Fastenzeit – Was hat es gebracht?

7 Wochen Fastenzeit

An Ostern ist die Fastenzeit zu Ende.
Millionen Menschen lassen sich jährlich mit „7 Wochen Ohne“, der Fastenaktion der evangelischen Kirche, aus dem Trott bringen. Sie verzichten nicht nur auf Schokolade oder Nikotin, sondern folgen der Einladung zum Fasten im Kopf: sieben Wochen lang die Routine des Alltags hinterfragen, eine neue Perspektive einnehmen, entdecken, worauf es ankommt im Leben. Dieses Jahr gab es bei der Aktion eine „Kur der Entschleunigung“ unter dem Motto: „Augenblick mal! – Sieben Wochen ohne Sofort“.
Ich finde dieses Motto großartig, besonders für alle iPhone- und E-Mail Geplagten.

Ich persönlich hatte mich für ein anderes Fasten entschlossen:

Mein Empörungsfasten

Der Autor und Blogger Johannes Korten hat mich auf die Idee gebracht.
Der sensible und empathische Autor ist am Leben insbesondere am Terror und den Amokläufen dieser Welt zerbrochen, wie er in seinem Abschiedsbrief schrieb und hat sich im Sommer 2016 das Leben genommen.
Ich finde es sehr traurig, dass gerade Menschen, die dem Leben so viel zu geben haben, daran zerbrechen.

Fastenzeit - Widerstand gegen die Empörung
Foto: Sergey Nivens_Fotolia

Wozu soll Empörungsfasten gut sein?

Mir gingen die schlechten Nachrichten zu geforderten Wolfsabschüssen, die schlauen Aussagen vermeintlicher „Experten“, der Trumpismus, die AfD, die Rassismus-Hetze und alle anderen menschliche Verwirrungen so auf die Nerven, dass ich bei jeder neuen Meldung im TV oder den Zeitungen wie ein HB-Männchen in die Luft gegangen bin. Das hat mir definitiv nicht gut getan, zumal ich ja mit meiner Entrüstung die Welt keinen Deut besser mache. Darüber hinaus kostete mich das zu viel wertvolle Energie.
Also beschloss ich, mich sieben Wochen lang nicht mehr aufzuregen. Ich schaute weiterhin Fernsehen und las die Zeitung und stellte aktuelle Wolfsmeldungen auf meine Google+ Seite. Aber diesmal nahm ich die Nachrichten nur noch zur Kenntnis, trat in Gedanken einen Schritt zurück, atmete tief durch und entspannte mich.

Hat es geklappt?

Ja, es ist mir erstaunlich gut gelungen. Ich bin heute deutlich entspannter als am Aschermittwoch, nachdem mir bewusst geworden ist, dass ich die Irren dieser Welt nicht verändern kann und es auch nichts bringt, sich über sie aufzuregen. Warum sollen die Reden und Taten anderer einen Einfluss auf meine Gefühle und mein Wohlbefinden haben. Niemand außer mir selbst ist verantwortlich dafür, wie ich mich fühle.
Ein weiterer interessanter Nebenaspekt des Empörungsfastens war dies: Dadurch, dass ich nicht gleich explodiert bin und erst einmal durchgeatmet habe, konnte ich Abstand gewinnen und so einiges auch aus einer anderen Perspektive sehen.
Kurzum – mir hat diese innerliche „Entschleunigung“ so gut gefallen, dass ich sie gerne auch noch nach Ostern in den Alltag mitnehmen möchte, denn es tut gut, so tiefenentspannt zu sein wie dieser Fuchs.

Fastenzeit - entspannt wie ein Fuchs
Tiefenentspannt. (Foto: pixabay)