tiere“ ist voller spannender Geschichten; manche romantischen Illusionen des Lesers werden durch wissenschaftliche Erklärungen in die Realität zurückgeholt.
Eines meiner Lieblingskapitel ist „Die Erfindung der Moral“ (Kap. 19), das mit dem Irrglauben aufräumt, nur der Mensch habe die Moral erfunden.
Besonders berührt hat mich auch der Epilog, in dem der Tierschützer und Vegetarier noch einmal das Schicksal von Tieren in Massentierhaltung beklagt und sich für die Persönlichkeitsrechte von Tieren ausspricht

„Das Mysterium der Tiere“ ist eine Zusammenfassung der Verhaltensforschung auf neuestem Stand, wissenschaftlich brillant und unterhaltend verpackt.
Es ist definitiv ein Buch, das man mehrmals zur Hand nimmt, um einzelne Kapitel nochmal zu lesen und tiefer in die Materie einzusteigen. Für mich ist es neben spannender Lektüre auch ein „Arbeitsbuch“. Darum ist mein Exemplar inzwischen reichlich bunt. Ich habe es zunächst überflogen um mir einen Überblick zu verschaffen – schon dabei konnte ich kaum aufhören, zu lesen. Überall dort, wo ich zu einem späteren Zeitpunkt intensiver nachlesen möchte, habe ich kleine bunte Klebezettel eingefügt und mir Notizen am Rand gemacht. Das bedeutet, dass mich „Das Mysterium der Tiere“ lange Zeit begleiten wird – u.a. auch bei meinen Recherchen.

Das Buch hat 542 Fußnoten, die zum Nachlesen und zur Erweiterung der Kenntnisse einladen. Allerdings hätte ich mir bei einem derart umfangreichen Sachbuch auch noch ein Stichwortverzeichnis gewünscht, um einmal schnell etwas nachzuschlagen.

Hier finden Sie ein sehr interessantes und lesenswertes Interview mit dem Autor

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