|
|
 |
Making of »Wolfsküsse«
|
|
|
|
zurück zum Buch
September 2011
TV-Erfahrungen Nachdem der Verlag die Medienmaschinerie angeworfen hatte, strömten die Interviewanfragen ein. Die erste Fernsehanfrage kam von RTL »Stern-TV«. Der Verlag jubelte. Eine bessere Werbung konnte es nicht geben … wäre da nicht ein kleines Problem gewesen: Wir brauchten sieben Minuten Film. Der Trailer von dreieinhalb Minuten reichte nicht aus. Die junge Redakteurin der Medienfirma, die für den Filmbericht zuständig war, suchte nach Lösungen: »Haben Sie denn keine Filmaufnahmen, die Sie mit Wölfen zeigen?« Hatte ich nicht. »Vielleicht etwas, wo Sie in Yellowstone morgens aus dem Zelt kriechen und der Wolf oder Bär läuft vorbei?« Ich schlafe in Yellowstone nicht im Zelt, sondern in einer Blockhütte, und es kommt auch kein Bär oder Wolf einfach mal so »vorbei«. Außerdem denkt kein Autor daran, beim Schreiben eines Buches auch eine Filmkamera mitlaufen zu lassen. »Gibt es Wölfe in Deutschland?« »Ja, etwa 80.« »So viele? Ja vielleicht können wir Sie dann bei den deutschen Wölfen filmen?« Nun, ich beobachte die Wölfe in den USA, weil sie in Deutschland viel zu scheu sind, um sich sehen zu lassen. »Dann könnten wir Sie doch in einem Wolfsgehege filmen, wie sie dort mit den Wölfen zusammen sind.« »Fein, dann gehen Sie mal zuerst ins Gehege.« Man geht nicht einfach in ein fremdes Wolfsgehege zu Wölfen, die man nicht kennt. Dies sind W – ö – l – f – e, keine Schoßhunde. »Ach so. Was machen wir denn jetzt?« Die Redakteurin war ratlos. »Ich kann Ihnen einen Film von Bob Landis anbieten. Schauen Sie mal, ob sie davon etwas gebrauchen können.« Ich schickte bestes National Geographic Filmmaterial, das die junge Dame begeisterte. »Das sind ja tolle Aufnahmen! Aber sagen Sie mal – da ist eine Aufnahme, wo ein Wolf eine Hirschkuh reißt, und gerade als er sie packt und zu Boden reißt, wird ausgeblendet. Warum?« »Ich nehme an, weil die Szene zu blutig ist. Schließlich sind das Familienfilme und es sollen auch jüngere Menschen sehen.« Empörung: »Also wir sind Stern-TV! Wir senden erst nach 22 Uhr. Da schauen keine jungen Leute mehr zu! Können Sie den Filmer fragen, ob wir die ungeschnittene Szene bekommen können, wir brauchen ein wenig mehr ‚Action’?« Ich blieb ruhig. Das war es eigentlich nicht, was ich mit meinem Buch vermitteln wollte: blutrünstige Wölfe. »Ich werde ihn fragen.« »Prima, und vielleicht noch ein paar andere spannende Szenen. Auf jeden Fall volle Länge und ungeschnitten.« Der Tierfilmer lehnte das Anliegen erwartungsgemäß ab. Seine Ethik sieht es nicht vor, Wölfe als blutrünstige Killer darzustellen. Damit war dann mein Auftritt bei Stern-TV gestorben.
Dafür hatte ich ein paar Tage später einen sehr schönen Dreh mit einem Team des ERF-Fernsehens. Wir drehten wunderschöne Naturaufnahmen in den heimischen Wiesen und Wäldern mit mir und meiner Hündin, und ich beantwortete Fragen im Interview. Eine Woche später gab es noch einmal ein Interview für das Magazin »Gott sei Dank«, diesmal dann direkt im Studio. Die Sendung wird noch eine kurze Weile hier online zu sehen sein:
 Wie anders waren diese Aufnahmen. Ein großartiges Team, das mich begleitete. Und vor der Studioaufnahme beteten alle gemeinsam und baten darum, mit ihrer Sendung die Herzen der Zuschauer für die Schönheiten der Natur zu öffnen. So unterschiedlich kann Fernsehen sein.
