Petition: Tierschutz versus Herdenschutz?

Herdenschutzhund bei der Arbeit
Weide der Schäferei Kurt Kucznik in Brandenburg (März 2017);
Foto: NABU/Sebastian Hennigs

Der Wolf ist zurück und die Nutztierhalter geraten immer stärker in Bedrängnis, etwas für den Herdenschutz zu tun.
Aufgrund § 3 Abs. 2 Nr. 3 der Tierschutz-Nutztier-Haltungsverordnung ist zunächst der Tierhalter in der Pflicht, seine Herde vor Beutegreifern zu schützen.
Vermehrte Übergriffe auf Nutztiere treten vor allem dort auf, wo einzelne Wölfe neu zugewandert sind und sich die Tierhalter noch nicht auf die Anwesenheit der Beutegreifer eingestellt haben. Mit steigenden Schadenszahlen sinkt natürlich die Akzeptanz des Wolfes. Erst wenn es gelingt, Nutztierrisse möglichst zu verhindern oder zumindest drastisch zu reduzieren, werden die betroffenen Menschen eher bereit sein, den Wolf zumindest zu dulden. Nutztierrisse haben eine hohe Tierschutzrelevanz, nicht nur für die betroffenen Tiere, sondern auch für den Wolf, der am Ende womöglich für sein Tötungsverhalten im neuen Behördendeutsch „entfernt“ wird.

Effektiver Herdenschutz

In unserem Buch „Der Wolf kehrt zurück“  haben wir ein großes Kapitel den vielfältigen Möglichkeiten des Herdenschutzes gewidmet. Die wichtigste und wirkungsvollste ist eine Kombination von Elektrozaun und Herdenschutzhunden. Das ist Fakt und von allen Fachleuten unbestritten. Darum werden auch laut den meisten Managementplänen der Länder Entschädigungen für gerissene Nutztiere nur bezahlt, wenn diese Voraussetzungen geschaffen wurden.
Der NABU hat in Baden-Württemberg ein gemeinsames Pilotprojekt  mit dem Landesschafzuchtverband (LSV) initiiert, um die Schafszüchter auf die Ankunft des Wolfes vorzubereiten, um ein möglichst konfliktarmes Nebeneinander sicherzustellen.
Doch nun sorgen Tierschutzauflagen für die Hunde für Probleme. Nach der Tierschutz-Hundeverordnung (TierSchHundeV) vom 2. Mai 2001 (BGBl. I S. 838), geändert durch Artikel 3 der Verordnung vom 12. Dezember 2013 (BGBl. I S. 4145) ist es für Weidetierhalter praktisch unmöglich, Herdenschutzhunde einzusetzen.
§ 4 Abs. 1 TierSchHundeV besagt, dass beim Halten im Freien dem Hund eine Schutzhütte zur Verfügung stehen muss, die ihn auch vor Kälte und Regen schützt. Diese Regelung ist für Wanderschäfer natürlich sowohl für Hütehunde als auch Herdenschutzhunde schwierig umzusetzen, da sie immer eine Schutzhütte pro Hund mitführen müssten. Ebenso verstoßen Elektrozäune gegen die TierSchHundeV.

Schafe in den Alpen. Auch hier ist Herdenschutz nötig.
Schafe in den Ötztaler Alpen. (Foto: pixabay)

Vorab möchte ich betonen, dass die Tierschutz-Hundevorordnung wichtig ist. Jeder Schritt zu mehr Schutz von Tieren ist grundsätzlich ein Erfolg. Allerdings sollte man den Sinn und Zweck dahinter sehen und den Gesamtzusammenhang betrachten, damit Tierschutz nicht den Wolfsschutz untergräbt.
Wichtig für einen effizienten Herdenschutz ist es, die Arbeit von Herdenschutzhunden nicht zu behindern oder gänzlich unmöglich zu machen. Dazu müsste in die (normalerweise notwendige) Regelung des § 4 Abs. 1 TierSchHundeV unbedingt eine Ausnahmeregel aufgenommen werden. Hier besteht also dringender Handlungsbedarf der Regierung.

