Rezension: Chrstine Bernard: Die Legende vom bösen Wolf

Christine Bernard. Die Legende vom bösen Wolf
Michael E. Vieten
Krimi
Acabus Verlag, 2018
296 Seiten
ISBN 978-3862825660
14,00 €

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Inhalt
Von der Angst und der Gier. Eine junge Kommissarin ermittelt unter Lämmern und Wölfen.
Ein feuchtkalter Morgen im Nebel. Menschliche Überreste in einem Wolfsgehege. Sind die Wölfe blutrünstige Killer oder ist alles nur Mythos und diese brillanten Jäger und nächsten Verwandten unserer liebsten Haustiere sind harmlos?
Eine zweite Leiche mit Fraßspuren wird im Hunsrücker Hochwald gefunden. Ist der über Jahrhunderte gefürchtete Angstgegner des Menschen wieder da und streift bereits auf der Suche nach Beute durch unsere Wälder? Ist er eine Gefahr oder ist der Mensch selbst des Menschen Wolf?
Die Trierer Kommissarin Christine Bernard ermittelt und stößt auf ihrer Suche nach dem Mörder auf ein Umfeld voller Vorbehalte, Mythen und Legenden.

Rezension
Dies ist mein erster Christine Bernard-Krimi. Ich lese ihn quasi aus „fachlichem“ Grund. Ich erforsche seit 30 Jahren das Verhalten wild lebender Wölfe in den USA und habe auch ein Verhaltensforschungspraktikum in einem Wolfsgehege gemacht. Darum habe ich auch schon gleich fachlich was zu meckern:

Auf Seite 18 erklärt Rosi Christine: „… neben dem Bären, den wir in Europa erfolgreich ausgerottet haben …“ Das stimmt so nicht. Zwar gibt es momentan in Deutschland keine Bären – der „Problembär“ Bruno wurde erschossen – aber in ganz Europa gibt es immer noch Populationen vom Europäischen Braunbär, und zwar in: Spanien, Skandinavien, Italien, Österreich, Balkan, Rumänien, Polen, Bulgarien und natürlich Russland. „Der“ Bär ist also in Europa nicht ausgerottet, wenngleich dennoch in seinem Bestand bedroht.

Auf Seite 21 erklärt Rosi, woher die Wölfe in den Gehegen kommen. Sie sagt, die Tiere kämen aus Polen und Rumänien, wo sie im Winter nachts um die Häuser geschlichen und eingefangen und dann dem Zoo angeboten worden seien.
Zoos bekommen ihre Wölfe als Welpen. Niemals könnte man einen erwachsenen wilden Wolf einfangen und in einem Gehege unterbringen. Dies wäre extrem tierschutzwidrig, weil sich die Tiere vor lauter Panik regelrecht umbringen würden. Deutsche Zoos erhalten im Allgemeinen ihre Tiere von (hoffentlich seriösen) Tierhändlern oder sie werden untereinander vermittelt. Am besten eignen sich für die Gehegehaltung handaufgezogene Welpen.

Auf Seite 102 „heult das Rudel den Mond an“. Das ist ein Klischee, das längst widerlegt ist. Wölfe heulen aus vielerlei Gründen, aber sie heulen nicht den Mond an. Nun gut, eine Kommissarin kann das ja nicht wissen sondern nur vermuten.

Seite 111: „Timberwölfe sind die größte Wolfsart der Welt“, stimmt nicht. Zwar können Timberwölfe (Canis lupus lycaon) sehr groß werden (wie bei uns im Yellowstone-Nationalpark in Montana), jedoch sind Polarwölfe oder Arktische Wölfe (Canis lupus arctos) noch deutlich größer.

So, und nun zum positiven Eindruck.
Schon der Titel beruhigt, drückt er doch aus, dass es sich beim bösen Wolf um eine „Legende“ handelt. Und schon geht es los. Ein zerfetzter menschlicher Körper in einem Wolfsgehege, ein Wolf, der einen menschlichen Arm weg schleppt. Wir, die wir den Autor nicht kennen und das Buch vielleicht wegen des Covers und des Wortes „Wolf“ im Titel in die Hand nehmen, wissen natürlich, dass es die Wölfe nicht sein können.

Der Autor verwebt geschickt eine Krimi-Handlung mit dem aktuellen und populistischen Thema Wolf. Hinzu kommen großartige Naturbeschreibungen von einer Landschaft, die ich bisher nicht kannte, die es sich aber sicher zu besuchen lohnt (Hunsrück).

Vieten thematisiert sämtliche Vorurteile der Bevölkerung, sowohl pro als auch kontra Wolf, und setzt geschickt die Ängste der Menschen ein, um Spannung zu erzeugen.

Ein Kompliment auch an die Covergestaltung. Die Augen des (Europäischen) Wolfes harmonisieren mit der gelben Schrift im Titel.

Ein besonderes Kompliment gibt es für die Erwähnung der „Gesellschaft zum Schutz der Wölfe e.V.“ (S. 164) Kommissarin Bernard schaut sich die Webseite des Vereins an. Ich hoffe, dass die Erwähnung dem Verein noch mehr Zuspruch und Mitglieder verschafft.

„Die Legende vom bösen Wolf“ ist ein gelungener Krimi, dem jedoch bei diesem aktuellen Thema ein Fachlektorat gut getan hätte. Dafür ziehe ich einen Punkt ab.