(Foto: Dreharbeiten im meiner Wohnung)
|
|
|
|
Juni 2011
Traumpfade. Von (un)erfüllten Träumen Während des Schreibens meines neuen Buches plagten mich immer wieder Zweifel. Meine Zielgruppe, für die ich sonst schreibe, ist ein Fachpublikum (Wolfsfans, Naturliebhaber, Hundebesitzer). Mit dem neuen Buch sollen auch andere Leser erreicht werden. Es geht um Träume – erfüllte und unerfüllte, große und kleine Lebensträume. Mein Buch richtet sich besonders an die Leser oder Leserinnen, die einen großen Traum haben. Ich möchte ihnen Mut machen, ihrem Traum zu folgen. Mein Traum war es, wilde Wölfe zu sehen und ihnen nah zu sein. Als ich 1990 meinen Anwaltsberuf aufgab, um mir diesen Traum zu erfüllen, hatte ich keine Ahnung, wie ich das anstellen sollte. Ich wusste nur, dass ich mit dem, was ich tat, unglücklich war und etwas ändern musste. Irgendjemand hat einmal gesagt, dass wenn du deiner Bestimmung folgst, sich alle Türen öffnen. »Follow your bliss.« Ich machte mich auf den Weg. Ich begann mit einem Ethologie-Praktikum (Verhaltensforschung) in einem Forschungsgehege in Wolf Park, USA. Dort küsste mich mein erster Wolf. Fortan war ich »wolfssüchtig«. Mein weiterer Weg auf dem Traumpfad führte mich nach Minnesota, wo ich die Grundlagen der Wolfsforschung lernte. Gemeinsam mit Günther Bloch gründete ich die »Gesellschaft zum Schutz der Wölfe« und leitete sie zehn Jahre lang als Vorstand. Forschungsprojekte, Aufklärungsarbeit und der regelmäßige Austausch mit Wissenschaftlern erweiterten unser Fachwissen mehr als jedes Biologiestudium. Wir wurden zu Experten im Verhalten frei lebender Wölfe. Als die ersten wilden Wölfe aus Polen nach Deutschland einwanderten, hatten wir bereits sehr viel Aufklärungsarbeit geleistet und die Vorarbeit für ihre Akzeptanz gelegt. Wir beide verließen den Verein, um unseren weiteren »wölfischen« Weg zu gehen. Ich konnte mich endlich wieder meinem eigentlichen Traum widmen. Mit meiner freiwilligen Mitarbeit im amerikanischen Yellowstone-Wolfsprojekt und den langjährigen Beobachtungen wild lebender Wölfe begann sich der Kreis zu schließen. Heute blicke ich auf über 20 Jahre Erfahrung mit wilden Wölfen zurück, davon intensive Freilandforschung seit 1995 an Wölfen in Yellowstone. Ich bin in meinem Traum angekommen. Es war nicht leicht. Abgesehen vom anfänglichen Unverständnis der Freunde und Familie (»Wer gibt schon einen Anwaltsberuf auf?«), über den Spott mancher Biologen (»Die haben noch nicht mal Biologie studiert.«) zu finanziellen Problemen (Wie sollte ich meinen Lebensunterhalt verdienen?) – immer wieder gab es Widerstände und Hürden, die ich nehmen musste. Es gab Rückschläge, Stillstand, Frustration, aber auch überwältigende Momente des Glücks, wenn ich einem wilden Wolf gegenüberstand. Ich bin meinen Weg gegangen – unbeirrt und manchmal auf sehr ungewöhnliche Weise. Was ich dabei erlebt habe, das schildere ich im Buch »Wolfsküsse. Mein Leben unter Wölfen.« Es ist ein Buch, das nicht nur über Wölfe, ihr Verhalten und das Ökosystem informiert, sondern auch aufklärt, warum es so wichtig ist, im Einklang mit der Natur zu leben. Ich erzähle, was ich von den Wölfen für mein eigenes Leben gelernt habe, und wie mich das Leben unter ihnen verändert hat. So wie ich, kann sich jeder seinen Traum erfüllen. Es müssen keine Wölfe sein. Das möchte ich meinen Lesern mitgeben: Sie wollen ein Buch schreiben? Einen kleinen Laden eröffnen? Eine Weltreise machen? Wenn Sie es leidenschaftlich genug wollen, wenn sie für Ihren Traum »brennen«, dann schaffen Sie es. Ich bin in meinem wölfischen Traum angekommen. Machen Sie sich auf den Weg.
