Rezension: Abgrund

AbgrundAbgrund
Bernhard Kegel
Mare Verlag, 2017
384 Seiten
ISBN 978-3866482517
22,00 €

Hier können Sie das Buch bestellen

Inhalt
So hatte sich Anne Detlefsen den ersten gemeinsamen Urlaub nicht vorgestellt: Statt mit ihr die Sonne und die traumhafte Natur der Galápagosinseln zu genießen, hat Hermann Pauli sich auf die Suche nach einem seltsamen Hai begeben, der selbst den Experten der örtlichen Charles-Darwin-Forschungsstation Rätsel aufgibt. Bei seinen Tauchgängen stößt Hermann auf weitere Ungereimtheiten. Ist es möglich, dass sich die Lebensgemeinschaften im Meer rasant verändern? Und auch Anne bekommt plötzlich zu tun. Als vor der Insel Nacht für Nacht Schiffe in Flammen aufgehen, juckt es die Leiterin der Kieler Mordkommission in den Fingern, der Sache auf den Grund zu gehen. Ihre Recherchen führen sie mitten in das komplizierte soziale Gefüge der Inselwelt, in dem die traditionelle Fischerei und der strenge Naturschutz nur schwer mit dem andauernden Tourismusboom zu vereinen sind. Und es ist Eile geboten, denn der Brandstifter scheint eine Mission zu verfolgen …
Vor der zauberhaften Kulisse des legendenumrankten Galápagos-Archipels gewährt Bernhard Kegel Einblicke in Faszination und Abgründe der biologischen Forschung.

Rezension
Ich habe alle Romane und einige Fachbücher des Autors gelesen und schätze seine Gabe, wissenschaftliche und insbesondere biologische Themen spannend und verständlich zu erklären.

Als ich las, dass es in diesem Buch wieder ums Meer geht, hatte ich gehofft, etwas so Spannendes wie „Der Rote“ zu lesen. „Abgrund“ kommt meiner Meinung nach nicht ganz an diesen Bestseller von Kegel heran. Ich wollte mehr über den geheimnisvollen Hai zu erfahren, wurde hier jedoch enttäuscht. Trotzdem können sich Leser, die sich für Themen wie Artenschutz, Klimawandel oder Evolution interessieren, wieder auf spannende und lehrreiche Unterhaltung freuen.

Der Biologe verwebt wie in all seinen Wissenschaftskrimis ein aktuelles Thema mit einer spannenden Handlung. Im „Abgrund“ nimmt er den Leser mit auf die Galápagos-Inseln. Einige Leser hatten vielleicht schon einmal das Glück, die Inseln im Rahmen einer Urlaubsreise zu besuchen. Jetzt nimmt uns der Autor mit wunderschönen, detaillierten Beschreibungen mit in die Charles-Darwin-Forschungsstation und lässt uns an seinen Forschungen teilhaben. Wir lernen die jungen Studenten und Doktoranten kennen, die hier arbeiten und leben. Sie alle erfüllen sich auf die eine oder andere Weise ihren Traum, Teil eines berühmten Forschungsprojektes zu sein.
Und wir erfahren – wie in vielen von Kegels Romanen – etwas über die dunkle Seite der Wissenschaft. Es geht um Jobs, Macht, Anerkennung und Forschungsgelder.

Der interessierte Leser lernt in „Abgrund“ die faszinierende Tierwelt des Galápagos-Archipels kennen, über und unter Wasser, und erfährt so alles über Evolution, Artenschutz, Klimawandel und die Zusammenhänge der Natur aber auch über die Konflikte zwischen Naturschutz und den Interessen der lokalen Bevölkerung (Tourismus, Fischerei).

Die Krimihandlung im Roman – Wer zündet Nacht für Nacht die Schiffe an? – wirkt konstruiert, vielleicht um den Krimifaktor zu rechtfertigen(?). Die Dialoge wirken entsprechend schwerfällig. Meiner Meinung nach ist dieses Konstrukt überflüssig. Die intensiven und großartigen Natur- und Tierbeschreibungen sowie die Schilderung der harten und schwierigen Arbeit der Wissenschaftler, dies alles macht „Abgrund“ für mich auch so außerordentlich spannend.
Besonders berührt haben mich die letzten Seiten, in denen David sich fragt, ob und was man tun kann angesichts des Massensterbens von Tierarten – eine Frage, die sich wohl jeder stellt, der sich intensiv mit der Natur befasst. Macht es einen Unterschied, ob das Aussterben einer Tierart menschengemacht oder eine Folge natürlicher Prozesse ist? Oder gehört das große Sterben seit jeher schon zum Leben?

Lesen Sie das Buch – es lohnt sich.

Mehr Informationen über den Autor und seine Arbeit finden Sie auf der Webseite von Bernhard Kegel.