Rezension: Das Geheimnis der Winterschläfer

Winterschläfer

Das Geheimnis der Winterschläfer
Reisen in eine verborgene Welt
Lisa Warnecke
C.H.Beck, 2017
205 Seiten
ISBN 978-3406713286
19,95 €

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Inhalt
Der Winterschlaf ist eines der größten Rätsel der Natur. Wie schaffen die Tiere das bloß? Die Hälfte des Jahres, ja die Hälfte ihres Lebens liegen sie kalt und leblos in einem Erdloch, ohne irgendwelche Schäden davonzutragen. Wenn wir Menschen nur drei Wochen mit einem Gipsverband flachliegen, wird unsere Beinmuskulatur darunter mager und schwach.
Auf ihrer Reise in die verborgene Welt der Winterschläfer erzählt die Biologin und Forscherin Lisa Warnecke die Geschichte von vier Tieren, die sie auf vier verschiedenen Kontinenten unter oft abenteuerlichen Bedingungen durch den „Winterschlaf“ begleitet hat: ein Igel inmitten einer deutschen Großstadt, ein Lemur im tropischen Madagaskar, eine Fledermaus in der Eiswüste der kanadischen Prärie und ein kleines Beuteltier im sonnigen Australien. Ihr Buch räumt mit weit verbreiteten Irrtümern auf: Etwa dem, dass die Tiere in dieser Zeit überhaupt schlafen, dass sie die ganze Zeit regungslos daliegen oder dass Winterschläfer nur in kalten Gebieten vorkommen. Es gibt Tiere, die selbst bei lauschigen 30°C in den „Winterschlaf“ fallen. Sie sparen dabei unglaubliche 99 Prozent ihrer Energie ein. Der Winterschlaf ist ein Erfolgsrezept für die Arterhaltung.

Rezension
Die Autorin beginnt ihr Buch mit den Worten: „Sich im Herbst gemütlich zusammenrollen und erst mit dem Frühjahr wieder aufzuwachen – davon träumen viele von uns, sobald das letzte Laub von den Bäumen gefallen ist.“
Ich nicht – ich liebe den Winter und die Kälte und möchte kein Minute und kein Grad davon verpassen. Wenngleich der Gedanke, dass ich während des Winterschlafs Gewicht verlieren und Energie sparen könnte, schon sehr verlockend ist.

Dieses Buch klärt auf – über den Winterschlaf bzw. die Winterruhe oder biologisch korrekt den Torpor. Der Winterschlaf, der eigentlich keiner ist, wird bereits seit 150 Jahren erforscht, aber erst in den letzten Jahren ist neben der Laborforschung auch die Freilandforschung hinzugekommen.

Was bringt es uns überhaupt, den Torpor zu erforschen? Was haben wir davon? Nun eine ganze Menge – angefangen von der praktischen Frage, wie es kommt, warum bei uns, wenn wir uns ein Bein brechen und ein paar Wochen in Gips stecken, schon die Muskeln verkümmern, während andere nicht-menschliche Tiere sich monatelang nicht bewegen und dennoch putzmunter sind.
Von besonderer Bedeutung ist das Thema für die Raumfahrt. Wenn es möglich wäre, Astronauten in einen Winterschlaf zu versetzen, könnten sie dann einen monatelangen Flug zu einem anderen Planeten gesund überstehen?

In ihrem Buch „Das Geheimnis der Winterschläfer“ beantwortet die Autorin alle diese Fragen und bringt uns dabei die faszinierendsten Tierarten auf verschiedenen Erdteilen näher.

Und wozu das alles? Das zeigt der „Blick in die Zukunft“. Torpide Tiere können schlechte Zeiten besser aussitzen und extreme Umweltbedingungen überstehen. Noch ist ungewiss, ob die Winterschläfer die Gewinner oder Verlierer des Klimawandels sein werden. Aber für die Forschung und das Überleben der Menschheit ist es jetzt schon wichtig, Schutzstrategien zu entwickeln. Das lernen wir am Beispiel der Winterschläfer.

Lisa Warnecke gibt uns einen faszinierenden Einblick in ihren Forscheralltag. Sie tut dies auf wunderbare, unterhaltende Weise, erklärt ganz nebenher Laien die Grundlagen der Biologie und verrät den ganz Wissbegierigen noch ein paar nützliche(?) Tricks: Wie bringt man einen Igel ganz sanft dazu, sich zu entrollen? Das verrate ich hier nicht, dazu müssen Sie das Buch lesen.
Das ist populäre Wissenschaft, wie ich sie mir wünsche. Meine absolute Kaufempfehlung!