|
|
|
|
Mai 2011
Wölfische Dreharbeiten Im Mai war ich zum zweiten Mal in diesem Jahr zur Wolfsforschung im Yellowstone-Nationalpark. Ich hatte die Gelegenheit, um mit meinem guten Freund, Tierfilmer Bob Landis, einen kleinen Buchtrailer zu drehen. Drehort war das Tal des Slough Creeks, dort, wo ich viele Jahre lang die Slough-Wölfe beobachtet hatte. Bei den Dreharbeiten dabei war meine Gruppe Wolfwatcher aus Deutschland (Anne-Marie), Österreich (Chris) und der Schweiz (Sybille und Caroline). Das Wetter war schlecht, aber wir hielten durch. Wir drehen mehrere Szenen und bekamen ein kleines Gefühl für die Schauspielerei. Am nächsten Tag besuchten wir Bob in seinem Haus in Gardiner und arbeiteten zusammen etwa drei Stunden lang, um aus einer halben Stunde Material einen Dreiminutentrailer herzustellen mit vielen tollen Tieraufnahmen, die Bob auch aus seinem Archiv dazu geschnitten hat. Jetzt verstehe ich noch besser, wie viel Arbeit in der Herstellung eines ganzen Films steckt. Ich bin Bob sehr dankbar, dass er sofort eingewilligt hat, den Trailer mit mir zu drehen. Er ist ein sehr bekannter Tierfilmer und arbeitet auch für National Geographic oder für den Fernsehsender Nature. Zwei Tage, nachdem wir den Film gedreht hatten, bekam Bob Landis mit seinem neuen Film über den berühmtesten Yellowstone-Wolf Casanova eine Auszeichnung als bester Tierverhaltensfilm. Für mich war es eine große Ehre, mit ihm zu drehen.
Hier ist der Trailer

|
|
|
|
April 2011
Das Geheimnis des Wolfskusses Mein neues Buch ist beim Verlag im Lektorat und in der Marketingphase. Da es sich um ein autobiografisches Sachbuch handelt, wollte der Verlag ein Coverfoto, das mich mit einem Wolf zeigt. Zu bieten hatte ich nur ein 20 Jahre altes Foto aus einer Zeit, als ich meine ersten Wolfserfahrungen bei einem Ethologiepraktikum in einem Forschungsgehege in Wolf Park, USA, gemacht habe. Es ist das Foto hier oben auf der Webseite, auf dem ich einen Wolf küsse. Es ist zwar schön, aber zu alt (oder bin ich es, die zu alt ist?) Ein neues Foto musste her. Woher aber einen küssenden Wolf nehmen. Nun ist es grundsätzlich so, dass Wölfe keine Menschen küssen (oder fressen). Solche Aufnahmen können nur mit wenigen, handaufgezogenen Tieren gemacht werden. Die Wolf Park Wölfe waren solche Tiere. Sie wurden als Welpen von Menschen mit der Flasche gefüttert und großgezogen, bis sie alt genug waren, um zu ihren Eltern zurück ins Gehege gebracht zu werden. Diese Wölfe hingen auch als erwachsene Tiere noch an ihren menschlichen Zieheltern (und allen anderen Zweibeinern) und freuten sich jedes Mal riesig, wenn wir ins Gehege kamen. Wölfe zeigen ihre Freude und Verbundenheit dadurch, dass sie einander die Mundwinkel lecken. Das ist also das Geheimnis des Wolfskusses.