Petition von Schäfer Sven de Vries zum Herdenschutz

Sven de Vries ist sauer – zu Recht: „Wer den Wolf will, muss uns auch unsere Herden schützen lassen!“ Er betreut zurzeit 650 Mutterschafe am Südostrand der schwäbischen Alb. Noch ist der Wolf nicht eingetroffen, aber er will vorbereitet sein und alles dafür tun, dass seinen Tieren nichts geschieht. „Ich bin mit meinen Schafen auf der Wanderung und sperre sie bald jede Nacht an einem anderem Ort in mobilen Elektrozäunen ein.“
De Vries weiß auch, dass die Kombination von Herdenschutzhunden mit den Zäunen die sicherste Methode ist.
„Es liegt in meiner ureigenen Verantwortung, die Schafe, die bei uns bleiben können und nicht geschlachtet werden, zu schützen und sie vor Unheil und Krankheit zu bewahren. Eine Herde vertraut ihrem Schäfer, folgt ihm auch durch schwieriges Gelände, durch den Straßenverkehr und akzeptiert mich als Teil der Herde.“ Dieser Verantwortung und diesem Anspruch will er nachkommen und sorgt sich, ob er sich das auch leisten kann.
„Ich präsentiere dem Wolf mit meinem Pferch eine hübsch zusammengestellte Herde, mehr oder minder schutzlos.“ Dabei geht es ihm nicht allein um eventuell gerissene Schafe, sondern auch darum, dass Schafe sehr empfindsame und ängstliche Tiere sind. „Ein Übergriff ängstigt eine Herde oft über Monate und ich habe weder die Kraft, noch das nötige Personal, die Schafe auch noch nachts persönlich zu schützen oder eine verängstigte und misstrauische Herde durch die Unwägbarkeiten unserer heutigen Kulturlandschaften zu führen.“

Kangel, der perfekte Hund für den Herdenschutz
Kangal. Diese alte Herdenschutzrasse wird im südlichen Europa zum Schutz von Schafs- und Ziegenherden eingesetzt (Foto: pixabay)

Herdenschutzhunde könnten ihm helfen. Genau dafür werden sie seit Jahrtausenden gezüchtet und eingesetzt. Wenn die TierSchHundeV nun einen elektrischen Zaun verbietet, dann werden die Schafe weder am Ausbrechen noch der Wolf am Drüberspringen gehindert. Und ein Wanderschäfer kann unmöglich eine entsprechende Anzahl Hundehütten mitführen. Zudem zeigen Erfahrungen aus der Schweiz, dass Herdenschutzhunde diese Hütten zur besseren Übersicht gar nicht nutzen.
Was also Herdenschutzhunde betrifft, so ist eine bundesweite Ausnahmeregelung zur Tierschutz-Hundeverordnung längst überfällig. Momentan wird die Arbeit der Herdenschutzhunde in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geregelt, die meisten Behörden schauen weg oder dulden es einfach. Aber eine Duldung und ein Verschweigen bietet nicht die dringend benötigte Rechtssicherheit für die Nutztierhalter.
Noch einmal: Tierschutz ist absolut notwendig und die Tierschutzhunde-Verordnung sehr wichtig. Aber für Herdenschutzhunde muss eine Ausnahmeregelung gefunden werden. Diese Tiere sind speziell für ihre Arbeit gezüchtet und körperlich ausgestattet, d.h. entsprechend robust für das Leben im Freien. Das Leben inmitten der Schafsherde ist die perfekte artgerechte Tierhaltung – wogegen die Haltung des einen oder anderen Herdenschutzhundes als Kuscheltier in der Stadtwohnung eher tierschutzrelevant ist.

Petition – bitte unterschreiben

Petition für den Herdenschutz
Petition für Herdenschutzhund. Bitte unterschreiben.

Wanderschäfer Sven de Vries weiß sich keinen Rat mehr. Er möchte seine Tiere vor dem Wolf schützen und darf es nicht. Die Bundesregierung sieht bisher noch keinen Handlungsbedarf.
Darum hat er eine Bundestags-Petition ins Leben gerufen, um Weidetierhaltern die nötige Rechtssicherheit und rechtlichen Rahmenbedingungen zum Einsatz von Herdenschutzhunden zu geben und durch eine Ausnahmeregelung der TierSchHuV den praktischen Einsatz von Herdenschutzhunden zu ermöglichen.

Direktlink zur Bundestags-Petition!

Falls Sie sich wundern, warum diese etwas umständliche Form der Petition (mit vorheriger Registrierung) gewählt wurde im Gegensatz zur populäreren Webseite von change.org – der Vorteil bei einer Bundestagspetition ist, dass egal wie viele Unterschriften zusammenkommen, der Petitionsausschuss sich mit der Sache beschäftigen muss.

Bitte denken Sie daran – ohne sachgemäßen Herdenschutz gibt es keinen Wolfsschutz. Es liegt in unser aller Interesse, dass Sie diese Petition unterschreiben und weiterleiten.

Danke!