Wir mussten also Coveraufnahmen machen und Wolf Park war 7.000 Kilometer entfernt. Mir fiel Tanja Askani ein, die im Wildpark Lüneburger Heide Polarwölfe hält, die geeignet sein könnten. Hektische Telefonate zwischen Frau Askani und dem Verlag folgten. Plötzlich musste alles sehr schnell gehen, denn in drei Wochen würden die Wölfe ihr dichtes Winterfell verlieren. Und zerzauste Wölfe sind schließlich keine guten Fotomodells. Wir machten einen Termin für den nächsten Tag aus, denn für die folgenden Tage war wieder Regen angesagt. Ich warf »wolfsfeste« Kleidung (alles, was beim Ansturm der Wölfe nicht zerreißen kann) in mein Auto und fuhr noch am selben Abend in die Lüneburger Heide, wo ich übernachtete. Tanja hatte mir eingeschärft: »Du musst ausgeruht sein. Die Wölfe merken es, wenn du angespannt bist.« Am nächsten Morgen traf ich Tanja Askani und die beiden schneeweißen Polarwölfe Noran und Naaja, die mit mir Modell stehen sollten. Beide Wölfe waren handaufgezogen und mit Menschen vertraut, aber nicht abgerichtet oder dressiert. Es würde sich also alles nach den Wölfen richten. Sie würden zu nichts gezwungen werden. Alles, was sie taten, sollte freiwillig geschehen und so, dass sie nicht gestresst wurden. Noran war ein sanftmütiger Hühne. Wir nahmen ihn an die Leine und gingen in den Wald, um den perfekten Platz mit dem perfekten Licht für das Shooting zu finden. Ich hatte die Taschen voller Käsestangen (hmm … Gouda) und lockte damit die Zähne des Wolfes in die Nähe meines Gesichtes. Der Wolf nahm sanft den Käse aus meiner Hand und schleckte dabei ab und zu über mein Gesicht. Alles ganz einfach. Und auch, wenn Sie es vielleicht nicht glauben: Wölfe haben keinen Mundgeruch. Als Noran schließlich gelangweilt jede weitere Mitarbeit verweigerte, brachten wir ihn in sein Gehege zurück und holten die kleine Naaja. »Klein« ist ein relativer Begriff. Naaja war etwa zehn Monate alt, aber körperlich ein ausgewachsener Polarwolf. Wenn sie sich auf die Hinterbeine stellte, war sie fast so groß wie ich. Vom Gemüt her glich sie eher einem ungestümen Teenager. »Bei ihr musst du auf deine Finger aufpassen«, warnte Tanja. »Sie ist ziemlich grob.« Die Wolfsküsse waren damit vom Tisch. Wir machten noch einige Aufnahmen, bei denen Naaja an mir hochsprang, um an den Käse zu kommen. Meine Finger blieben heil. Am Ende hatten wir eine Auswahl großartiger Coverfotos für das Buch erhalten.
An dieser Stelle möchte ich aber noch einmal darauf aufmerksam machen, dass dies eine besondere Situation war und ich Erfahrung im Handling mit Wölfen habe. Tanja Askani geht sehr verantwortungsvoll mit ihren Tieren um. Obwohl es immer wieder ein wunderbares Erlebnis ist, von einem Wolf »geküsst« zu werden, bin ich nach vielen Jahren der Beobachtung von wilden Wölfen der Auffassung, sie sollten aus der Distanz beobachtet und in Ruhe gelassen werden. Darauf weise ich auch immer wieder in meinen Büchern hin. Wenn aber durch das Titelfoto mein Buch einem größeren Leserkreis bekannt gemacht wird und die Leser so mehr über Wölfe lernen, dann haben Noran und Naaja als »wölfische Botschafter« mit dazu beigetragen.
Webseite Tanja Askani
|
|
|
|
Februar 2011
Titelkampf »Wolfsküsse« - dieser Titel meines Buches lässt mich auch heute noch jedes Mal zusammenzucken. Das war nicht geplant. »Das Prinzip Wolf. Was wir von wilden Wölfen lernen können – für die Familie, den Beruf, das Leben.« Das war der ursprüngliche Arbeitstitel gewesen. »Zu neutral, langweilig, sachlich«, meinte der Verlag. »Wir brauchen etwas Emotionaleres.« Natürlich musste der Titel auch »frei« sein, das heißt, es durfte ihn noch nicht in irgendeiner Form als Buch- oder Filmtitel geben - was beim Thema Wolf gar nicht so einfach war. Ich durchforstete Amazon und das Verzeichnis lieferbarer Bücher. Ich fragte Freunde und die Kollegen vom Montségur Autorenforum. Gemeinsam fanden wir interessante potenzielle Buchtitel. Mein Favorit war »Wilde Zärtlichkeit«, der aber schon vergeben war. Dann hatte der Verlag eine Idee: »Wolfsküsse.« Niemals! – war meine erste Reaktion. Da arbeite ich seit über 20 Jahren daran, den Leuten beizubringen, wie man sich wilden Wölfen gegenüber verhält und dann erscheint ein Buch von mir, das »Wolfsküsse« heißt? Der Wolfsgau! Aber meine Lektorin ließ nicht locker. Auf diversen Verlagskonferenzen sei man von diesem Titel begeistert gewesen. Er mache neugierig und klinge emotional. Hektische Rückfrage bei allen Naturschutzorganisationen, mit denen ich gute Kontakte habe und die das Buch irgendwann auch einmal besprechen sollen. Die Reaktion: »Mit diiiiiesem Titel gar nicht!« Klar, alle achten darauf, den Wolf »politisch korrekt« darzustellen. Und Wölfe küsst man nun mal nicht. Mein Agent war keine große Hilfe. Er beruhigte nur: »Die Verlage wissen schon, was sie tun.« Dann ein langes Telefongespräch mit meiner Lektorin, die mich wieder einmal darauf hinwies, dass die Zielgruppe dieses Buches nicht allein die Wolfs- und Hundeszene sei, sondern die »wölfisch interessierte Hausfrau, die einen Lebenstraum hat«. Nun gut, aber die Wolfs- und Hundeszene hatte vom letzten Buch mehrere zehntausend Exemplare gekauft. Das durfte man nicht einfach ignorieren. Ich wollte es auch gar nicht, denn für die schrieb ich ja seit vielen Jahren. Nach zähem Ringen gab ich nach. »Wolfsküsse« würde es sein. Untertitel: »Mein Leben unter Wölfen.« »Aber nur, wenn im Klappentext ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass ich wilde Wölfe beobachte«, behielt ich noch als letzte Versicherung zurück. Beim Ringen um einen Buchtitel geht es letztendlich auch darum, einen Kompromiss zu finden, der alle befriedigt: den Verlag, den Autor und vor allem den Leser.
|
|
|
|
Januar 2011
Der Anfang Eigentlich wollte ich »nur« ein Fachbuch über Wölfe schreiben, so wie schon andere Bücher zuvor. Ich bereitete ein Exposé vor und schickte es auf Anraten von André Hille, dem Leiter der Textmanufaktur Leipzig, an den Aufbau-Verlag. Dann kam der ersehnte Anruf der Lektorin. Mir brach der Schweiß aus: »So ein Fachbuch ist ja ganz schön. Aber könnten Sie sich vorstellen, das auch für ein breiteres Publikum umzuschreiben? Wir wollen kein reines Fachbuch, sondern ein literarisches Sachbuch.« Ups. Traute ich mir das zu? Ich hatte zahlreiche Fachbücher zum Thema Wolf/Hund geschrieben und war gut darin, komplizierte Sachverhalte einfach darzustellen und interessant zu machen. Mit Belletristik hatte ich nichts am Hut. Ich bewunderte immer alle Kollegen, die plotten und wunderschöne Romane schreiben konnten. Das hier sollte nun so eine Art Mischung aus Sachbuch und Autobiografie werden, erklärte die Lektorin. Eine Frau, die ihren Beruf als Anwältin hinschmeißt, um sich den Traum zu erfüllen, mit Wölfen zu leben. So etwas wolle ihr Zielpublikum – interessierte Frauen – lesen. Ich wunderte mich, kam mir mein Leben doch immer so völlig normal vor, dass es in meinen Augen nicht besonders interessant war, darüber zu berichten. Sicher schrieb ich schon seit Jahren an meiner Autobiografie (für die Schublade), aber das alles öffentlich machen …? Ich versprach, mein Bestes zu geben. Der Vertrag wurde im Herbst 2010 unterschrieben. Die Arbeit am Manuskript begann. Ich schickte meiner Lektorin ein erstes Probekapitel. Sie rief an. »Klingt schon gut. Ist mir aber zu viel Wolf. Ich möchte mehr über SIE erfahren. Über ihren Frust als Anwältin, ihre unglückliche Ehe. Was genau brachte Sie dazu, alles hinzuwerfen? Das ist es, was die Leser interessiert.« Oh je. Ich sollte meine innersten Gefühle offenlegen? Dazu war ich ein viel zu privater und zurückgezogener Mensch. Ich schluckte, schüttelte mich und wagte den Sprung ins kalte Wasser. Es wurde ein Balanceakt zwischen dem Preisgeben von persönlichen Dingen und dem Schutz von Personen, die in meinem Leben eine Rolle spielten. Ich wagte es und merkte, dass der Text besser – persönlicher – wurde. Der Leser und die Leserin sollten mehr erfahren über mich. Ich wollte Fragen beantworten, die mir immer wieder persönlich gestellt werden: »Wie bist du zu den Wölfen gekommen?« »Wie war das mit der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe?« »Hast du keine Angst vor den Wölfen?« Und so begann die Arbeit am Buch.
zurück zum Buch
|
|
|
 |
|
|
|
|